Brackels stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Heide Kröger-Brenner, der stellvertretende Bezirksbürgermeister Dirk Risthaus und Bezirksbürgermeister Hartmut Monecke (von links) legten auf dem jüdischen Bereich des Fränkischen Friedhofs in Dortmund-Wickede einen Kranz zum Gedenken an die Opfer des nationalsozialistischen Antisemitismus nieder. © Julian Preuß
Reichspogromnacht

Wickede erinnert an Pogrome gegen Juden – in ungewohnter Form

Niemals sollen die Verbrechen an den Jüdinnen und Juden in Wickede vergessen werden. Daher gab es wieder eine Gedenkveranstaltung - aber wegen Corona anders als üblich.

„Niemals vergessen“ ist auf der rot-weißen Schleife des Kranzes mit goldenen Stufen aufgedruckt. Unter diesem Motto steht auch in diesem Jahr der 9. November. An diesem Tag im Jahr 1938 verwüsteten die Nationalsozialisten jüdische Geschäfte, steckten Synagogen in Brand. Auch in Dortmund-Wickede erlebten jüdische Bürgerinnen und Bürger diese Gewalt.

Nazis zerstörten jüdischen Friedhof in Wickede

Zerstört und verwüstet wurde ebenfalls der jüdische Bereich des Fränkischen Friedhofs. „Die sich hier befindenden Steine sind Kopien“, erzählt Brackels Bezirksbürgermeister Hartmut Monecke (SPD). „Die Nazis haben sie kaputtgeschlagen“, sagt er ergänzend und blickt in die im Rund aufgestellten Steine.

Am mittleren Denkstein lehnt der Kranz, den Monecke gemeinsam mit seinen Stellvertretenden Heide Kröger-Brenner (Grüne) und Dirk Risthaus (CDU) niedergelegt hat. Mit dabei waren ebenfalls Pfarrer Hanno May von der Evangelischen Kirchengemeinde Dortmund-Wickede sowie zwei seiner Konfirmanden. Corona-bedingt hielt sich dort nur eine kleine Gruppe auf. „Im vergangenen Jahr waren wir nur zu dritt“, sagt Monecke.

In den Jahren vor der Pandemie habe man immer eine Gedenkveranstaltung mit 100 bis 200 Menschen ausgerichtet, erinnert sich der Bezirksbürgermeister. Teilgenommen hatten da auch Kinder der Steinbrink- und der Bach-Grundschule sowie Schülerinnen und Schüler der Hauptschule Husen. Auf eine solche Größenordnung habe man aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation nochmals verzichtet, so Monecke.

Evangelische Gemeinde stellt Kirche zur Verfügung

Trotzdem habe man die Kinder und Jugendlichen an der Gedenkveranstaltung mitwirken lassen wollen. „Deshalb haben wir von der Bezirksvertretung gemeinsam mit Ratsvertreterin Anna Spaenhoff und Pfarrer Hanno May ein neues Format entwickelt, um die jüngeren Generationen beteiligen zu können“, sagt der Bezirksbürgermeister.

Denn gerade gegenwärtig sei es wichtig, an den Antisemitismus und die generelle Unterdrückung von Menschen zu erinnern, sagt Monecke. Er nennt beispielhaft das Wiedererstarken rechten Gedankenguts in Deutschland und die Situation in Belarus. Dort verfolgt das Regime um Machthaber und Präsident Alexander Lukaschenko politische Gegner.

Nach der symbolischen Kranzniederlegung machte sich die kleine Gruppe auf den Weg in die Johannes-Kirche der evangelischen Gemeinde. Dort warteten Vertreter der Hauptschule Husen und der Bach-Grundschule, dazu die Kinder Klassen 4a, b und c der Steinbrink-Grundschule. Im Unterricht hatten diese einen kleinen Vortrag vorbereitet: Sie erzählten die Geschichte des „Denkmals gegen das Vergessen“.

Steinbrink-Grundschule hält Tradition aufrecht

Schülerinnen und Schüler hatten die Skulptur gemeinsam mit dem Künstler Marcus Kiel zu Beginn der 2001/02 erarbeitet. Sechs Stühle und ein Tisch sollen an die jüdischen Familien erinnern, die in Wickede lebten und Opfer des nationalsozialistischen Terrors wurden. Dazu gehörte beispielsweise die Familie Cohen. Nach Levi Cohen ist der Platz benannt, auf dem das Denkmal steht. „Wir führen diese Erinnerung seit Jahren im Unterricht weiter“, sagt Schulleiterin Stefanie Denk.

Deshalb wird es auch 2022 eine Gedenkveranstaltung geben, wenn sich die Reichspogromnacht jährt. „Dann auch wieder mit mehr Menschen“, wenn es nach dem Bezirksbürgermeister geht.

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