Am Brackeler Hellweg werden Postsendungen zur Abholung hinterlegt. So will die Post ihre Mitarbeiter schützen. © Lydia Heuser
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Corona-Schutzmaßnahme für Postboten sorgt bei Dortmunderin für Ärger

Die Post schützt ihre Mitarbeiter mit mehreren Maßnahmen. Für eine Dortmunderin bedeutet eine davon aber mehr Kontakte. Und auf diese will sie aus Angst vor Corona eigentlich verzichten.

Die Dortmunderin Sandra Hoffmann aus Brackel staunte eines Morgens nicht schlecht. Ihr Postbote klingelte und steckte ihr einen Abholschein in den Briefkasten.

Er dürfe ihr das Kuvert, welches per Nachnahme verschickt wurde, nicht aushändigen. Ihm selbst sei die Situation sichtlich unangenehm gewesen, meint Sandra Hoffmann.

Bei einer Sendung per Nachnahme nimmt der Postbote quasi den fälligen Betrag für eine Lieferung, in diesem Fall 26 Euro, entgegen. Die Summe wird dann auf das vom Versender angegebene Konto überwiesen. Mit einer Nachnahme ist sichergestellt, dass der Verkäufer oder Versender sein Geld erhält, sobald die Sendung ausgeliefert wurde.

Schlange von 15 Leuten

Auf „ihren“ Postboten lässt Sandra Hoffmann aber nichts kommen. Er sei „der Beste“ und natürlich nicht verantwortlich zu machen.

Die Brackelerin fand die Situation nicht bloß kurios, sondern die Maßnahme wenig sinnvoll. „Am Samstag muss ich mich dann in eine Schlange von 15 Leuten einreihen, wenn ich die Sendung abholen und bezahlen will“, ärgert sie sich.

Dabei wolle sie den Kontakt zu anderen Menschen so weit es geht minimieren – wie es ja auch angeraten ist. „Wir gehen nur mit Handschuhen und Maske einkaufen“, erzählt sie. Familie Hoffmann achte so genau auf Abstand und Hygiene, weil sie einen Hochrisikopatienten im Haushalt haben.

Dass sie eine Nachnahme zugestellt bekommen würde, wusste sie. Deshalb hatte sie beim Absender vorher gefragt, ob es nicht auch andere Möglichkeiten der Bezahlung gebe. „Eine Überweisung war aber nicht möglich.“

Die 26 Euro hatte sie vorsorglich schon abgezählt und für den Postboten bereitgelegt.

DHL schützt Postboten vor Corona

DHL-Pressesprecher Rainer Ernzer erklärt auf Anfrage der Redaktion, dass der Postbote nach internen Maßnahmen der Deutschen Post gehandelt habe. „Wir bitte um Verständnis“, sagt er.

Im März vergangenen Jahres sei das Unternehmen dazu übergangen, den Kontakt zu den Sendungsempfängern zu minimieren. Das bedeute, dass Pakete seither „nach Sichtkontakt“ mit dem Empfänger abgestellt und nicht mehr überreicht werden. „Der Kunde muss nicht mehr den Empfang per Unterschrift bestätigen. Der Zusteller macht stattdessen einen Q-Vermerk“, erläutert Rainer Ernzer das Vorgehen. „Q“ steht dabei für „Quarantäne“.

„Wir wollen unsere Mitarbeiter so weit es geht schützen“, erklärt er die Maßnahmen, die im Falle von Sandra Hoffmann „suboptimal“ seien. Denn besondere Sendungen, wie Nachnahmen, können seitdem ausschließlich am Schalter ausgehändigt und bezahlt werden.

Dort seien die Schutzmaßnahmen höher; der Schalter ist durch eine Plexiglaswand abgeschirmt, die Kunden tragen Mundschutz – somit seien die Mitarbeiter besser geschützt als an der Haustür.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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