Michael Bellwinkel steht vor Stämmen der letztjährigen Holzernte. Von Holzeinschlägen ist der Umweltschützer nicht überzeugt. © Daniel Immel
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Holzfällarbeiten im Grävingholz: „Wald soll sich selbst überlassen werden“

Jährlich finden in den hiesigen Wäldern Holzfällarbeiten statt – eigentlich in Zeiten des Frosts. Im Grävingholz-Wald wurde bereits jetzt einiges gefällt. Zum Ärgernis eines Umweltschützers.

Spaziergänger und Wanderer in Grävingholz werden derzeit mit dem Anblick konfrontiert, dass Buchen und Lärchen gefällt wurden – größtenteils befindet sich das Geäst noch an den auf dem Boden liegenden Bäumen.

Der verfrühte Holzeinschlag – so der Begriff für die Holzernte – sorgt für Verwunderung bei Michael Bellwinkel von der „Bellwinkel Stiftung für Umwelt- und Klimaschutz“. Besser sei es, wenn Bäume ab Herbst und im Winter gefällt werden.

Laut Axel Dehler, zuständiger Förster für den Bezirk Nord, handelt es sich bei den abgeholzten Bäumen um abgestorbene trockene Lärchen. Diese würden auch zu Zwecken der Verkehrssicherung gefällt werden. Außerdem würde man manche Bäume fällen, wenn diese sich gegenseitig in der Entwicklung behindern.

Fällen der jungen Bäume als Streitpunkt

In diesem Jahr ärgert sich Michael Bellwinkel vor allem darüber, dass viele junge Lärchen oder Buchen gefällt wurden. Die Stadt würde damit gegen die eigene Zielsetzung verstoßen, den Wald zu verjüngen, indem man junge Bäume erntet.

Dünne Baumstämme: Vielerorts wurden junge Bäume im Wald gefällt.
Dünne Baumstämme: Vielerorts wurden junge Bäume im Wald gefällt. © Daniel Immel © Daniel Immel

Seiner Ansicht nach können die dünnen Baumstämme sowieso nicht so gut verwertet werden – außer als Brennholz. Auch als Totholz, das im Wald als Nährstoffquelle zurückbleibe, sei dickeres Holz besser geeignet als junges.

Dazu bezieht Andrea Lenke, Leiterin des Forstbetriebsbezirks Dortmund im Landesbetrieb Wald und Holz NRW, Stellung: Das Fällen von jungen Bäumen diene den Durchforstungszwecken. Man müsse da auf die Vitalität und Gesundheit der Bäume schauen.

Dünne Stämme könne man außerdem zu Spanplatten oder Möbelstücken verwerten. Außerdem würde man die Baumkrone und das Geäst der gefällten Bäume im Wald zur Nährstoffzurückführung liegenlassen.

Bellwinkel fordert Ende des Holzeinschlages

Umweltschützer Michael Bellwinkel ist allgemein nicht besonders von der Holzernte angetan. „Die Bäume speichern Kohlenstoff und werden gefällt – so wird der gespeicherte Kohlenstoff wieder freigegeben“, sagt er.

Schon seit längerer Zeit stört er sich daran, dass jährlich in Grävingholz ein Holzeinschlag vorgenommen wird. Durch die Fällung würde unter anderem das Klima belastet.

Bellwinkel möchte daher das Ende des Holzeinschlages einläuten. „Große Teile des Dortmunder Stadtwalds stehen unter Naturschutz.“ Geht es nach Bellwinkel, so sollte zukünftig dem Wald nur noch Holz entnommen werden, das eine Gefährdung für die Waldnutzer darstellt: „Es ist verständlich, dass tote Bäume gefällt werden, die den Verkehr gefährden.“ Ansonsten soll sich der Wald selbst überlassen sein – schließlich handele es sich um ein Naturschutzgebiet, so seine Ansicht.

Bellwinkel: „Rechne mir keine großen Chancen aus.“

Dafür hat Bellwinkel den Fraktionen des Rats der Stadt Dortmund den Beschlussvorschlag zum Erhalt der Klimaschutzfunktion des Dortmunder Stadtwaldes vorgelegt – um so in Zukunft den Holzeinschlag zu verhindern.

Seinen Angaben zufolge würde eine Fraktion Anfang November den entsprechenden Antrag im Umwelt-Ausschuss vorlegen – welche Fraktion, das will er nicht verraten. Große Chancen rechnet sich Bellwinkel nicht aus. „Die Stadt ist dagegen.“

Für Andrea Lenke ist das derzeit keine Option. „Man muss die Wertschätzungskette fördern“, sagt sie. Man brauche das Holz auch als Rohstoff für gewisse Branchen. Daher müssen bei einem Holzeinschlag auch gesunde Bäume gefällt werden. „Man könne zwar in einzelnen Naturschutzgebieten verzichten“, so Andrea Lenke. Ein generelles Verbot sei aber keine Lösung.

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