Die Pandemie zerstört so machen Traum von der Märchenhochzeit. (Symbolbild) © picture alliance / dpa
Hochzeit in Corona-Zeiten

Traumhochzeit drei Mal verschoben: „Seit einem Jahr ständig nervös“

Eine Dortmunderin hatte ihre große Traumhochzeit geplant – dann kam Corona. Bis heute hat das Paar den Termin drei Mal verschoben. Die Braut erzählt vom schweren Abschied und was ihr geholfen hat.

Das Leben steht gefühlt seit einem Jahr still. Die Pandemie führt dazu, dass Träume zerplatzen – wie der von der großen Hochzeit.

Am Arm des Vaters in die Kirche schreiten

Stefanie Focht träumte schon als siebenjähriges Mädchen von einer Traumhochzeit. Am 11. Juli 2020 sollte ihr Traum wahr werden. Sie wollte ihren Freund in der St.-Dionysiuskirche in Kirchderne heiraten, dort wurde sie auch getauft. Am Arm ihres Vaters wollte sie in die Kirche schreiten. 150 Gäste hatte das Paar eingeladen.

Die Hochzeitseinladungen waren verschickt, die Location gemietet, das Traumkleid gefunden, der Moderator für die Feier organisiert, der Caterer gebucht; nur kleine Dinge, die Stefanie Focht und ihr Mann wenige Wochen vorher organisieren wollten, fehlten noch.

„Ich wollte zum Beispiel Stellwände bestellen, wo ich die Sitzordnung der Gäste angepinnt hätte“, sagt Stefanie Focht. Sie überlegte hin und her, war sich nicht sicher, ob die große Hochzeit überhaupt würde stattfinden können.

„Mein perfektes Kleid hängt seitdem auf dem Dachboden“

Sie hielt unentwegt die aktuellen Verordnungen im Auge, schaute, ob eine Feier überhaupt noch erlaubt sein würde. Doch daraus wurde nichts. Anderthalb Jahre hatten sie den großen Tag geplant. „Mein perfektes Kleid hängt seitdem auf dem Dachboden“, sagt Stefanie Focht (24).

Die kirchliche Trauung und die Feier verlegten sie zunächst in den Oktober. Aber auch den Termin mussten sie verschieben, weil inzwischen die Inzidenzwerte wieder anstiegen.

Ungewissheit wurde zur Belastung

Die Ungewissheit belastete die 24-Jährige sehr. „Ich war seit einem Jahr ständig nervös und aufgeregt. Ich habe nachts nur noch davon geträumt, was noch geplant werden muss.“

Das Paar plante um, machte den 17. April 2021 als Termin fest, in der Hoffnung, dass die Pandemie bis dahin im Griff sei. „Wir haben den Termin jetzt auch abgesagt“, erzählt Stefanie Focht. Mittlerweile sei sie erleichtert über den klaren Schnitt, sagt die 24-Jährige. Das Gedankenkarussell sei jetzt gestoppt.

„Über geplatzte Hochzeiten spricht keiner“

Sie sei aber auch wütend und frustriert gewesen. „Wenn ich außerhalb meiner Familien erzählt habe, dass meine Traumhochzeit geplatzt ist, haben die Leute genickt und gesagt, das tue ihnen leid, dass es aber Schlimmeres gebe.“

Dass dem so ist, ist der Medizinischen Fachangestellten bewusst. Sie sagt aber auch: „Jeder spricht über seine eigene Situation; Lehrer, Gastronomen. Über geplatzte Hochzeiten spricht keiner.“

Ihre Traumhochzeit konnte Stefanie Focht bis heute nicht feiern. Immerhin im kleinen Rahmen, im Standesamt Aplerbeck, konnte sie ihrem Mann das Ja-Wort geben.
Ihre Traumhochzeit konnte Stefanie Focht bis heute nicht feiern. Immerhin im kleinen Rahmen, im Standesamt Aplerbeck, konnte sie ihrem Mann das Ja-Wort geben. © Stefanie Focht © Stefanie Focht

Das Ja-Wort gab sich das Paar am Tag der geplanten Traumhochzeit wenigstens standesamtlich im kleinen Kreis. Bald sind sie schon ein Jahr verheiratet, Pläne machen sie vorerst keine mehr. „Wenn die Lage sich beruhigt und Gottesdienste erlaubt sind, holen wir die kirchliche Trauung spontan nach.“

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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