Blickfang auf dem Ostenhellweg: Kunstinstallation statt Kinderspielzeug © Christian Gerstenberger
Früherer Spielwarenladen

Was hinter dem Monster im Ex-Lütgenau-Schaufenster am Ostenhellweg steckt

Ist es ein kuscheliges Plüschtier? Oder doch ein düsteres Wesen, das auf dem Ostenhellweg zu sehen ist? Im Ex-Ladenlokal von Spielwaren Lütgenau tut sich etwas.

Ein schwarzes, amorphes Wesen fällt den Passanten am Ostenhellweg 42 ins Auge. Seit Anfang dieser Woche schmückt dieses undefinierbare Tier die Schaufenster des einstigen Spielwarenladens Lütgenau. Hinter dem Werk stecken die beiden Künstlerinnen Christel Fetzer und Christiane Stegat. „Picknick am Wegesrand“, so der Titel nach dem gleichnamigen russischen Science-Fiction-Roman, entstand im Rahmen des Projekts „Jahr1000Sommer“.

Das Projekt von DortmundKreativ lädt bereits seit August Künstler und Studierende dazu ein, Installationen und Ausstellungen im Stadtraum zu präsentieren. „Picknick am Wegesrand“ ist voraussichtlich bis Mitte November zu sehen. Das sei jedoch noch nicht abschließend geklärt, wie Christiane Stegat erklärt, da im nächsten Monat ein Nachmieter einziehe. Wer das sein wird, ist noch unbekannt.

„Picknick am Wegesrand“: So heißt das Werk von zwei Künstlerinnen © Christian Gerstenberger © Christian Gerstenberger

Inspiration durch Warenwelt im Geschäft

Ihr und Christel Fetzer gehe es ohnehin darum, „mit temporären Mitteln zu arbeiten“. Dafür klebten sie eine aufwendige Folie auf die große Vitrine. Doch was genau breitet sich da aus? „Es ist einfach ein fremdartiges Tier“, verrät Stegat. Trotz der düsteren Zacken sei es „nicht bedrohlich“, stellt die Künstlerin klar. Im Gegenteil: „Es hat auch viel mit Kuscheltieren zu tun.“

Das Duo ließ sich auch von der Warenwelt inspirieren, die das ehemalige Lütgenau vor der Insolvenz in diesem Schaufenster noch bis August dieses Jahres ausstellte, darunter Modelleisenbahnen, Actionfiguren oder eben Plüschtiere. Die Arbeit nehme ausdrücklich Bezug auf den einstigen Spielwarenladen.

Reaktionen älterer Passanten: Erinnerungen wurden wach

Ihre Installation versprühe damit auch Nostalgie, wie Stegat erklärt: „So eine Vitrinen-Landschaft ist ja unzeitgemäß.“ Denn bevor Kinder durch die Amazon-Angebote scrollten, hatten sie sich an den Schaufenstern die Nasen plattgedrückt, selbst wenn das Taschengeld nicht für die begehrten Artikel reichte: „Kinder können sich da eine erfundene Welt anschauen, ohne was kaufen zu müssen“, meint Stegat.

Aber vor allem bei älteren Passanten erweckte das Kunstwerk Kindheitserinnerungen, wie Stegat an der Reaktion der Neugierigen erkannt habe: „Sie haben viel erzählt, da kamen Erinnerungen wach.“ Und Viele drückten ihr Bedauern darüber aus, dass die beliebte Adresse auf dem Ostenhellweg verschwand. Die Kölnerin durchblätterte bei den Recherchen für dieses Projekt Archive oder unterhielt sich vor Ort mit einem Hausmeister. Ihre Feststellung: „Es ist berührend, wie stark sich die Menschen in Dortmund damit identifizieren.“