Bezirksvertretung Eving

Vorfreude auf ein inklusives Wohnprojekt – aber auch etwas Kritik

Behinderte und Nichtbehinderte sollen in einem Wohnprojekt gemeinsam leben, das 2023 in Eving fertiggestellt sein soll. Die Politik sieht dem mit viel Wohlwollen - und etwas Kritik - entgegen.

Wenn alles gutgeht, ist Eving Ende 2023 um ein inklusives Wohnprojekt reicher. In zentraler Lage, an der Gärtnerstraße schräg hinter der Polizeiwache, wollen die Werkstatt über den Teichen (WÜT) und der Elisabeth-Vormfelde Verein einen L-förmigen Baukörper errichten, der Platz für 40 bis 50 Mietwohnungen bietet.

Das Besondere daran: behinderte und nichtbehinderte Menschen, eventuell die Angehörigen von Behinderten, Familien und Singles sowie Junge und Alte sollen gemeinsam dort wohnen. „Stadt im Kleinen“ nennen die Initiatoren ihr Projekt. Je nach Bedarf kann man als Bewohner Angebote wie Betreutes Wohnen, Pflegedienste, Hausmeisterservice oder andere Dienste nutzen.

Am Mittwoch (8.9.) stellten die beiden WÜT-Geschäftsführer Philipp Richter und Andrea Terwey sowie Frank Schmidt-Kamann vom Vorstand des Elisabeth-Vormfelde-Vereins das Projekt in der Bezirksvertretung Eving vor.

Diese Vorstellung sollte eigentlich schon Ende 2020 erfolgen, war damals aber zum Ärger der Evinger Politiker ausgeblieben.

80 Prozent geförderter Wohnungsbau

80 Prozent der Wohnungen werden geförderter Wohnungsbau sein – das heißt, man braucht einen Wohnberechtigungsschein, um dort einzuziehen. Die restlichen 20 Prozent sind frei finanziert, sollen aber unter 10 Euro/qm Miete bleiben, wie Andrea Terwey darlegte.

„Wir haben schon jetzt die ersten Anfragen für Wohnungen“, sagt Philipp Richter, obwohl die Baugenehmigung noch nicht vorliegt. Kommt die rechtzeitig, soll der Baubeginn in 2022 sein.

Frank Schmidt-Kamann (v.r), WÜT- Geschäftsführer Philipp Richter (m.) und -Geschäftsführerin Andrea Terwey (h.r.) zeigen die Pläne und das Modell des Wohnprojektes.
Frank Schmidt-Kamann (v.r), WÜT- Geschäftsführer Philipp Richter (m.) und -Geschäftsführerin Andrea Terwey (h.r.) zeigen die Pläne und das Modell des Wohnprojektes. © Irina Höfken © Irina Höfken

Aus den Reihen der Bezirksvertreter kam Kritik an der etwas einfallslosen, rechteckigen Form des Baukörpers, der eher an Bauten aus den 80er-Jahren erinnere. Richter versicherte, dass die Fassaden farbig gestaltet werden und dass sehr viel Holz verbaut werde, sodass sich später ein ganz anderer Eindruck einstellen werde, als es jetzt auf den Plänen den Anschein habe.

Neubauten kosten 12,5 Millionen Euro

Insgesamt 12,5 Millionen Euro kostet die Umsetzung der Pläne, zu denen unter anderem ein Bolzplatz, Tischtennisplatten, ein Spielplatz, ein Gemeinschaftsgarten, ein großer Innenhof und ein Café gehören.

Auf dieses Café freuen sich ganz besonders die Bewohnerinnen und Bewohner in den anderen beiden Wohnhäusern der Werkstatt über den Teichen, die bisher in dem PueD-Café gearbeitet hatten, das jedoch vor einigen Monaten zur Enttäuschung vieler Evinger geschlossen wurde. Sie sollen im neuen Café eine neue Arbeitsstelle finden.

Dass demnächst ein Radweg ganz in der Nähe des Neubaus entlangführen soll, begrüßen die Initiatoren. Da sollte doch Café-Kundschaft abfallen.

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Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter