Der Dortmunder Fußballer feiert in Berlin. © Bugri
Fußball

Dortmunder Fußballer läuft zweiten Marathon – Den ersten hat er verschwiegen

Dortmunds Marathonmann wollte seinen Erfolg nicht an die große Glocke hängen. Nach 42,195 Kilometern setzte sich der Stolz im bescheidenen Ausdauersportler dann doch durch.

Ein bekannter Dortmunder Fußballer, Champions-League-Teilnehmer, vierfacher Bundesligaspieler, zuletzt für die besten Amateurteams der Stadt im Einsatz, aber gab zu, sein Instagram-Post spiegele nicht einmal die ganze Wahrheit wider.

Zum Foto, das Francis Bugri (40) am 26. September der zum Teil staunenden Öffentlichkeit präsentierte, fehlt nämlich die Vorgeschichte: „Berlin war mein zweiter Marathon. Vom ersten 2019 in Düsseldorf habe ich aber nur meiner Familie etwas erzählt. Und es ist schon so: Wenn du einmal vorbei an der jubelnden Menschenmenge die letzten Meter dem Ziel entgegenläufst, willst du das wieder haben.“

Um diese dann doch Zurückhaltung zu verstehen, lohnt es sich, den Menschen Bugri zu verstehen. Er war ein Fußballer, der unumwunden zugibt, er hätte mehr aus sich machen können. Nur wollte er in jungen Jahren auch immerhin etwas so leben, wie junge Menschen eben leben. Trotzdem reichte es doch zu einer Karriere, um die ihn mancher Fußballer beneidet.

Aber es passt zum ruhigen, mit einer stoischen Gelassenheit gesegneten Bugri, dass er „diesen Kick“ im Ziel zwar genießt, ihn aber auch nicht überbewertet haben möchte: „Ein schönes Gefühl, aber ich will jetzt auch nicht übertreiben. Ich bin nicht süchtig nach diesem Moment.“ Fazit dieser Gedanken wäre in etwa: „Ich genieße diesen Moment, den Lohn für harte Arbeit, aber ich habe auch andere schöne Dinge im Leben, wie meine Familie.“

Wie aber kommt es dazu, dass sich ein Ballsportler, deutlich mehr feiner Techniker denn Mann fürs Grobe, diesem Extremsport zuwendet. Zumal Bugri zwei Achillessehnenrisse und zahlreiche Sprunggelenksverletzungen hatte. Und der Straßen-Marathon schont Bänder, Sehnen und Gelenke wohl eher nicht. So richtig passten Langstrecke und Bugri erst auch gar nicht zueinander. „Als Fußballer habe ich die Laufeinheiten gar nicht gemocht.“

Eine Erklärung für die Wende: Francis Bugri lernte, auf seinen Körper zu hören: „Ich wusste, dass es nicht gut ist, eine Fußballkarriere abrupt zu beenden. Und bevor ich in einen gemütlichen normalen Trott hätte zurückfallen können, wollte ich etwas tun. Letztendlich spielten da aber mehrere Faktoren rein. Die Faszination dieses Wettbewerbs, aber auch der Wille, fit zu bleiben und gesund zu leben. Ich bin dreifacher Vater und möchte, dass meine Kinder einen beweglichen Papa haben.“

Der Marathon als aktiver Läufer aber war dann erst die letzte Etappe auf dem Weg der Annäherung an den Sport. Bevor er zum bewunderten Finisher wurde, hatte der Dortmunder andere Läufer bewundert. „Ich war in Kassel und Frankfurt bei den Marathons. Die Vielfalt der Läufer beeindruckte mich. Viele ließen sich auch von Handicaps nicht abhalten, dem großen Ziel entgegenzulaufen. Da waren Jugendliche bei und über 60-Jährige. Und dann der Jubel auf dem letzten Kilometer. Das packte mich.“

Selbst wenn Ehrgeiz nie der Begriff war, den Beobachter sofort mit Francis Bugri verbanden, so ist aber doch eins klar: Ohne Willen und eben einen gewissen Ehrgeiz wäre nie ein so guter Fußballer aus ihm geworden.

Also gibt es da durchaus etwas in ihm, das ihn motivierte. Und das ließ ihn sich mit dem Gedanken anfreunden: „Ich könnte einer von denen sein.“ Bugri kaufte sich ein Buch, das den Weg zum Marathonläufer darstellte. Und so wurde aus Neugierde ein klares Ziel.

Der Familienmensch weihte logischerweise seine Liebsten in seine Pläne ein: „Sie haben mich motiviert und später an den Strecken angefeuert.“ Aber es war eben doch ein langer Weg an den Start: „Erst einmal benötigte ich die Ausdauer für lange Strecken. Die Geschwindigkeit ist da völlig egal.“ Dadurch, dass er sein eigenes Projekt gewohnt realistisch anging, spürte Bugri schnell, dass nicht alles sofort geht. „Ich musste geduldig sein und war es dann auch. Auch Ernährung war jetzt ein Thema.“

Etwa zehn Wochen vor dem Marathon begann die eigentliche Vorbereitung auf das Rennen. „Ich hatte eine Strategie entwickelt. Nicht zu schnell starten, denn dann könnte ich früh platt sein.“ In Düsseldorf, als aus dem Fußballer ein Marathonläufer wurde, ging Bugris Plan auch gleich auf – bis die nicht eingeplanten Krämpfe kamen. „Ich musste das Tempo drosseln und jetzt richtig kämpfen.“ Aber es folgten die Momente, die für alles entschädigten, auch für die krampfbedingte Zeit von vier Stunden. „Ja, ich hatte mehr gewollt. Dann aber, als ich auf der Zielgeraden ankam, habe ich es nur noch genossen. Die Leute rufen deinen Namen, tragen dich fast ins Ziel. Und dann ist es geschafft. Ein Wahnsinns-Gefühl!“ Bugri hat sich bewiesen, dass er so viel schaffen kann.

Zwar keine Sucht, aber ein gesundes Verlangen, motivierte Bugri während und nach der Coronazeit, erneut zu starten. Berlin sollte es sein. „Eine Traditionsveranstaltung mit hervorragenden internationalen Läufern, zu der die Startplätze verlost werden. Ich hatte Glück. Denn diese Atmosphäre bei einem Stadtmarathon war einfach wunderbar. Wir hatten 23 Grad, das Wetter machte den Tag noch schöner.“ Zwar benötigte der Dortmunder in Berlin 4 Stunden und 20 Minuten („die Vorbereitung war nicht optimal“). Das störte ihn aber gar nicht. Ganz und gar nicht! Denn: „Dieses Gefühl, angefeuert von der Menge, durch das Brandenburger Tor zu laufen, ist überragend.“ 1,5 Kilometer lang gerade Strecke mit Menschen am Rand war die perfekte Kulisse für einen weiteren Meilenstein im Leben des Francis Bugri.

Klar, am Tag danach spürte er seinen Körper, Knie, Gelenke, einfach die Beine komplett. Die Energie war raus. „Aber ich wusste, ich habe was geschafft. Ziele sind wichtig im Leben.“

Ein schönes Schlusswort, da Bugri, der Realist, sich Ziele gesetzt hat, die er auch schaffen kann, ihn dabei fordern, aus dem Alltagsstrudel holen und aus ihm einen gesunden und glücklichen Mann machen, der mit sich völlig im Reinen ist. Und das Schöne an der Geschichte nennt er dann selbst: „Das war nicht mein letzter Marathon.“ Vielleicht dürfen dann auch mehr Bekannte zusehen und seinen Namen rufen. Er hätte es verdient!

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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