Auch dank eines jungen Talents jubelt ein Dortmunder Bezirksligist derzeit besonders häufig. © Stephan Schütze
Fußball-Bezirksliga

20-Jähriger spielt groß auf: „Sehe mich schon in höheren Ligen als der Bezirksliga“

Mit nur 20 Jahren wirbelt der Linksaußen für einen Dortmunder Bezirksligisten. Dort fühlt er sich pudelwohl – leugnet aber auch seine langfristigen Ambitionen nicht.

Sie lieben seine Art, unbekümmert Fußball zu spielen. Sie wünschen ihm, dass er dafür Anerkennung erhält und auch irgendwann die nächsten Schritte macht, aber sie möchten ihn ganz gerne auch noch etwas behalten.

Westfalia Huckarde profitierte am Sonntag im Derby beim TuS Eichlinghofen wieder vom groß aufspielenden Amin Echamlali (20). Stark, wie er über die linke Seite technisch versiert Druck entfacht und schnell Spielfreude verbreitet.

Dem auf allen Positionen gut besetzten Huckarder Kader verleiht das Talent noch ein gewisses Etwas mehr. Auf den 3:0-Erfolg und den beeindruckenden zweiten Tabellenplatz gönnte sich Amin Echamlali mit Freunden in der Stadt noch eine Pizza. Danach fand ein glücklicher junger Mann, nur essenstechnisch satt, Zeit für ein lockeres Gespräch.

Amin Echamlali, Glückwunsch zum Sieg, Glückwunsch zu Ihrer Leistung. Sie haben das heute und laut Erzählungen Ihrer Kollegen in den Vorwochen richtig gut gemacht. Darauf eine Pizza?

Danke erst einmal! Ja, die schmeckt heute besonders gut. Vielleicht habe ich sie mir ja auch ein bisschen verdient. Aber natürlich war es ein Erfolg der ganzen Mannschaft. Wir haben ein starkes Spiel gemacht.

Auf alle Fälle! Ich möchte vorwegschicken, dass Ihr Sportlicher Leiter Tim Babosek uns mit einem Augenzwinkern gebeten hat, nicht zu viel Werbung für Sie zu machen. Der Verein brauche Sie noch…

Da muss ich etwas schmunzeln. Ja, der Babo! Ich weiß, was ich an ihm, aber auch dem Verein habe. Tim hilft mir taktisch und menschlich. Mannschaft und Verein sind super. Ich fühle mich pudelwohl. So schnell gehe ich hier nicht weg. Wahrscheinlich vermeldet der Verein bald meine Vertragsverlängerung.

Aber interessant für andere Vereine dürften Sie, sollten Sie weiter so spielen, schon werden. Was dann?

Erst einmal gilt meine Konzentration der Westfalia. Ich jobbe aktuell, nutze die Zeit aber gerade auch, um einen für mich passenden Ausbildungsplatz zu finden. Hier in Huckarde habe ich die Ruhe, mich auf Fußball, der schon immer meine Leidenschaft ist, und Jobsuche, die für meine Zukunft sehr wichtig ist, zu konzentrieren.

Vielleicht hilft Ihnen einer Ihrer Kollegen. Bei Ihnen ist ja so ziemlich jede Sparte vertreten. Baumkletterer, Sozialarbeiter, Rechtsanwalt, Obsthändler, Feuerwehrmann, Model. Da müsste doch etwas bei sein…

Ich bin tatsächlich vielseitig interessiert und bewerbe mich in ein, zwei Richtungen. Ich glaube schon, dass ich schnell etwas finde.

Wenn Sie mit anderen Gegenständen so umgehen wie mit dem Ball und dabei so schnell arbeiten, dürfte Ihnen nach der Ausbildung sogar die Übernahme sicher sein. Was planen Sie dann, wenn beruflich alles in geordneten Bahnen läuft, fußballerisch?

Noch mal: Ich fühle mich aktuell schon sehr wohl und beruhige Babo auch gerne. Aber auf lange Sicht sehe ich meine Zukunft schon in höheren Ligen als der Bezirksliga.

Das ist ja auch verständlich. Verzeihung, lieber Tim Babosek, aber andere Vereine müssten ja blind sein, sähen Sie Ihre Entwicklung nicht. Aber ist es für junge Spieler nicht doch manchmal besser, erst einmal im aktuellen Verein, in dem der Durchbruch gelingt, zu einem Leistungsträger zu werden?

Das sehe ich auch so. Ich gebe jetzt noch nicht her, was mich glücklich macht. Eine neue Herausforderung kann ich später auch noch suchen. Ich bin ja gerade erst 20.

Sie spielen so befreit auf, als wären Sie schon ewig mit dem Huckarder Umfeld vertraut. Dabei sind Sie woanders aufgewachsen. Damit wir verstehen, wie Sie es geschafft haben, so jung zu einem herausragenden Spieler zu werden, schildern Sie doch bitte Ihren Werdegang…

Ich möchte vorwegschicken, dass ich meine Leistung auch deswegen bringen kann, weil ich hervorragende Mitspieler und Menschen in einem tollen Verein habe. Weil ich mich direkt nach meinem Wechsel vor gut einem Jahr zur Westfalia wohlgefühlt habe, klappt es nach der kurzen Eingewöhnung in der abgebrochenen Saison für mich so gut. Ich erinnere mich gerne an das letzte Spiel vor der Coronapause. Da habe ich gegen Teutonia Waltrop zwei Tore erzielt. Zu Ihrer Frage: Ich komme aus dem Nachwuchs des TuS Eving-Lindenhorst, habe dann noch ein halbes Jahr für SuS Derne gespielt, ehe ich als A-Junior zum Lüner SV wechselte.

Da wären Sie sofort in der Westfalenliga gewesen…

Das kommt darauf an. Die hatten mir versprochen, mich in den Kader der ersten Mannschaft zu nehmen. Dann habe ich aber doch nur mit der Zweiten trainiert. Als mich dann mein guter Freund Kevin Yende fragte, ob ich nicht mit ihm für die Westfalia kicken wollte, habe ich mir das angesehen. Und ich war sofort angetan. Ich habe alles richtig gemacht.

Was Mannschaftsgeist bewegen kann, demonstriert Ihr Team aktuell. Dass Sie als Aufsteiger 2020 jetzt Zweiter sind, ist längst kein Zufall mehr. Ganz ohne individuelle Klasse geht es natürlich nicht. Was steuern Sie bei?

Ich sehe meine Stärken in der Technik und der Schnelligkeit. Ich habe früher mal offensiv rechts gespielt, jetzt komme ich über die linke Seite.

Mathias Tomaschewski (r.) ist Spielertrainer des SV Westfalia Huckarde. © Stephan Schütze © Stephan Schütze

In Eichlinghofen holten Sie den Elfmeter zum 2:0 heraus. Da hatten Sie das gezeigt, was Sie gerade ansprachen. Angst haben Sie aber auch nicht vor herausstürmenden Torhütern?

Nein, ich bin keiner, der zurückzieht, und gehe mit vollem Einsatz rein. Einsatz ist mir wichtig. Ich habe die ganze Zeit regelmäßig trainiert, auch für mich alleine. Ich arbeite an mir. Aber ich möchte mich auch noch weiterentwickeln. Daher sind mir unser Coach Mathias Tomaschewski oder Tim Babosek auch so wichtig. Von ihnen kann ich sehr viel lernen. Ich denke zum Beispiel, meinen Torabschluss könnte ich noch verbessern.

Mutig spielen Sie aber allemal. Sind Sie das auch, was die Zielsetzung Ihrer Mannschaft angeht. Ein zweiter Platz könnte ja Lust auf mehr machen…

Bevor ich dazu etwas sage, frage ich lieber doch im Verein nach.

Wir hören bei Tim Babosek gerade Steine der Erleichterung vom Herzen fallen. Dann formulieren Sie es doch diplomatisch!

Ja, jeder Fußballer spielt für den größtmöglichen Erfolg.

Damit dürfte Ihr Sportlicher Leiter leben können, selbst wenn wir auf Werbung für Sie nicht verzichtet haben.

Danke! Aber die Jungs wissen auch, wie sehr ich es schätze, bei ihnen zu sein. Jetzt wollen wir erst mal so weitermachen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
Zur Autorenseite
Alexander Nähle