Beim Bezirksligisten DJK TuS Körne gibt es ein Brüderpaar. © Schaper
Fußball

Das Doppel-Interview: Beim Foul an den Bruder zuckt man schon innerlich zusammen

Wir haben das nächste Brüderpaar im Doppel-Interview: Diesmal haben wir zwei Jungs des Bezirksligisten DJK TuS Körne im Gespräch.

Nicht nur beim VfR Sölde, sondern auch beim Bezirksligisten TuS Körne spielen zwei Brüder in einer Mannschaft. Nämlich die beiden Defensivakteure Lorenz und Konrad Gründel. Der ältere der beiden Brüder, der 24-jährige Lorenz, gehört zu den absoluten Führungsspielern beim TuS. Der Linksfuß bestritt bisher 44 Bezirksligaspiele und erzielte dabei als Außenverteidiger immerhin vier Tore. „Lorenz ist körperlich sehr stark und hat seine Stärken im Spielaufbau. Obwohl er erst im dritten Jahr bei den Senioren spielt, zählt er bereits zu den Führungsspielern“ so die Einschätzung seines Trainers Dominik Grobe.

Während Lorenz Gründel sehr selbstbewusst auftritt, zählt sein vier Jahre jüngerer Bruder Konrad eher zu den ruhigen im Lande. „Konrad, der seine zweite Saison bei den Senioren absolviert, hat bisher eine enorme Entwicklung gemacht. Als Innenverteidiger hat er seine Stärken in den direkten Eins-gegen-eins-Situationen. Im Spielaufbau hapert es noch ein wenig“ sagt sein Coach Dominik Grobe. Da allerdings in der kommenden Saison die beiden bisher gesetzten Innenverteidiger Patrick Czaplygin und Andreas Brach aufhören, soll Konrad Gründel in deren Fußstapfen treten.

Karriere begann beim TuS Körne

Sowohl Lorenz als auch Konrad Gründel begannen ihre Karriere beim TuS in Körne. Lorenz spielte danach beim TSC Eintracht und beim SV Brackel 06, ehe er wieder den Weg zurück nach Körne fand. Konrad spielte ebenfalls in Brackel, hatte danach ein kurzes Gastspiel beim Hörder SC, ehe es ihn wieder zum TuS Körne zog. Wir haben den Brüdern mal auf den Zahn gefühlt und mit ihnen ein Doppelinterview mit den identischen Fragen geführt.

Wie verhalten Sie sich im Training gegenüber Ihrem Bruder?

Lorenz Gründel: Mein Bruder wird bei den Zweikämpfen im Training nicht geschont. Auch wenn Konrad gleichzeitig mein bester Freund ist.

Konrad Gründel: Ehrlich gesagt achte ich eher auf mich und darauf, dass ich selbst gut trainiere.

Gibt es so eine Art Konkurrenzkampf zwischen Ihnen, da Sie ja beide Abwehrspieler sind?

Lorenz Gründel: Nein, auf gar keinen Fall. Ich verspüre keinen Konkurrenzkampf mit meinem Bruder. Ganz im Gegenteil, als älterer gebe ich ihm ein paar Tipps, die er auch gerne annimmt.

Konrad Gründel: Ich glaube nicht, ich bin momentan noch in der Lernphase und hatte noch nicht so viele Spielanteile. Ich bin zwar auf dem richtigen Weg, aber noch kein Konkurrent für meinen älteren Bruder.

Lorenz Gründel ist der ältere der beiden Brüder. © Dan Laryea © Dan Laryea

Verhalten Sie sich während des Spiels gegenüber Ihrem Bruder anders, als gegenüber Ihren anderen Mitspielern?

Lorenz Gründel: Nein, absolut nicht. Wir haben eine tolle und vor allem familiäre Atmosphäre in der Mannschaft. Wir sind ein eingeschworenes Team in dem jeder für jeden da ist. Ich versuche während des Spiels alle im Team zu unterstützen.

Konrad Gründel: Eigentlich nicht, aber ich höre mehr auf meinen Bruder als auf meine anderen Mitspieler. Ich nehme seine Tipps sehr ernst und versuche sie umzusetzen um mich zu verbessern.

Ist es etwas Besonderes für Sie mit Ihrem Bruder in einer Mannschaft zu spielen?

Lorenz Gründel: Das ist eine ganz spezielle Erfahrung und ein cooles Gefühl. Es können nicht viele von sich behaupten mit ihrem Bruder in einem Team zu kicken. In der Bundesliga gibt es soweit ich weiß mit den Bender-Zwillingen, bei Bayer Leverkusen nur ein einziges Brüderpaar.

Konrad Gründel: Auf jeden Fall. Es macht mich stolz mit meinem Bruder in einem Team zu spielen und zusammen zu trainieren. Das ist eine echt coole Sache.

Welche Vorteile beziehungsweise Nachteile hat es mit dem eigenen Bruder in einer Mannschaft zu spielen?

Lorenz Gründel: Ein Vorteil ist sicherlich der stetige Austausch und die Diskussionen mit meinem Bruder. Man lernt dadurch sich selbst besser zu reflektieren. Es gibt allerdings auch einen kleinen Nachteil: Konrad und ich wohnen noch nicht einmal eine Minute von unserer Sportanlage entfernt. Mein Bruder ist eigentlich immer pünktlich beim Training, während ich mich ab und zu mal um eine Minute verspäte. Da ist das Gelächter im Mannschaftskreis natürlich groß. Da werden einem schon so Sprüche wie „Hattest Du heute einen weiteren Weg als dein Bruder“ um die Ohren gehauen. „Außerdem amüsieren sich unsere Mitspieler, weil Lorenz immer zu Fuß und in Badeschlappen zum Training kommt“ fügt Konrad mit einem Lachen hinzu.

Konrad Gründel: In meiner ersten Saison war es für mich etwas einfacher, weil mein Bruder bereits in der Mannschaft spielte. Das gab mir ein Gefühl von Sicherheit. Außerdem konnte ich mich auf die Hilfe und Unterstützung meines Bruders verlassen. Einziger Nachteil ist, dass die Kritik meines Bruders auf dem Spielfeld manchmal auch nervt.

Wie reagieren Sie, wenn Ihr Bruder während des Spiels grob gefoult wird?

Lorenz Gründel: Bei groben und unsportlichen Fouls an meinem Bruder gehe ich natürlich dazwischen. Da zuckt man schon innerlich zusammen.

Konrad Gründel: Ich rege mich nicht besonders auf. Mein Bruder ist ein sehr emotionaler Spieler, der sich gerne an seinem Gegenspieler reibt. Er sucht regelrecht den Austausch mit dem Gegner und braucht das für sein Spiel.

Tauschen Sie sich nach den sonntäglichen Spielen aus oder reden Sie eher kein Wort mit Ihrem Bruder?

Lorenz Gründel: Nach dem sonntäglichen Spiel findet zuhause immer ein reger Austausch statt. Auch unser Vater, der in der Jugend mein Trainer war, beteiligt sich an den leidenschaftlich und kontrovers geführten Diskussionen.

Konrad Gründel: Natürlich tauschen wir uns nach dem Spiel über die eine oder andere Szene aus. Aber Gott sei Dank haben wir noch viele andere Themen als Fußball, über die wir uns unterhalten können.

Konrad Gründel ist der jüngere Bruder. © Christian Schulze © Christian Schulze

Welche Stärken beziehungsweise Schwächen sehen Sie bei Ihrem Bruder auf dem Fußballplatz?

Lorenz Gründel: Konrads Stärke ist sein großer Ehrgeiz. Außerdem ist er körperlich schon sehr weit und beim Training immer zu einhundert Prozent engagiert. Mein Bruder hat noch Schwächen, wenn es darum geht sich aus Pressingsituationen zu befreien. Es bereitet ihm noch Probleme die nächste Situation im Spiel zu antizipieren.

Konrad Gründel: Lorenz hat einen starken linken Fuß, mit dem er gefährliche Flanken schlägt. Auch sein Zweikampfverhalten ist Top. Als relativ junger Spieler zählt er bereits zu den Führungspersönlichkeiten im Team. Mir fallen keine Schwächen ein. Da müssen Sie mal unseren Trainer Dominik Grobe fragen. (lacht laut auf)

Gibt es eine unterhaltsame Geschichte, die sich bei Ihren gemeinsamen Spielen ereignet hat?

Lorenz Gründel: Merkwürdigerweise finden es unsere Mitspieler lustig, wenn wir als Brüderpaar beim beliebten fünf gegen zwei Spiel gemeinsam in der Mitte sind. Die fünf Außenspieler haben dann immer einen Heidenspaß, wenn wir uns in der Mitte abrackern, um den Ball zu gewinnen.

Konrad Gründel: Als Kinder haben wir im eigenen Garten häufig gegeneinander gespielt. Die Blumenbeete und der Rasen haben zum Leidwesen unserer Eltern dabei ganz schön gelitten. Wir haben immer so lange gespielt bis bei mir als jüngerem die Kraft nachgelassen hat und Lorenz als älterer am Ende gewonnen hat.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Baujahr 1965, gebürtiger Dortmunder, der sich seit fast zwanzig Jahren auf den Sportplätzen tummelt und den Dortmunder Amateurfußball mit all seinen Facetten kennt.
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Frank Büth