Fußball-Bezirksliga

200 Jahre Vereinsleben treffen aufeinander: „Für mich ist es das Derby schlechthin“

Im Mittelpunkt der Fußball-Bezirksliga 9 steht am Wochenende das Huckarder Derby zwischen den Blau-Weißen und der Westfalia. Wir haben mit zwei langjährigen Konkurrenten gesprochen.

200 Jahre Huckarder Fußball – 100 Jahre Blau-Weiß, 100 Jahre Westfalia. Seit 1921 leben beide Vereine, nachbarschaftlich meist friedlich verbunden, nebeneinander. Hoch her ging es früher in den Wirtschaften, wie die Gründer der Vereine Kneipen oder Bars nannten, oder den Geschäften im Ort immer nur dann, wenn sich die Wege kreuzten.

Corona überschattete in beiden Klubs die Planungen der Feiern. Westfalia hätte am Samstag gerne geladen, Blau-Weiß überlegt noch. Immerhin aber sorgten die Protagonisten der 1. Mannschaften für ein perfektes Timing und stiegen gemeinsam 2020 in die Bezirksliga auf. Am Wochenende ist daher trotz aller Eventualitäten doch ein ganz großer historischer Tag für das Huckarder Vereinsleben: Das 200-Jahr-Derby beginnt am Sonntag um 15 Uhr bei den Blau-Weißen. Es ist das einzige in diesem besonderen Jahr.

Wir haben zwei Klublegenden zur Historie, zur Bedeutung des Derbys früher und heute sowie zu den Perspektiven befragt. Wenn sich Thomas Sprenger, blau-weißes Urgestein, und Christian Klecz, Identifikationsfigur der Westfalia, äußern, wissen alle, die Einschätzungen können aus berufenerem Munde nicht kommen. Sprenger ist heute 2. Vorsitzender, Klecz 2. Kassierer.

Meine Herren, fangen wir mit etwas Positivem an, nämlich dem, was geht und nicht mit dem, was nicht geht. Wo siedeln Sie das Derby im Dortmunder Fußball an?

Thomas Sprenger: Früher war es bestimmt eines der brisantesten der ganzen Stadt, weil wir so nah beieinander liegen. Aber durch die jungen Spieler, die nicht mehr unbedingt in der Nachbarschaft wohnen, ist es wahrscheinlich eher für uns Älteren besonderer. Aber im Jahr richten wir im Ort schon deutlich in Richtung dieses Duells. Wir haben beide unsere Hausaufgaben gemacht. Bei denen ist die 100 auf das Vereinsheim-Wand gemalt, wir haben unser Wappen vergoldet. Ja, es ist besonders.

Christian Klecz: Es mag bestimmt sein, dass ein Wickeder das Hellwegderby gegen Brackel für bedeutender hält, oder ein Hörde das Duell derer Vereine. Für mich als Huckarder ist es das Derby schlechthin.

Sie waren beide lange Spieler, oder genauer gesagt Sie, Christian Klecz, Torhüter. Und so richtig lassen konnten Sie von Ihren Klubs nie. Woran liegt das?

Christian Klecz: Ich bin ja damals gekommen, da waren wir zum ersten Mal in die Bezirksliga aufgestiegen. Als Spieler war früher der Bezug zu den Klubs ein anderer. Früher kam fast täglich eine Bierlieferung im Vereinsheim an, heute fährt der Wagen einmal die Woche vorbei und lässt zwei Kästen Bier da. Und dann habe ich ja auch meinen Sohn begleitet, der im Verein fußballerisch aufgewachsen ist. Luca trainiert schon mit der Ersten. Wegen seines Alters darf er aber erst kommende Saison spielen.

Thomas Sprenger: Das kann ich alles auch für mich bestätigen. Seit 1998 bin ich bis auf ein Jahr bei Eintracht Dorstfeld immer hier geblieben. Und ich nehme für das Huckarder Derby noch heute einen Tag Urlaub. Echte Fans machen das auch.

Sie beide kennen sich gut. Gab es in Huckarde den Verein, wo die einen hingehen, den zweiten, wo sich die anderen einfanden? Auf der großen Bühne spielten in Glasgow für Celtic die Katholiken, für die Rangers die Protestanten. Oder es gab räumliche Trennlinien. In Hörde schlossen sich Kinder der südlicheren Vororte dem HSC an, Leute aus dem Hörder Kern spielten für den VfL oder SuS…

Thomas Sprenger: Nein, da gab es bei uns keine Trennlinie. Wenn ich Christian Klecz oder Markus Gerstkamp treffe, begrüßen wir uns aufrichtig herzlich. Das heißt, da gab es auch keine Berührungsängste in der Hinsicht, dass jemand aus Herkunftsgründen den anderen Verein meiden musste, um dort Fußball zu spielen. Ein weiteres Beispiel: Mit Uwe Rose, der ja auch lange im Westfalia-Vorstand ist, war ich in einer Schulklasse. Der eine ging trotzdem dahin, der andere dorthin. Klar war früher nur, dass sich die Westfalia im Haus Havers traf, unsere Leute im Haus Treckmann. Irgendwann später vermischten wir uns oft und tranken gemeinsam.

Christian Klecz: Ganz früher war Blau-Weiß als DJK in der Tat der Katholiken-Verein, wir hatten die Evangelen. Das spielte aber schon, als ich Kind war, keine Rolle mehr. Was es immer gab, waren die Frotzeleien, wenn wir uns über den Weg liefen. Aber das macht den Sport doch auch aus. Und sie haben ja auch Leute mit Westfalia-Vergangenheit im Vorstand. Heute kommen die jungen Spieler ja von überall.

Thomas Sprenger ist ein Huckarder Urgestein. © Sprenger © Sprenger

Das klingt alles nicht nach Feindschaft, sondern nach gesunder, herzlicher Rivalität. Empfinden Sie als Involvierte auch so?

Christian Klecz: Ich für meinen Teil stimme dem voll zu. Ich habe die anderen immer respektiert und geschätzt. Und drücke ihnen trotzdem gerne Sprüche.

Thomas Sprenger: Genauso muss es sein.

Geht es denn so ganz ohne Feuer?

Christian Klecz: Etwas haben die Blau-Weißen ja gelegt. Wir wollten eigentlich wegen unserer großen Feier an diesem Wochenende freihaben. Der Staffelleiter vergaß das aber. Also baten wir die Blau-Weißen um Verlegung. Das haben sie kategorisch abgelehnt. Es ging ja nicht um irgendeine Hochzeit eines Spielers, an der zur Not ja nicht alle hätten steil gehen müssen. Aber für dieses Fest…Nun gut, jetzt mussten wir ja wegen Corona ohnehin verschieben.

Thomas Sprenger: Am Freitag hätten vier Stammkräfte gefehlt. Auf sie wollten wir nicht verzichten. Da herrschte bei uns im Verein Einigkeit. Aber Westfalia musste ja die Feier ohnehin verschieben. Daher, hoffen wir, tut unsere Entscheidung, nicht mehr so weh. Wir hätten ja gar nichts gegen eine Verlegung gehabt, es ging uns nur um unser Personal. Was unsere Feier betrifft, entscheiden wir jetzt bald. Wenn wir nicht uneingeschränkt Party machen dürfen, verschieben wir es um ein Jahr.

Wie sehen Sie Ihre Mannschaft ganz aktuell aufgestellt?

Thomas Sprenger: Das macht bei uns wieder Spaß. Nach dem Aufstieg reicht uns ein Platz im Mittelfeld. Ich vertraue unseren Trainern Thomas Faust und Daniel Nilkowski. Auch sie vermitteln allen Freude am Fußball.

Christian Klecz: Auch wir sind zufrieden. Mathias Tomaschewski managt das Sportliche fast in Eigenregie. Da lassen wir im freie Hand. Und damit hat er ein gutes Gespür. Wir haben das Gefühl, dass er das Team gut entwickelt.

Und wie sieht es mit Ihren Vereinen aus?

Christian Klecz: Wir sind auf dem richtigen Weg. Unser Vorstand hat sich verjüngt, da mischen Leute aus dem Nachwuchsbereich mit.

Thomas Sprenger: Wir hatten uns ja vor ein paar Monaten schon einmal unterhalten. Da habe ich ja erzählt, dass wir zurzeit des Kunstrasenbaus vor etwa sechs Jahren ziemlich schlecht dran waren. Dann aber fand sich eine neue Vorstandscrew. Was ich da noch nicht erwähnt hatte, dass wir im Juniorenbereich – wie viele andere Klubs – in den älteren Jahrgängen A und B trotz bester Bedingungen eine kleine Flaute haben. Die Jungs haben in diesem Alter doch öfter andere Sachen im Kopf. Hier hoffen wir, einen für die 1. Mannschaft fruchtbaren Unterbau zu schaffen.

Tauchen wir dann wieder ein in die Jubiläumsstimmung. Auf keinen Fall darf die Frage fehlen, welche Zeit Sie besonders in Ihrem Verein genossen haben…

Thomas Sprenger: Ich habe jede Zeit als Roter, ich bin bekanntlich Bayern-Fan, in Blau-Weiß genossen. Die Jugendzeit war schön. Dann ist doch besonders der Landesliga-Aufstieg 1999 mit mir als Kapitän in Erinnerung geblieben.

Christian Klecz: Auch ich denke an einen Landesliga-Aufstieg gerne zurück. Mit Trainer Frank Eigenwillig schafften wir es 2005. Das war ein tolle Zeit mit einer tollen Mannschaft. Als Juniorentrainer habe ich später auch jedes Jahr im Verein genossen. Mit den Kindern Kreismeister zu werden, hatte auch was.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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