Christian Knappmann erklärt, warum er am Ende der Saison aufhört. © Stephan Schuetze
Fußball

Christian Knappmann über sein Trainer-Aus in Herne: „Wir verwalten seit Jahren nur noch“

Christian Knappmann ist eine Kultperson unter den Fußballern in Westfalen. Jetzt hat er angekündigt, am Saisonende Westfalia Herne zu verlassen. Wir haben mit ihm über die Gründe gesprochen.

Die Verbindung Dortmunds zu Westfalia Herne war schon immer da. Früher waren die Herner eine Macht im westfälischen Fußball. Ob zu Zweitligazeiten, davor oder danach: Dortmunder Fußballgrößen spielten gegen die Westfalia oder auch für sie. Jetzt ist der Traditionsverein Konkurrent des ASC 09 Dortmund in der Oberliga. Und wenn ein Charakterkopf wie Trainer Christian Knappmann (40) nach sieben Jahren den Verein verlässt, ist das ein Beben, das sie auch in dieser Stadt spüren. Im Interview erläutert Knappmann aus erster Hand, was ihn bewegt.

Christian Knappmann, es ist nicht das Feuer, das erloschen ist, das Sie alleine bewegt hat, Ihren Rückzug zum Saisonende anzukündigen, oder?

Nein, das glüht noch und ist leicht entzündlich. Bis zum 30. Juni ist das definitiv der Fall. Wir haben noch alle Chancen, trotz erst eines Punktes in der Liga zu bleiben. Wir haben schon öfter bewiesen, bis zum Schluss kämpfen zu können.

Was führte dann zu Ihrem Entschluss?

Das ist relativ einfach erklärt: Ich weiß, was wir mit unseren Möglichkeiten erreichen können. Ich bin ehrgeizig und möchte den Verein weiterentwickeln, sowohl von den Strukturen her als auch besonders fußballerisch. Wir verwalten aber seit Jahren nur noch. Und unser Umfeld erwartet einfach nur, dass der Ball sonntags rollt und wir möglichst viele Tore schießen, ohne zu hinterfragen oder zu respektieren, wie schwierig das am Standort Herne ist. Die Ansprüche passen nicht zum Status quo.

Wen meinen Sie genau mit Umfeld?

Unsere Zuschauer, nicht die echten leidenschaftlichen Fans, sondern die, die einfach eine unrealistische Erwartungshaltungen haben. Dabei haben wir immer transparent gearbeitet. Jeder müsste wissen, wie es um unseren Verein steht.

Wie steht es denn um den Verein?

Sportlich gesehen: Jeder müsste auch wissen, dass ich junge, talentierte Spieler habe, die nicht auf Anhieb den hohen Erwartungen gerecht werden können. Ich habe die Geduld. Und sehen Sie, unsere großen Sponsoren kommen aus großen Nachbarstädten. In Herne fehlt die Bereitschaft, die Wesfalia in größerem Maße zu unterstützen. Es gibt ja auch ein gutes Modell aus Ihrer Stadt: Der Hombrucher SV leistet hervorragende Jugendarbeit. Die steht da im Fokus. Das wäre für mich ein mögliches Modell, auch in Herne anzuwenden.

Oder?

Ein Scheich kommt vorbei und finanziert eine Mannschaft, die durch die Decke geht.

Letzteres ist wohl eher nicht realistisch. Was ist es dann?

Das trenne ich. Emotional gesehen, müsste die Westfalia immer oben mitspielen. Der Name müsste ziehen. Realistisch ist der Verein in dieser Verfassung Landesliga oder sogar nur Bezirksliga. Hier müsste einiges auf Vordermann gebracht werden. Andere Vereine sind besser ausgestattet und haben auch bessere Trainingsbedingungen.

Wie frustriert sind Sie?

Sehr, ich bin sehr traurig. Seit sieben Jahren haben wir versucht, etwas zu entwickeln. Es wurde von Jahr zu Jahr schwieriger. Und diese unangemessenen Ansprüche des Umfeldes tun ihr Übriges.

Aber Sie kommen wieder?

Ja, definitiv. Ich habe ja jetzt schon keine Zeit, leer zu sein. Die Westfalia ist und bleibt eine Herzensangelegenheit. Wohin meine Reise führt, weiß ich noch nicht. Ich könnte mir vorstellen, in der 3. Liga auch als Co-Trainer zu arbeiten. Da bin ich räumlich überhaupt nicht gebunden. Oder ich freue mich, mit einem ambitionierten Klub etwas aufzubauen. Aber ja, Fußball ist mein Leben. Ich finde schon etwas.

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T. Schulzke