Es war die Sensation der vergangenen WM-Qualifikationsspiele: Nordmazedonien schlägt Deutschland mit 2:1. © dpa
Länderspiel

Dortmunder Amateurfußballer hat mit nordmazedonischen Deutschlandbesiegern zusammengespielt

Einst spielte er mit einigen Kickern aus der nordmazedonischen Nationalmannschaft zusammen. Ein bisschen habe er sich über den 2:1-Sieg des kleinen Landes gegen Deutschland gefreut.

Es war die Sensation der ersten Qualifikationsspiele für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022: Nordmazedonien besiegte den viermaligen Weltmeister Deutschland überraschend, aber verdient mit 2:1. Ein bekannter Dortmunder Amateurkicker kennt einige der Deutschlandbesieger persönlich – vor vielen Jahren spielte er mit ihnen zusammen. Einer von ihnen ist mittlerweile ein Star in der Premier League.

„Auf Anhieb verstanden hatte ich mich damals mit Ezgjan Alioski“, erzählt Dino Dzaferoski. Der defensive Mittelfeldspieler des Westfalenligisten TuS Bövinghausen spielte einige Male für die U19-Nationalmannschaft Nordmazedoniens. Wann genau das war, daran kann sich Dzaferoski nicht mehr erinnern. Es müsste aber irgendwann vor der EM 2012 gewesen sein, sagt er.

Die gute Verbindung zu Ezgjan Alioski, der mittlerweile in der Premier League für den Traditionsverein Leeds United spielt, kam zustande, weil Alioski wie Dzaferoski deutschsprachig aufgewachsen ist. Seine Jugendzeit verbrachte der 29-jährige Alioski bei den Young Boys Bern in der Schweiz. In der Schweiz kickte er für verschiedene Vereine bis 2017, ehe er den Sprung nach England wagte.

TuS Bövinghausen-Spieler: „Es war alles professioneller“

Dzaferoski kam damals mit dem heutigen Fußballstar auf ein Zimmer. In ihren Gesprächen kristallisierten sich weitere Gemeinsamkeiten heraus, so kommen die Vorfahren beider Fußballer aus derselben Gegend in Nordmazedonien.

Bereits damals habe er geahnt, dass Alioski mal ein Fußball-Profi werden würde, erzählt Dino Dzaferoski. „Wir kamen aus unterschiedlichen Welten“, so der Bövinghausen-Spieler. Während er ein paar Schuhe mitbrachte, hatte Alioski gleich eine ganze Tasche voll mit drei paar verschiedenen Schuhen. „Es war alles professioneller, als ich es gekannt hatte.“

Dino Dzaferoski © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Auch Stefan Ristovski und Stefan Askovski waren damals dabei in der U19. Ristovski spielte gegen Deutschland 90 Minuten in der nordmazedonischen Innenverteidigung, der Stürmer Askovski saß dagegen auf der Bank. Auch den Trainer der nordmazedonischen Nationalmannschaft kennt Dzaferoski persönlich, unter ihm trainierte er vor einigen Jahren drei Monate zur Probe bei Rabotnicki Skopje in der ersten mazedonischen Liga.

Vom 2:1-Sieg seiner ehemaligen Mitspieler gegen Deutschland war Dzaferoski überrascht, wenn auch nicht ganz so sehr wie viele andere es wohl waren. „Viele waren verblüfft“, so der 29-Jährige, „dass die Nordmazedonier technisch so stark sind. Für die, die das Land und die Spieler kennen, war das aber nichts Neues.“

In Nordmazedonien laufe die Spielerausbildung ganz anders als in Deutschland. „Dort spielst du erst einmal nur auf der Straße“, so der Dortmunder. In einer richtigen Mannschaft spiele man erst mit 16 oder 17 Jahren. Davor werde vor allem auf Kleinfeldern fünf gegen fünf gespielt. „Jeder Spieler ist dort technisch stark.“

Der letzte Wille fehlte

Ob denn auch ein bisschen Wehmut aufgekommen sei, als er sah, wie seine ehemaligen Mitspieler gegen große Namen wie Joshua Kimmich, Leroy Sané oder Kai Havertz kickten? „Manchmal denkt man sich, ‚man, da könntest du dabei sein‘“, sagt Dzaferoski. Auch beim Spiel der nordmazedonischen Nationalmannschaft gegen Deutschland habe er solch einen Moment gehabt.

„Aber am Ende sage ich immer: Was gestern war, war gestern und was morgen ist, ist morgen“, so der Mittelfeldspieler. Der Chance groß hinterhertrauern möchte er nicht. „Mir fehlten damals einfach die letzten zehn Prozent Willen“, sagt er.

Die Daumen gedrückt habe er im Übrigen der deutschen Nationalmannschaft. „Ich bin hier aufgewachsen, ich fühle mich als Deutscher, auch wenn mein Vater Nordmazedonier ist“, sagt Dzaferoski. Ein bisschen gefreut habe er sich aber auch, dass seine ehemaligen Mitspieler zeigen konnten, was in ihnen steckt.

Über den Autor
Volontär
Nachrichten gibt es überall, jeder kann sie verbreiten. Wahrheitsgemäße Recherche kommt da leider oft zu kurz. Qualitativer Lokaljournalismus ist daher wichtiger denn je. Wer, wenn nicht wir ausgebildeten Lokaljournalisten, berichtet über das, was wirklich in unserer Stadt Gesprächsthema ist?
Zur Autorenseite
Niklas Berkel