In einer Dortmunder Kreisliga fiel am Sonntag ein Spiel aus. © picture alliance/dpa
Fußball-Westfalenliga

Dortmunder Westfalenliga-Spiel eskaliert nach Abpfiff: Faustschläge und Anschuldigungen

Nach einer hitzigen Westfalenliga-Partie eskalierte die Situation. Jagdszenen, Faustschläge, sogar eine Anzeige stand im Raum. Die betroffenen Teams beschuldigen sich gegenseitig.

„Es war nicht wirklich viel mit Fußballspielen“, sagte Rafik Halim, Trainer des FC Brünninghausen. Er erlebte ein hitziges Auswärtsspiel, das nach Abpfiff eskalierte. Beide Vereine beschuldigen sich jeweils gegenseitig.

Dass der FC Brünninghausen nach acht ungeschlagenen Auftritten noch in dieser Saison ein Spiel verlieren würde, schien naheliegend. Etwas überraschend handelte sich der FCB am Sonntag bei YEG Hassel die erste Pleite ein und unterlag mit 2:3.

FC Brünninghausen verliert 2:3 bei YEG Hassel

Patrick Trawinski hatte die Dortmunder schnell in Führung gebracht (8.), per Ecke glich Hassel aber umgehend aus (11.). Durch einen Strafstoß legten die Gelsenkirchener schließlich sogar vor.

In einer Drangphase glich David Vaitkevicius nach dem Seitenwechsel aus (62.). Laut Trainer Rafik Halim hätte der FCB hier noch den Siegtreffer nachlegen können. Stattdessen traf Hassel noch zum 3:2-Heimsieg (83.). „Ein Unentschieden wäre verdient gewesen“, so Halim, der seiner Elf keinen Vorwurf machen wollte. Anders sah es mit den Gastgebern aus.

Rafik Halim sah eine hitzige Partie und schließlich Auseinandersetzungen.
Rafik Halim sah eine hitzige Partie und schließlich Auseinandersetzungen. © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

„Es waren wirklich Jagdszenen. Sowas kenne ich nur aus der Zeitung oder der Kreisliga“, so Halim, der von einer „Eskalation“ sprach. Im Nachgang der ohnehin hitzigen Partie seien seine Spieler in Richtung Kabine gegangen und dabei von Hassel-Fans zunächst verbal attackiert worden.

Aus den verbalen Auseinandersetzungen seien schließlich körperliche Übergriffe geworden. Es soll Faustschläge gegeben haben. Die YEG-Anhänger hätten den FCB regelrecht in den Kabinentrakt gejagt, so Halim.

FC Brünninghausen: YEG Hassel wiederspricht

Brünninghausens Angreifer Patrick Trawinski sah die Situation mit eigenen Augen, ohne dabei aber in Hörweite der gegenseitigen Provokationen gewesen zu sein. „Es begann mit Schubsereien“, so Trawinski, der immer mehr Zuschauer in das Geschehen involviert gesehen habe.

Ganz anders sah es Sener Bükrü, Sportlicher Leiter Hassels. „Es ist genau so nicht passiert“, sagt Bükrü. Er habe selbst beobachtet, wie ein FCB-Akteur angefangen habe, den YEG-Anhang zu provozieren. Schließlich sei ein Zuschauer auf den entsprechenden Spieler zugegangen.

Patrick Trawinski läuft mittlerweile für den FC Brünninghausen auf.
Patrick Trawinski läuft mittlerweile für den FC Brünninghausen auf. © Timo Janisch © Timo Janisch

Ein weiterer Anhänger habe nun versucht, die immer bedrohlichere Situation schlichten zu wollen, so Bükrü. Dieser sei allerdings von einem Brünninghauser Ersatzspieler körperlich attackiert worden. Zwei bis drei Mal habe der Dortmunder dem Hasseler ins Gesicht geschlagen, so Bükrü.

„Wir sind die Opfer. Wir haben versucht, es im Griff zu halten“, sagt Bükrü. Gemeinsam mit dem Brünninghauser Verantwortlichen habe er beratschlagt, wie man mit der Situation umgehe. Den von den Faustschlägen betroffenen Zuschauer habe man sogar gefragt, ob er eine Anzeige aufgeben wolle.

Dies habe der Zuschauer verneint, so Bükrü. Stattdessen habe er eine Entschuldigung verlangt. Gemeinsam mit dem Vater des FCB-Spielers, der ihn angegriffen haben soll, sei der Zuschauer anschließend zur Aussprache in die Kabine der Dortmunder gegangen.

FC Brünninghausen: Zwei Spieler haben „etwas abbekommen“

Dort hielten sich die Blau-Weißen auf. Ein Brünninghauser Spieler und Betreuer hätten bei den vorausgegangenen körperlichen Auseinandersetzungen jeweils „etwas abbekommen“, so Halim. Um einer weiteren Eskalation zu entkommen, habe sich der FCB in der eigenen Kabine gesammelt.

Als sich die Dortmunder schließlich in ihrer Kabine versammelt hatten, hätten sich immer mehr Hassel-Unterstützer vor der Kabinentür gesammelt. 40 bis 50 Menschen seien das laut Halim gewesen. Erst als der FCB mit dem Rufen der Polizei gedroht habe, hätte sich der Trubel vor der Kabine aufgelöst. 20 bis 25 Minuten habe man so verbracht, so Halim.

Auch hier widerspricht Bükrü klar. „Es gab keine Ansammlung. Wir haben alles im Griff gehabt und für die Sicherheit gesorgt“, sagt der Sportliche Leiter. Viele Zuschauer, die sich in dem Bereich aufgehalten haben, hätten von den vorherigen Ereignissen überhaupt nichts mitbekommen. Bükrü sei stets im Mittelpunkt gewesen.

Trawinski und Halim waren vom späten Sonntagnachmittag schockiert. „Das hat auch in den unteren Ligen nichts zu suchen. Aber auf dem Niveau habe ich das zum ersten Mal erlebt“, sagt Trawinski. Halim sagt: „Das ist eine traurige Geschichte.“ Beide nahmen die Aktiven des YEG Hassel von ihren Anschuldigen heraus.

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Amateursportler bewegen vielleicht weniger Menschen als die Profis, dafür aber umso intensiver. Sie schreiben die besseren Geschichten - vor allem im Ruhrgebiet. Diese zu erkennen und aufzuschreiben, darum arbeite ich seit 2017 für Lensing Media. Darüber hinaus Handballtrainer im Jugendbereich. Gebürtig aus Lünen.
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Timo Janisch