Ein heimischer Fußballer könnte bald auch auf der Trainerbank Platz nehmen. © Nico Ebmeier
Juniorenfußball

16 neue Trainer – Dortmunder Klub schielt mit der Jugendarbeit auf Hombruch und Eintracht

Ein 15-seitiges Konzept, 16 neue Trainer innerhalb von etwas mehr als einem Jahr und ambitionierte Pläne für die Zukunft. Ein Dortmunder Klub verändert seine Jugendarbeit grundlegend.

Von Außen betrachten geht der Blick bei guter und erfolgreicher Jugendarbeit im Dortmunder Amateurfußball direkt zum TSC Eintracht Dortmund und dem Hombrucher SV. Beide Vereine messen sich im Jugendbereich mit den besten Teams der Region, teils sogar auf nationaler Ebene. Auch der FC Brünninghausen schnellt hier immer weiter ins Erfolgslicht.

Blickt man in den Seniorenbereich des Dortmunder Amateurfußballs wird schnell deutlich, dass der ASC 09 hier die große Konstante der vergangenen Jahre ist. In der Oberliga etabliert und sich den Ruf als eine der besten Stellen für junge Fußballer erarbeitet.

Im Januar 2020 bekam der Sportliche Leiter Samir Habibovic mit, dass Maximilian Stahm zur Verfügung steht. Stahm hatte sich einen Namen gemacht im Dortmunder Juniorenfußball. Erst als Trainer beim Hombrucher SV, dann als Koordinator beim TSC Eintracht Dortmund.

Stahm verkörpert den Leistungsgedanken

Habibovic stellte den Kontakt her, die Jugendabteilung des ASC 09 fädelte den Transfer ein und Stahm ist seitdem Sportlicher Leiter der Jugendabteilung. Mit Stahm sollte jemand kommen, der den Leistungsgedanken verkörpert, der „unter jeden Stein mal drunter guckt“, beschreibt es DFB-A-Lizenz-Inhaber selbst.

Er hatte es selbst über die vergangenen Jahre mitbekommen: Spieler, die er selbst beim TSC oder in Hombruch trainierte, wechselten anschließend zum ASC 09. So beispielsweise Maurice Buckesfeld, der mittlerweile für den Regionalligisten TSV Steinbach Haiger spielt.

In Aplerbeck möchten die Verantwortlichen über die Jahre dahinzukommen auch aus dem eigenen Nachwuchs Spieler für den Seniorenbereich zu akquirieren.

Stahm reizte diese Herausforderung. „Das ist der Wunsch, mit dem man mich überzeugt hat“, erklärt er.

Und seit Stahm da ist hat sich einiges getan. 16 neue Trainer sind für den Jugendbereich verpflichtet worden, alle mit einem leistungsorientierten Gedanken. Eine der neusten Verpflichtungen: Claas Hoffmann, der von Westfalia Wickede kommt, wo er zuletzt als Torwarttrainer der ersten Mannschaft im Einsatz war und nun die Aplerbecker A-Junioren in der Sonderklasse übernehmen wird.

Vom klassischen Modell eines Vorstadt-Klubs haben sich Aplerbecks Funktionäre größtenteils verabschiedet.

„Es gibt keine Doppelfunktionen. Entweder Koordinator oder Trainer. Entweder Papa oder Trainer“, stellt Stahm klar. Väter, die ihre eigenen Söhne trainieren, soll es in naher Zukunft nicht mehr geben.

Eine Professionalisierung hat da bereits stattgefunden: Die Übungsleiter haben Trainerlizenzen, scouten selbst Spieler. Dafür hat der Verein eine eigene Scouting-Datenbank aufgebaut, das Einzugsgebiet wird deutlich erweitert. Während viele junge Fußballer zuletzt aus Aplerbeck selbst kamen oder aus den angrenzenden Stadtteilen wie Sölde, Sölderholz, Schüren oder Berghofen, kommen bereits jetzt Spieler sogar aus Hamm, um beim ASC zu trainieren.

Ausgearbeitet hat Stahm das mit der Jugendabteilung des ASC in einem 15-seitigen Konzept, welches online einsehbar ist. Die Ziele sind dort klar definiert.

„Wir sind uns alle einig, die ambitionierten Ziele der Seniorenabteilung, mit uns selbst zu tragen“, erklärt Stahm. „Wir wollen leistungsorientierten Fußball anbieten. Wir wollen hier was aufbauen.“

Der ASC-Plan wird Jahre in Anspruch nehmen

Das soll dazuführen, dass der ASC sich dann auch in den Sphären des TSC Eintracht oder Hombrucher SV bewegt. Doch das braucht Zeit. „Wir wollen diesen Weg halt Stück für Stück gehen“, sagt Stahm. „Das ist natürlich ein Plan, der sieben acht, neun Jahre in Anspruch nimmt, wenn es richtig gut läuft. Ist dem nicht so, kann das ganze bis zu 15 Jahre dauern.“

Doch Druck gibt es da keinen – auch nicht aus dem Seniorenbereich des ASC. Leistungsträger sollen im Jugendbereich gehalten werden, wie es nun bei einem Gros der B- und A-Junioren der Fall war. Stahm spricht hier von einem „Ausnahmejahrgang“, der in Gesprächen überzeugt werden konnte zu bleiben.

Eine der Verlockungen dabei: Sobald Corona nicht mehr im Wege steht und die erste Mannschaft des ASC wieder normal trainieren kann, sollen ein Mal pro Woche vier bis fünf A-Junioren die Möglichkeit bekommen mit der Oberliga-Mannschaft zu trainieren.

Und womöglich schafft dabei ein Nachwuchskicker viel schneller als erwartet den Sprung aus der ASC-Jugend zu den Senioren.

Über den Autor
Seit 2017 im Einsatz für Lensing Media. Immer auf der Suche nach Hintergründen, spannenden Themen und Geschichten von Menschen.
Zur Autorenseite
David Nicolas Döring