Fast im Originalzustand befindet sich der Ort des Geschehens, an dem die 66-Jährige fast von einem Baum erschlagen wurde. © Daniel Immel
Sturm „Ignatz“

Dortmunderin entgeht dem Tod um wenige Zentimeter – „Dann lag ich da“

Sturm „Ignatz“ hätte eine Dortmunderin (66) beinahe das Leben gekostet, nur wenige Zentimeter haben gefehlt. „Es geht mir wieder besser“, sagt sie am Tag danach. Es war ein Schockmoment – nicht nur für sie.

Sehr großes Glück hatte eine Dortmunderin am Donnerstag (21.10.). „Die Leute, die das gesehen haben, dachten sich bestimmt: die Frau ist tot.“ So beschreibt die 66-jährige Frau einen Vorfall, bei dem sie dem Tod wortwörtlich von der Schippe gesprungen ist. Sie möchte keinen großen Trubel um ihre Person – ihren Namen nennen wir daher nicht.

Es ist 9.30 Uhr, als sich die Bewohnerin eines Mehrfamilienhauses in der Max-Brod Straße in Dortmund-Scharnhorst auf dem Rückweg von ihrem Einkauf im EKS (Einkaufszentrum Scharnhorst) befindet. Sie ist mit ihrem Rollator unterwegs, als sie beinahe von einem umstürzenden Baum erschlagen wird.

Im Drogeriemarkt habe sie mit der Kassiererin noch gewitzelt. „Jetzt muss ich mich aber beeilen, das sieht ganz schön stürmisch aus“, habe sie zur Verkäuferin gesagt. Nur wenige Minuten später wird ihr dieser Sturm fast zum Verhängnis.

„Ich erinnere mich an alles, bloß nicht, wie das passiert ist“ – für einen kurzen Moment unterbricht sie ihren Satz – „und dann lag ich da“. Sie befindet sich auf Höhe des letzten Wohnblocks vor ihrem Mietshaus, als der Baum umstürzt.

Der dicke Ast verfehlt die Seniorin nur knapp, begräbt stattdessen den Rollator unter sich. Nur wenige Zentimeter fehlen an diesem Morgen und der Baum hätte sie anstelle ihres Rollators erwischt. Diese Zentimeter haben über Leben und Tod entschieden.

Einen Tag nach dem Unfall, ist ein Teil des Geländes abgesperrt. © Daniel Immel © Daniel Immel

Trotz Unfall kein Krankenhausbesuch

Durch den Aufprall des Baumstammes wird sie mitgerissen und stürzt zu Boden. Schlimm verletzt wird sie aber nicht. Rückblickend sagt sie: „Das Adrenalin hat mich so gepusht, da habe ich Schmerzen gar nicht so wahrgenommen.“ In ein Krankenhaus einliefern lassen, das sei für sie nach dem Sturz keine Option gewesen. Sie habe schließlich „Horror vor Krankenhäusern“.

Zuhause bemängelt sie lediglich einen hohen Blutdruck, eine Schürfwunde an der Hand, vereinzelte Prellungen und eine leichte Verletzung am Kopf. Sie sagt am Tag danach: „Es geht mir gut, wieder besser. Hier und da tut es noch etwas weh, aber das sind nur Kleinigkeiten.“

Nachbar erlebt Unfall hautnah mit

Dass es ihr trotz des Vorfalls erstaunlich gut geht, hat sie auch den umliegenden Anwohnern zu verdanken. „Ich bin denen dankbar“, sagt sie, da diese sie nach dem Erlebten gut versorgt hätten. Einer der Helfer erlebte den Vorfall aus nächster Nähe. „Ich habe auf dem Balkon eine Zigarette geraucht und sie gesehen und, dass der Baum umstürzt“, sagt der Anwohner.

Seinen Namen möchte er nicht nennen. Er habe die Frau mit einem „Stopp“-Ruf vor dem stürzenden Baum warnen wollen – durch den Sturm habe sie jedoch nichts gehört. Hinterher hilft er ihr, bringt sie gemeinsam mit anderen Anwohnern nach Hause. Seine Einordnung des dramatischen Ereignisses: „Sie hat ihr zweites Leben begonnen“. Auch deshalb ist die Seniorin dankbar.

In Zukunft will sie nicht mehr bei einem Unwetter Einkaufen gehen. Auch die bisherige Route zum EKS wird sie erstmal meiden: „Da gehe ich nicht mehr her.“ Erstmal steht aber jetzt das Ausruhen an, bis alles wieder normal ist. Und: bis der neue Rollator kommt.

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