Beim VfL Kemminghausen läuft es noch nicht wie erhofft. © Schaper
Fußball-Bezirksliga

Bülent Kara: „Wir rüsten nicht blind hoch“ beim VfL Kemminghausen – Top-Spiele nahen

Bülent Kara ist seit Sommer Trainer des VfL Kemminghausen. Im Interview spricht er über Erwartungen und Ziele – sowie stark verbesserte Auftritte vor der Kamera.

Gute Sänger waren sie schon immer in Kemminghausen. Das war in alten A-Ligazeiten so, das erlebte in den Großkreutz-Jahren beim VfL eine Fortsetzung. Und jetzt haben der Sportliche Leiter Tuna Kayabasi und Trainer Bülent Kara neue Sänger zu einem Chor geformt, der von Woche zu Woche die Töne besser trifft. Die Jubel-Filmchen aus der Kabine, die ihren Weg in die Sozialen Netzwerke fanden, deuten an, da wächst eine stimmgewaltige neue Einheit. Auch Coach Kara berichtet im Gespräch davon.

Bülent Kara, was da aus Kemminghausen zu hören ist, klingt immer besser und wird immer lauter. Warum beginnen die Feiern erst nach und nach?

Wir mussten uns erst finden. Ich war während der Vorbereitung mehr als drei Wochen nicht da. Dann waren andere im Urlaub. Wieder andere kamen nicht fit aus der Corona-Pause zurück. Gerade einige Ältere hatten Nachholbedarf an gewichtsreduzierender Arbeit. Aber das war auch menschlich.

Sie haben viele Spieler von außerhalb geholt, was ja trotz der unbestrittenen Qualität dieser Leute ein Nachteil sein könnte?

Wir wussten, dass dies ein gewisses Risiko hätte bedeuten können. Aber gerade Tuna Kayabasi hat ihnen in den Gesprächen Dortmund als Fußballstadt schmackhaft gemacht und auch den Stellenwert des VfL hervorgehoben. Das ist ein attraktiver Traditionsverein.

Wie vertragen sich dann Tradition und Moderne, sprich viele neue, noch unbekannte Leute?

Immer besser! Ich persönlich hatte vor der Saison mit dem Vorstand, aber auch dem treuen Zirkel, der schon immer zum Platz kommt, geredet und unsere Pläne erläutert. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg, das Potenzial auszuschöpfen, aber dabei auch die VfL-Befindlichkeiten zu respektieren.

Zum Beispiel?

Wir rüsten nicht blind hoch, sondern haben immer auch ein Auge auf das, was sonst im Verein passiert. Nehmen wir doch Jonas Sturtz, den wir aus der zweiten Mannschaft dauerhaft hochgenommen haben. Er macht das richtig gut in unserem neuen System über außen.

Sie betonen das System. Was haben Sie wann geändert?

Wir hatten mit einem 4-2-3-1 begonnen. Nach den ersten nicht so erfolgreichen Spielen, ich meine das Remis gegen Lüdinghausen und die Niederlage in Kirchderne, wechselten wir zum 3-5-2. Und das zahlt sich aus.

Wo liegen die Vorteile?

Wir sind über außen offensivstärker, haben aber zentral ein stabiles Mittelfeld.

Aber ein paar Gegentore fangen Sie sich schon noch…

Das stimmt, aber sehen Sie, einige Spieler schöpfen erst langsam wieder ihr volles Potenzial aus. Das wird von Woche zu Woche besser. Menschlich passt das schon sehr gut. Und die Abläufe lernen gute Fußballer, wie wir sie haben, auch schnell. Ich denke, wir zeigen unsere fußballerischen Qualitäten immer mehr.

Bislang schöpft der VfL Kemminghausen sein Potenzial noch nicht vollends aus.
Bislang schöpft der VfL Kemminghausen sein Potenzial noch nicht vollends aus. © Schaper © Schaper

Und die Ergebnisse stimmen ja auch. Drei Siege in Serie bringen Sie schon auf den dritten Platz. Geht da noch mehr?

Naja, nur noch zwei Plätze. Ihre Frage zielt ja mit Sicherheit auf unseren Anspruch ab, den wir mit den vielen Leuten aus höheren Ligen haben könnten.

Exakt!

Ja, es geht theoretisch und vielleicht auch praktisch noch mehr. Aber wir sind uns erstens auch um die Klasse unserer Konkurrenz bewusst. Und nicht nur unsere Ergebnisse zeigen, dass in dieser Liga jeder jeden schlagen kann. In vier, fünf Wochen, wenn wir gegen die eine oder andere höhere Hausnummer gespielt haben, sehen wir klarer, ob wir schon titelreif sind.

Gibt es da Druck?

Nein! Natürlich sagen viele: Mit diesen Leuten müssen die aufsteigen. Aber wir entwickeln das hier erst. Und wir sind auch weiterhin von der Fitness unserer Spieler abhängig. Uns fehlte nach starker Vorbereitung lange Yunus Albayrak, auch Fabian Kolodzick kommt erst wieder richtig in die Gänge. Wir sind ja mit unseren Muskelverletzungen nicht alleine auf der Welt. Momentan müssen Yalcin Erkaya und Islam Kücükyagci passen. Das zeigt doch, dass der maximale Erfolg nicht zwingend planbar ist. Aber wenn es optimal läuft, sagen wir bestimmt nicht nein zur Landesliga. Ich habe als Trainer schon Aufstiege erlebt und weiß, dass es auch mit diesem Team klappen kann, aber…

Aber?

Wir müssen die Zeit dann auch schon nutzen, als Mannschaft und Verein so zu

wachsen, dass wir dann in der Landesliga bleiben können. Sonst bringt ein schneller Aufstieg nicht so viel. Jetzt aber richten wir den Blick auf unser nächstes Spiel in Waltrop.

Und dann kommen die von Ihnen angedeuteten hohen Hausnummern auf Sie zu, der FC Nordkirchen und Mengede 08/20…

Umso wichtiger ist es, dass wir jetzt erst einmal unsere Hausaufgaben machen.

Und wenn Sie gut durch die Zeit kommen, dürfen Sie noch lauter singen, oder?

Ja, auf alle Fälle! Das können wir in Kemminghausen aber schon jetzt ziemlich gut.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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