Ein Dortmunder Ringer ist auch in der Fußball-Kreisliga B erfolgreich © Stephan Schuetze
Fußball

Der Ringer, der in der Kreisliga B als Stürmer nichts anbrennen lässt

Dass Fußballer Tennis oder Golf spielen, das ist bekannt. In der Dortmunder B-Liga gibt es aber einen Akteur, der ein erfolgreicher Ringer ist. Das ist eher ungewöhnlich.

Metaphorisch haben unbesiegte Fußball-Tabellenführer bislang ihre Gegner niedergerungen. In der Kreisliga B sollten die Verteidiger besonders vorsichtig sein, denn aus der Metapher könnte harte Realität werden.

Der Dortmunder Amateurfußball hat Spieler, die auch Handballer oder Tennisspieler sind. Dass in ihren Reihen ein besonders kräftiger Doppelsportler ist, nämlich Ringer der zweithöchsten Klasse, verriet SV Westrichs spielender Co-Trainer Marvin Middeldorf eher beiläufig: „Ethan Webster ist eher der bullige Stürmertyp – ein Ringer eben!“ Eben? Nein, ein richtig guter Ringer, einer der besten der Stadt sogar! Für den Oberligisten KSV Kirchlinde schickt er seine Gegner auf die Matte, für den SV Westrich schickt er gegnerische Torhüter ins Netz, um den Ball nach einem Treffer herauszuholen.

Für Ethan Webster (26) ist das Nebeneinander von reinem Kampfsport und Mannschaftssport mit Ball seit 13 Jahren Alltag: „Ich fing mit sieben Jahren beim SV Westrich an zu kicken, wechselte später zu Westfalia Wickede und SV Brackel 06. Als ich dann die Freude am Kampfsport entdeckte, wurde Ringen wichtiger. Beides ist zueinander aber immer ein schöner Ausgleich.“

Und der Kraftsport stehe dem Fußball in keinster Weise im Wege: „Nein, Fußball ist für mich spielerischer Outdoor-Sport im Team, Ringen ist Kraft, aber auch ganz viel Technik. Ich wollte als Kind Durchsetzungsvermögen. Das geht ja sogar in beiden Sportarten, aber eben völlig anders.“

Webster erklärt allerdings sogar, er benötige im Kampf mehr Technik als im Fußball: „Marvin hat Recht, für Westrich bin ich der bullige Angreifer, der Verteidiger mit seiner Kraft mal dezent zur Seite drückt. Im Ringen entscheidet die Technik. Ein Leitspruch ist: Du gewinnst eher mit viel Technik und weniger Kraft als mit viel Kraft und weniger Technik.“

Ethan Webster schaffte den Spagat, den er übrigens nur metaphorisch beherrschen muss, zwischen Leistungssport im Ringen und Fußball als Spaß-Ausgleich. Der Junioren-Westfalenmeister kämpfte bei Deutschen Meisterschaften. „Da reichte es aber nicht für ganz vorne.“ Aber immerhin fasziniert der Kampfsport das Schwergewicht weiter: „Klar, der Spaß ist auch nach Corona geblieben. Wir sind jetzt mitten in der Vorbereitung. Auf lange Sicht möchte ich mit beiden Vereinen aufsteigen.“ Nach der Vorbereitung (Fußball) war also vor der Vorbereitung (Ringen).

Wir reden dabei weiterhin von völlig verschiedenen Ligen. Webster, der Sohn eines englischen Soldaten und einer deutschen Mutter, kann sich gut vorstellen, dass bald eine Zweite Liga im Ringen kommt. „Da möchte ich mittelfristig gerne rein. Aber jetzt gilt es erst einmal, oben mitzuringen.“ Und mit Westrich? „Da soll es ganz klar schnellstens in die A-Liga gehen.“ Nicht auszuschließen, dass der in Lütgendortmund wohnende Webster im kommenden Sommer zwei Titel feiert.

Ethan Webster (Rotes Trikot) ist erfolgreicher Ringer und Fußballer. © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Mittlerweile ist ihm beides ähnlich wichtig: „Am Ringen gefällt mir auch die tolle Stimmung in unserer kleinen Halle im Jungferntal. Beim Fußball ist der Spaß mit den Jungs sehr schön.“ Und ganz so unterschiedlich ist das Training auch nicht, wenigstens was die Struktur angeht: „Mit den Ringern wärmen wir uns auf, trainieren mit Partner die Technik, dann ringen wir uns langsam ein, am Ende kämpfen wir drei mal drei Minuten.“ Fußballer wärmen sich bekanntlich auch auf, absolvieren technische Übungen und machen oft zum Abschluss ein Spielchen. Spaß muss ja schließlich überall sein.

Und doch gibt es da einen großen Unterschied: Als Ringer ist Ethan Webster auf sich alleine gestellt. Ein Geistesblitz kann den Sieg, ein Moment Unaufmerksamkeit die Niederlage bringen. Beim Fußball verteilt sich die Verantwortung: „Dass Fuchsi, also Christian Fuchsmann, mein bester Freund ist, macht das Toreschießen aber noch schöner. Fuchsi hat ja jetzt gegen Dorstfeld 2 vier Stück gemacht, ich dann später zwei.“

Westrich hat, diese Metapher lässt der Ringer gerne zu, gewichtige Gründe für den Aufstieg. „Ich denke, Fuchsi und ich sind uns gar nicht mal so unähnlich. Wir tanken uns vorne durch und können unseren Beitrag leisten. Aber wir haben insgesamt eine tolle Mannschaft, die hoch gehört.“

Erfolg verlangt aber auch Opfer! Für Ethan Webster sind sie zeitlicher Natur: „Ich bin immer unterwegs: Montags, mittwochs und Freitags trainiere ich mit den Ringern, dienstags und donnerstags auf dem Fußballplatz. Am Samstag sind ab Oktober wieder Wettkämpfe, am Sonntag spiele ich Fußball. Aber mir gelingt es dabei, den Kopf auszuschalten. Somit sind beide Sportarten Ausgleich zum Beruf, den ich ja auch noch habe.“ Webster ist Abteilungsleiter in der Dortmunder Kaufland-Zentrale. Die Frage, wer das mitmacht, beantwortet der flexible Sportler sofort: „Meine Frau ermöglicht mir alles. Sie ist meine Stütze. Und das Allerschönste: Wir erwarten ein Kind. Dann reden wir ohnehin nicht mehr nur über Sport.“

Welchen Sport sein Kind mal macht, lässt er offen. Wenn es sich selbst mal nicht wehren kann, dürfte der Papa aber Bodyguard spielen. Auch dann wird Ethan Webster wirklich kein anderes Kind im Sandkasten niederringen. Durch den Fußball kennt er ja selbst als bulliger Offensiver spielerische Lösungen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle