Wizz Air erweitert sein Angebot für den Flughafen Dortmund: Ab sofort kann man direkt nach Afrika fliegen. © picture alliance / dpa
Flughafen

Schwellenverlegung am Flughafen: Sozialdemokrat sieht einen „Skandal“

Die vom Flughafen gewünschte Schwellenverlegung sorgt für Diskussionen. Nun meldet sich die SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Brackel zu diesem Thema zu Wort.

Die Bezirksregierung Münster führt auf Antrag des Flughafens Dortmund ein Plangenehmigungsverfahren durch. Die Schwelle am östlichen Ende der Start- und Landebahn soll, wie mehrfach berichtet, entfallen. Dort dürfen die Flugzeuge heute erst nach 300 Metern aufsetzen, künftig sollen sie das direkt am Beginn der Landebahn tun dürfen.

Die SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Brackel missbilligt die Wahl dieses Verfahrens, denn die Aufhebung der Schwelle komme faktisch einer Verlängerung der Landebahn um 300 Meter gleich und ermögliche somit größeren Flugzeugen die Landung. Während in einem Planfeststellungsverfahren auch einzelne Bürger Einwände vorbringen können, sei dies in einem Plangenehmigungsverfahren nicht vorgesehen.

Rat hat keine Einwände

Der Rat der Stadt Dortmund hat den geplanten Wegfall der Schwelle begrüßt und keine Einwände dagegen erhoben. Damit habe sich Dortmund quasi als nicht betroffen bezeichnet, so die SPD in Brackel weiter, und sei nun, bei einem Plangenehmigungsverfahren, im Gegensatz zu Unna gar nicht mehr eingebunden.

Die Dortmunder Flughafen GmbH möchte die Landeschwelle 24 verschieben.
Die Dortmunder Flughafen GmbH möchte die Landeschwelle 24 verschieben. © www.blossey.eu © www.blossey.eu

Was der Brackeler SPD-Fraktion „besonders sauer aufstößt“, wie es in einer entsprechenden Presseerklärung heißt: „Beim Planfeststellungsverfahren zur Verlängerung der Bahn auf 2.000 Meter wurde mehrere Tage in der Westfalenhalle verhandelt, Betroffene konnten ihre Einwände vorbringen und am Ende wurden Schwellen beschlossen, die die Landebahn auf 1.700 Meter begrenzten. Das soll nun ohne jede Beteiligungsmöglichkeit der Anlieger geändert werden.“

Ex-Bezirksbürgermeister erinnert sich an hitzige Diskussionen

Einer, der damals als betroffener Bürger jeden Tag dabei war, ist Ex-Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka. Er erinnert sich noch gut an die hitzige Diskussion: „Es waren viele Menschen aus Unna und Dortmund dabei. Unsere Befürchtung war, dass sich aus dem kleinen Geschäftsflughafen ein großer Touristik-Airport entwickeln würde. Heute sehen wir, wie berechtigt unsere Sorgen waren.“

Damals haben sowohl der Flughafen als auch die Bezirksregierung diese Befürchtungen vom Tisch gewischt und argumentiert, die enge Betriebszeit von 6 Uhr bis 22 Uhr, die Tonnagebegrenzung auf 100 Tonnen und die nutzbare Landebahnlänge von nur 1.700 Metern würden Tourismus allenfalls als Nischengeschäft zulassen.

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit steht der scheidende Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka auf der Treppe der Bezirksverwaltungsstelle in Brackel. Er wünscht sich einen barrierefreien Neubau als künftige Verwaltungsstelle.
Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit steht der scheidende Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka auf der Treppe der Bezirksverwaltungsstelle in Brackel. Er wünscht sich einen barrierefreien Neubau als künftige Verwaltungsstelle. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Czierpka: „Wir alle wissen, was wenige Jahre später geschah: die Tonnagebegrenzung wurde deutlich erhöht und die Betriebszeiten durch großzügige Verspätungsregeln aufgeweicht. Und nun soll auch noch die letzte Schranke fallen. Eine Schwellenverlegung um 300 Meter kommt einer Verlängerung der Landebahn gleich. Die nutzbare Länge aber ist damals im Planfeststellungsverfahren festgeschrieben worden. Nun soll sie ohne Beteiligung der Öffentlichkeit geändert werden. Das ist ein Skandal!“

Da es keine andere Möglichkeit der Beteiligung gibt, will die SPD-Fraktion nun erreichen, dass der Bezirksbürgermeister der Bezirksregierung das Missfallen über die Wahl des Verfahrens mitteilt und sie auffordert, das Plangenehmigungsverfahren in ein Planfeststellungsverfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit umzuwandeln.

Daniel Behnke, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Hellweg, verweist auf einen weiteren Aspekt: „Längere Landebahn heißt immer auch größere Flugzeuge und damit sind neue Ziele erreichbar. Der Flugverkehr wird also zunehmen. In einer Zeit, in der der Klimaschutz zur wichtigsten Aufgabe der Politik geworden ist, darf eine solche Änderung nicht ohne Beteiligung der Öffentlichkeit verhandelt werden.“

Die SPD im Stadtbezirk Brackel weist darauf hin, dass auch Betroffene an die Bezirksregierung Münster schreiben und eine Änderung des Verfahrens einfordern können: die Behörde sitzt am Domplatz 1-3 in 48143 Münster.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter