Ein Dortmunder Amateurfußballteam trainiert nie, ist aber trotzdem erfolgreich in seiner Liga. © Nils Foltynowicz
Fußball in Dortmund

Dortmunder Amateurfußballteam trainiert nie, steht aber oben in der Tabelle

Ein Dortmunder Amateurfußballteam trainiert nie, sondern trägt am Wochenende nur seine Meisterschaftsspiele aus. Das klappt erstaunlich gut, die Mannschaft steht oben. Aber warum gibt es keinen Trainingsbetrieb?

Kein Training und trotzdem erfolgreich? Klappt in der Regel eher selten. Bei einem Dortmunder Amateurfußballteam funktioniert dieses Credo aber erstaunlich gut. Die Mannschaft steht oben in ihrer Liga. Im Mittelpunkt dieser Truppe steht aber bei weitem nicht nur der sportliche Erfolg.

Der SC Husen-Kurl III ist gut in die neue Saison gestartet. Die dritte Mannschaft, die sich selbst nur „Cervecao“ (Wortspiel aus Cerveza (spanisch für Bier) und Selecao (Brasilianische Nationalmannschaft) nennt, steht aktuell auf Platz drei in der Kreisliga C5. gewann am vergangenen Sonntag auch gegen TuRa Asseln II mit 4:2. Eigentlich ist all dies nichts Besonderes, wäre da nicht der Fakt, dass der SC nie trainieren würde.

Keine Trainingseinheiten, nur Spiele am Wochenende: Das macht die Cervecao Woche für Woche möglich. Aber wie geht das? „Coach“ Sascha Schaumann klärt auf. Er berichtet, dass der Kader zu einem Großteil aus Husener Kickern besteht, die früher in der ersten Mannschaft mal gekickt haben oder generell aus Husen kommen. Dazu seien auch Kicker von TuRa Asseln gestoßen. Aufgebaut habe die Cervecao vor Jahren Karsten Müller, Schaumann ist sein Nachfolger.

Schaumann: „Jahrelang im Modus“

„Wenn man jahrelang im Modus war, in der ersten Mannschaft gekickt hat und immer der Konkurrenzkampf da war, dann wurde dem Fußball Vieles untergeordnet. Wenn die Jungs jetzt zwei Mal trainieren, dann kann ich sie sonntags nicht mehr aufstellen, weil die Knochen zu sehr wehtun“, sagt Schaumann.

Daher verzichte die Mannschaft auf das Training, baut auf die Qualität und der Stärke der erfahrenen Kicker. Im Altersdurchschnitt liegt die Mannschaft in etwa bei 38 Jahren. „Für das Mannschaftsgefüge müssen wir nicht viel tun. Wir sind größtenteils dicke Freunde, sehen uns auch oft in der Freizeit“, sagt Schaumann.

Eine Frage drängt sich aber dann doch noch auf. Wie entscheidet Schaumann vor dem Sonntag wer spielt, wenn er doch keine Trainingseindrücke hat? „Wir haben einen Rat bei uns, der das mit mir gemeinsam entscheidet. Alle Spieler sollen nach Möglichkeit zum Einsatz kommen und dann am Sonntag Spaß haben. Am wichtigsten ist, dass sich keiner verletzt“, so Schaumann.

Womit wir auch bei den Ambitionen der Mannschaft wären. „Natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen, aber das steht nicht im Vordergrund“, sagt Schaumann. Derzeit liegt sein Team auf Rang drei mit vier Punkten Rückstand auf den Spitzenreiter BV Teutonia Lanstrop. Gut für Husen: Die Mannschaft hat bislang eine Partie weniger als die Konkurrenten absolviert, könnte mit einem Sieg auf einen Zähler heranrücken. Noch ist die Saison aber jung.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Ist bereits seit Kindesbeinen an von Ballsportarten – insbesondere Fußball – fasziniert. Stets neugierig auf der Suche nach Geschichten, auch abseits des Ballsports. Die Liebe zum Journalismus entdeckte er über sein großes Hobby: Fotografie. Gebürtig aus Selm, mittlerweile in Lünen wohnhaft.
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Patrick Schröer