Das Verwaltungsteam von Gerüstbau Bönninger um Carmen und Christian Bönninger (1. und 2.v.r.) hat durch seine provokante Anzeigenkampagne viele neue Bewerber für das Unternehmen interessiert. © Andreas Schröter
Bönninger

Provokante Kampagne: Dortmunder Gerüstbaufirma legt nach

Anzeigen müssen vor allem eines: auffallen. Zumindest das ist der Dortmund Gerüstbaufirma Bönninger bereits gelungen. Bald ist deren provokante Kampagne auch in Hauswand-Größe zu sehen.

Vor eineinhalb Jahren hat die Firma Gerüstbau Bönninger mit sehr ungewöhnlichen Anzeigen im Internet und in der Zeitung um neue Auszubildende geworben. Darin hieß es unter der Überschrift „Jung, planlos & erfolglos“ unter anderem: „Du bist jung und der Plan fehlt Dir total? Zum Nerd hast Du zu viel Kompetenz? Fitnessstudio langweilt Dich? Dann komm zu uns als Gerüstbauhelfer/in oder Bauhelfer/in“.

Juniorchef Christian Bönninger (27) spricht heute von einem Erfolg dieser Kampagne: „Die Anzeigen haben auf jeden Fall für große Aufmerksamkeit gesorgt und uns viel mehr Bewerber beschert als zuvor.“ Oft sei es gar nicht mal die angesprochene Zielgruppe selbst gewesen, die darauf aufmerksam geworden sei, sondern vielleicht die Eltern oder Großeltern, die ihre Sprösslinge darauf hingewiesen haben.

So sieht eines der neuen Anzeigenmotive der Gerüstbaufirma Bönninger aus
So sieht eines der neuen Anzeigenmotive der Gerüstbaufirma Bönninger aus. © Bönninger © Bönninger

Auch sei es nicht so gewesen, dass diese besondere Art der Anzeigen vorwiegend unseriöse junge Leute auf den Plan gerufen habe, die ihre Bewerbung nicht sonderlich ernst nehmen. Der Prozentsatz solcher Bewerber sei vorher genauso hoch gewesen, so Christian Bönninger, was im Übrigen nicht heiße, dass man auch einen solchen Bewerber nicht einstellen könne. Sein Motto laute: „Es gibt keine schlechten Mitarbeiter.“

„Man muss die Menschen nur richtig einsetzen“

Es komme immer ganz darauf an, in welchen Bereichen man sie einsetze. Natürlich würde man jemanden, der noch sehr kindsköpfig sei, nicht zum Aufbau von Gerüsten verwenden. Aber vielleicht gebe es andere Aufgaben für ihn oder sie. Natürlich komme es dennoch gelegentlich vor, dass man sich nach der Probezeit auch wieder von einem Bewerber trennen müsse.

Auch mit diesem Motiv wirbt Bönninger um Auszubildende
Auch mit diesem Motiv wirbt Bönninger um Auszubildende. © Bönninger © Bönninger

Und weil die Firma immer noch Auszubildende sucht, hat sie sich nun etwas Neues überlegt. In Dortmund und Umgebung hat es jeder schon einmal gesehen: ein Bönninger-Gerüst. Also warum nicht direkt daran die Stellenausschreibung befestigen? Riesengroß und für jeden sichtbar, der daran vorbeigeht. So sehen Passanten in Zukunft an verschiedenen Gerüsten der Firma Aufschriften wie „F*CK – immer noch kein Job in Aussicht?“ oder „Wir scheißen auf Deine Zeugnisse!“.

Dazu Christian Bönninger: „Provokant – doch wer junge Menschen erreichen möchte, muss ihre Sprache sprechen.“ Denn gerade ihre Förderung und Ausbildung sei es, was der Firma besonders am Herzen liege. Und auch ein Sechser in Mathe hindere niemanden daran, gute Arbeit am Gerüst zu leisten.

Bönninger: „Deshalb bilden alle drei Gerüstbauermeister des Betriebes – Vater, Tochter und Sohn – neue Mitarbeiter aus und haben so aktiv Einfluss auf die Qualifikation zukünftiger Mitarbeiter.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter