Viel Geld musste Dr. Rudolf Preuss für die Sanierung der denkmalgeschützten Turnhalle am Balou in Brackel zusammenbringen. © Andreas Schröter
Neue Fenster

Tücken des Denkmalschutzes: Turnhallen-Sanierung in Brackel schießt ins Geld

Wer ein denkmalgeschütztes Haus besitzt, weiß, wie teuer der Erhalt werden kann. Davon kann auch der Takemusu Aikido Dortmund ein Lied singen, der die alte Turnhalle am Balou gepachtet hat.

Die altehrwürdige und unter Denkmalschutz stehende Turnhalle am Balou hat nun auch sanierte Fenster, nachdem im vorigen Jahr bereits das Dach runderneuert worden war. Kostenpunkt allein für die Fenster: 60.000 Euro, wovon die NRW-Stiftung 50.000 Euro übernommen hat.

Den Vorsitzenden des Balou e.V. und zugleich Trainer im Takemusu Aikido Dortmund, der die Halle nutzt, ärgert diese Ausgabe trotzdem. Für 25.000 Euro hätte er neue Fenster bekommen können, die baugleich mit den alten gewesen wären. Preuss versteht das nicht: „Der Denkmalschutz muss doch noch in einem gesunden wirtschaftlichen Rahmen stehen.“

Aber die Denkmalbehörde habe darauf bestanden, die alten Fenster zu sanieren und nicht zu erneuern. Er wolle dafür die Firma „Holz und Form“ aus Bochum einmal loben, sagt Preuss. Es sei ganz erstaunlich, mit welcher Akribie sich die Mitarbeiter die einzelnen Fensterrahmen vorgenommen haben. Sogar die alten Riegel konnten erhalten werden. Aber eine Neuerung hat Preuss den Denkmalschützern dann doch abgerungen: Die Fenster lassen sich nun auch von unten öffnen – kein unerhebliches Detail in einer Halle, in der Sportler schwitzen.

Die Firma
Die Firma „Holz und Form“ aus Bochum konnte die uralten Riegel an den Fenstern erhalten. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Ein ähnliches Zugeständnis konnte Preuss vor einem Jahr auch beim Dach erwirken. Es ist nun besser gedämmt als zuvor. Das hat zur Folge, dass es im Sommer in der Halle nicht mehr so brütend heiß und im Winter nicht mehr so bitterkalt wird wie zuvor.

„Nun ist die Halle zukunftsfähig“

Nun sei die Halle zukunftsfähig. Wären die Sanierungen nicht erfolgt, hätte sie höchstens noch zehn Jahre bestehen können, so schätzt Preuss. Denn durch das marode Dach und die Fenster drang Feuchtigkeit ein, die die Substanz auf Dauer zerstört hätte.

Und doch gibt es langfristig eine weitere Baustelle: Bei den Arbeiten am Dach ist festgestellt worden, dass die sogenannten „Leimbinder“, die aus der Zeit um den Ersten Weltkrieg stammen und für die Statik der Halle wichtig sind, nicht mehr in Ordnung sind: Der darin enthaltene Leim hat sich aufgelöst. Es müssen Verstrebungen („Stahlanker“) in die Halle eingezogen werden.

Alte Leimbinder sind Grund für Denkmalschutz

Preuss weiß noch nicht, wer das bezahlt. Immerhin habe ein Gutachter die Halle nicht für einsturzgefährdet erklärt, sodass sie weiterhin geöffnet ist. Mittelfristig muss das Problem jedoch gelöst werden. Die Leimbinder sind übrigens auch der Grund, warum die Halle denkmalgeschützt ist. Sie sind heute selten geworden.

Trotz aller finanzieller Zuwendungen – die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hatte die Dachsanierung mit 50.000 Euro bezuschusst – habe der Hauptnutzer und Pächter der Halle, der Verein Takemusu Aikido Dortmund, einen Kredit in Höhe von 30.000 Euro aufnehmen müssen.

Ein Mitarbeiter der Firma Holz und Form restauriert die alten Fenster der Turnhalle an der Oberdorfstraße
Ein Mitarbeiter der Firma Holz und Form restauriert die alten Fenster der Turnhalle an der Oberdorfstraße. © privat © privat
Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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