In dieses Biobeet, das sich im Freien befindet, gelangt die Abluft der Hefetrocknung. Ist es Verursacher für den üblen Geruch, über den viele Brackeler immer wieder klagen? © Andreas Schröter
Geruchsbelästigung

„Bierähnlich oder Erbrochenes“? Ominöser Gestank beschäftigt Stadtteil

Immer wieder beschweren sich die Brackeler über eine penetrante Geruchsbelästigung, die von der Firma Tremonis ausgehen soll. Nun ist auch Bezirksbürgermeister Czierpka damit befasst.

Wegen des Gestanks, der nach Ansicht vieler Brackeler vom Brauerei-Nebenprodukt-Verarbeiter Tremonis an der Westfälischen Straße ausgeht, haben sich viele Bürger auch an den Brackeler Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka gewandt. Er sagt dazu: „Ich habe ihnen den deutlichen Hinweis gegeben, dass es wenig bringt, sich im Internet gegenseitig aufzuregen und die Firma zu beschimpfen.“

Gleichwohl habe die Gemeinsame Untere Umweltschutzbehörde, die für die Städte Bochum, Hagen und Dortmund zuständig ist, die Firma auf dem Schirm. So habe es noch im Juli 2020 eine Überprüfung gegeben. Dabei sei aber auch herausgekommen: Gerüche nach Erbrochenem oder nach einer Kläranlage, wie sie zum Teil von Brackeler Bürgern beschrieben werden, können nicht von der Firma Temonis stammen. Czierpka vermutet Dünger auf Feldern oder auch das Abwassersystem, in dem Fäkalien zurückbleiben können.

„Sinnvoll ist, den Geruch zu beschreiben“

Um zweifelsfrei den Verursacher zu ermitteln, brauche die Bezirksvertretung Daten. Dabei können alle helfen, die sich betroffen fühlen – am besten in Form eines Tagebuchs, in dem festgehalten wird, wann Gerüche wahrgenommen wurden. Und zwar genau mit Ort, Datum und Uhrzeit.

Sinnvoll sei auch der Versuch, den Geruch zu beschreiben. Nicht einfach nur durch Adjektive wie eklig oder übel, sondern möglichst versuchen, den Mief in Kategorien wie säuerlich, bierähnlich, nach Hefe und so weiter einzuordnen.

Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka bittet um tagebuchähnliche Aufzeichnungen, die den Geruch belegen
Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka bittet um tagebuchähnliche Aufzeichnungen, die den Geruch belegen. © Andreas Schröter (Archiv) © Andreas Schröter (Archiv)

Czierpka weiter: „Ganz besonders gut wäre es, wenn das mehrere Personen machen würden, die an verschiedenen Stellen wohnen. Dann kann das Umweltamt anhand von Wetterdaten zweifelsfrei feststellen, wo der Verursacher sitzt oder wo sich genau die Quelle des Gestanks befindet.“

„Pauschale Beschuldigungen machen keinen Sinn“

Es ergebe keinen Sinn, lapidar auf Tremonis hinzuweisen, die Firma müsse zweifelsfrei als Verursacher identifiziert und das Maß der Belästigung belegt werden können. Nur dann habe das Umweltamt eine Handhabe.

Die Bezirksvertretung Brackel habe sich 2009/2010 sehr ausführlich mit diesem Problem beschäftigt, es habe 2012 und 2014 einzelne Beschwerden gegeben, zuletzt habe sich jemand im November 2019 beschwert, aber das seien Einzelereignisse gewesen, die sich nicht wiederholten.

Viele Brackeler Anwohner sehen in der Firma Tremonis, die ihren Sitz an der Westfälischen Straße hat, den Verursacher von üblen Gerüchen
Viele Brackeler Anwohner sehen in der Firma Tremonis, die ihren Sitz an der Westfälischen Straße hat, den Verursacher von üblen Gerüchen. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Parallel trete das Problem auch in Wickede auf. Dort sei es der Aromenhersteller Givaudan, der sporadisch bis in den Ortskern zu riechen gewesen sei. Änderungen in der Filtertechnik haben nach Auskunft Czierpkas hier für Abhilfe gesorgt.

Er sagt weiter: „Und es komme bitte niemand auf die Idee, den Duft von Aromen als angenehm abzutun. Wenn es im Hochsommer bei 30 Grad penetrant nach Spekulatius oder Himbeeren riecht und man diesem Geruch nicht ausweichen kann, ist das ebenfalls sehr belästigend.“

Keine technische Möglichkeit, Gerüche zu messen

Das Schwierige bei Gerüchen sei, dass es keinerlei technische Möglichkeiten gebe, sie zu messen. Da müsse man auf die Nasen vertrauen. Und darum sei ein Nachweis über die Wahrnehmung der Gerüche nur dann möglich, wenn solche Ereignisse festgehalten werden. Erst dann könne durch Rechenmodelle versucht werden, den Grad der Belästigung zu bestimmen.

In der Rechtssprechung werde von einer Belästigung nur dann ausgegangen, wenn diese in mehr als zehn Prozent der Jahresstunden auftrete. Wenn es also dann und wann mal stinke, sei das vor Gericht kein Grund, etwa gegen eine Firma vorzugehen.

Anders sehe es aus, wenn der Gestank ekelerregend sei. Aber auch das müsse zunächst einmal festgestellt werden. Czierpka: „Daher meine Bitte an alle, die sich hier belästigt fühlen: aufschreiben und nach einiger Zeit an die Verwaltungsstelle weitergeben. Nur so werden wir Abhilfe schaffen können.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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