Engin Sahin (43) ist Schauspieler. Er verkörperte für „Aktenzeichen XY“ ein Dortmunder Mordopfer. © Engin Sahin
„Aktenzeichen XY“

„Was muss derjenige erlitten haben?“: Engin Sahin (43) spielt Dortmunder Opfer

Seit über einem Jahr sucht die Polizei nach dem Täter, der in Wickede einen Dortmunder erstochen hat. Am Mittwoch war der Fall bei „Aktenzeichen XY“ zu sehen. Für den Darsteller eine besondere Rolle.

Schauspieler schlüpfen in Rollen, mal sind sie gut, mal sind sie böse. Das ist ihr Job. Doch es gibt Rollen, die für ihre Darsteller mit besonderen Anforderungen verknüpft sind – zum Beispiel psychisch. Wie für Engin Sahin. Denn der 43-Jährige spielte das Wickeder Opfer bei „Aktenzeichen XY“.

Der Dortmunder Rebwar Kareem Khasraw war gerade auf dem Weg nach Hause von der Arbeit. Es war die Nacht zum 27. August 2020. Er kaufte noch an einem Kiosk ein, kurze Zeit später ist er tot. Ein bislang Unbekannter ermordete ihn mit mehr als 40 Stichen.

„Der Fall ging mir unter die Haut“

Seit über einem Jahr nun tappt die Kripo in dem Fall im Dunkeln. Durch die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ erhofften sich die Beamten am Mittwoch neue Hinweise.

Eine besondere Rolle kam dabei Engin Sahin zu. Der 43-jährige Duisburger ist Schauspieler – und stellte das spätere Opfer in dem 20-minütigen Beitrag dar. „Der Fall ging mir unter die Haut“, sagt Sahin, der schon 2015 in einem Beitrag von „Aktenzeichen XY“ mitgespielt hatte, rückblickend über die Aufgabe.

Über seine Agentur bekam er das Angebot für die Rolle von Rebwar Kareem Khasraw. Sahin las das Skript, sagte schnell zu: „Die Story hat mich sehr berührt.“ Das spätere Opfer habe einen kleinen Sohn gehabt, viele Freunde.

„Er war ein netter Kerl

„Er war sehr hilfsbereit. Er wollte seinen Landsleuten helfen, weil er besser Deutsch konnte. Er war ein netter Kerl“, sagt Sahin über den irakischen Kurden, der 2009 nach Deutschland kam.

Rebwar Kareem Khasraw hatte kurz vor der Tat erst wieder Kontakt zu seinen Sohn aufgebaut. Sahin berührte es, dass das Opfer nicht viel Zeit mit seinem Kind verbringen konnte. „Das ging nicht lange, weil er dann direkt ermordet wurde“, sagt er.

Für ihn sei es schlimm, sowas zu hören. Es zu schauspielern, sei nicht einfach gewesen. „Man muss das fühlen, damit man das zu 100 Prozent wiedergeben kann. Man fragt sich dann: Was muss derjenige erlitten haben?“

Schauspieler hofft auf Zuschauerhinweise

Umso wichtiger sei es ihm gewesen, die Rolle so gut wie möglich zu spielen. „Generell muss man sich als Schauspieler super vorbereiten, man muss es leben können“, erklärt der 43-jährige Deutsch-Türke, der unter anderem auch schon bei „Verbotene Liebe“ und „Alles was zählt“ mitgespielt hat.

Dennoch war es bei „Aktenzeichen XY“ anders: „Ich wollte mein Bestes geben, damit die Zuschauer irgendwelche Hinweise geben können, die der Kripo dann helfen können.“

Gerade die eigentliche Tötungszene war dabei schauspielerisch intensiv: „Man weiß ja, dass man sterben wird, aber man muss trotzdem beim Angriff überrascht wirken“, beschreibt Engin Sahin die Herangehensweise. Bei jedem Messerstich habe er eine bestimmte Körpersprache haben müssen. „Damit man sieht ‚Ah, der leidet‘“, so Sahin.

Dreh fand in München statt

Das Setting dafür stimmte zumindest: Gedreht wurde unter anderem nachts, es habe geregnet, sehr kalt sei es gewesen. Für den Dreh musste Engin Sahin für drei Tage Ende Mai nach München. „Die Plätze werden dort eins zu eins nachgestellt, damit es wirklich so aussieht“, erklärt er.

In Dortmund selbst sei nicht gedreht worden, somit auch nicht am eigentlichen Tatort an der Hatzfeldstraße in Wickede. „Es war sehr professionell, gerade bei der Bekleidung haben sie auf jedes Detail geachtet“, erinnert sich der 43-Jährige. Alles sollte passen, damit die Zuschauer Hinweise geben können.

Engin Sahin hofft nun, mit seiner Darstellung des Dortmunder Opfers zur Lösung des Falls beizutragen. „Hoffen wir mal, dass er geschnappt wird“, sagt der Duisburger Schauspieler. Gerade für die Familie von Rebwar Kareem Khasraw sei ihm das ein besonderes Anliegen.

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1993 in Werne geboren. Habe Geschichte und Religionswissenschaften an der Ruhr-Uni Bochum studiert. Seitdem ich 15 bin bei Lensing Media: Angefangen in der Lokalredaktion Werne, inzwischen fast nur noch als Freie Mitarbeiterin in der Stadtredaktion Dortmund.
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Verena Schafflick