Westfalia Wickede muss in der nächsten Saison ohne einen seiner Strippenzieher jubeln. © Stephan Schuetze
Fußball-Westfalenliga

Dortmunder Westfalenliga-Strippenzieher wechselt zwei Etagen tiefer in die Nachbarstadt

Tore kann er, Assists kann er - und das in den letzten 15 Jahren mindestens auf Westfalenliga-Niveau. Trotzdem zieht es einen Dortmunder Strippenzieher jetzt ins Mittelfeld eines Bezirksligisten.

Noch ruht der Spielbetrieb. Doch das könnte sich in wenigen Wochen schon ändern. Für einen Dortmunder Westfalenligisten könnten dann noch einmal entscheidende Wochen im Kampf um den Klassenerhalt anbrechen. Mit dabei ist dann ein Lenker im offensiven Mittelfeld – aber eben nur noch bis Saisonende.

Denn Markus Scherff zieht es in die Nachbarstadt. Mit 35 wurde die Coronazeit für ihn zur Bedenkzeit. „Es gab drei Möglichkeiten: 1. Ich bleibe bei Westfalia Wickede, wohin ich ja erst im vergangenen Sommer zurückgekehrt bin. 2. Ich kehre zu meinem Heimatverein TuRa Rüdinghausen nach Witten zurück. Die fragen mich eh schon jedes Jahr, wann der verlorene Sohn wieder zurückkommt. 3. Was ganz anderes.“

Die Entscheidung fiel für „was ganz anderes“ – in Person von Dustin und Michael Wurst. „Dustin kenn ich noch aus gemeinsamen Zeiten bei Rüdinghausen“, sagt Scherff. „Mit seinem Cousin Michael, bisher Trainer beim Landesligisten FC Frohlinde in Castrop-Rauxel, hab ich auch schon gezockt. Der Kontakt ist nie abgebrochen. Wir sind Freunde geworden.“

Und dann kam wie aus heiterem Himmel Dustins Angebot: „Michael und ich, wir machen da in der nächsten Saison was zusammen als Trainerteam. Hast du nicht Bock, da auf die alten Tage noch einzusteigen“, erinnert sich Scherff. Das, was die beiden Cousins machen werden, ist den Bezirksligisten FC Castrop-Rauxel zu übernehmen.

„Für mich klingt das nach der richtigen Mischung, nochmal mit alten Freunden zu zocken, aber trotzdem bei einem Verein zu sein, der was vorhat. Angebote gab es in den letzten Jahren immer wieder“, sagt Scherff. „Aber was ich nie wollte, war einfach nur tiefer zu spielen, weil da Kumpels sind, aber auch nicht, nur weil mir irgendein Klub Geld bietet.“

Markus Scherff wird Westfalia Wickede den Rücken kehren. © Nils Foltynowicz © Nils Foltynowicz

Und Fitness? Ist das ein Thema mit 35? „Ja sicher ist es das. Ich hab schon gemerkt, dass Disziplin jetzt während der langen Pause für mich wichtig war. Aber andererseits hab ich auch gemerkt, dass ich bei letzten Saisonvorbereitung in Wickede auch mit jungen Spieler gut mithalten konnte. Und das ist jetzt noch immer so.“

Nach einer Knieverletzung im letzten Jahr habe es zwar auch Freunde gegeben, die ihm gesagt hätten: „Markus, jetzt ist mal gut mit Fußball nach fast 30 Jahren. Mach doch Trainer oder sportlicher Leiter“, erinnert sich Scherff. „Aber, was soll ich sagen, ich hab immer noch Bock auf Fußball auf dem Platz, und ich bin fit. Das ist der Maßstab. Erst wenn dass nicht mehr so ist, kann ich sagen, dass es das war.“

Der Hänger, sagt Markus Scherff, sei für ihn, wenn überhaupt eher durch Corona gekommen. Das habe mehr genagt als jede Verletzung. „Aber letztlich ist Fußball meine Leidenschaft und meine Hobby, was ich schon immer so gelebt habe. Und darum war für mich klar, wenns wieder losgeht, muss ich dasein.“

Und auch wenn die Bezirksliga ein Stück weiter unten im Liga-Gefüge ist, sieht sich Scherff in einer jungen Mannschaft nicht als westfalenliga-erfahrenen Standfußballer. „Wenn ich da bin, will ich vorweggehen und ordentlich zeigen, was los ist. Das ist doch klar.“

Trotz aller Spielfreude, wird es auch mal den Trainer Markus Scherff geben? „Warum nicht. Vielleicht mal bei meinem Heimatklub in Rüdinghausen. Vielleicht erstmal als spielender Co-Trainer – für den Einstieg.“ Allerdings so ganz sicher sei er sich bei dem Thema noch nicht, sagt Scherff. „Ganz ehrlich, die Einstellung vieler jüngerer Spieler hat sich in den letzten 15 Jahren schon sehr geändert. Wir sind damals durch ältere Spieler noch ziemlich schnell geerdet worden. Heute passieren da Sachen, die kann ich nicht nachvollziehen. Und wie ich als Trainer dann reagieren würden – ich weiß es nicht. Aber bis dahin ist ja noch Zeit.“

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
61er-Jahrgang aus Bochum, seit über 35 Jahren im Journalismus zu Hause - dem Sport und dem blau-weißen VfL schon ewig von Herzen verbunden - als Sportredakteur aber ein Spätberufener.
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Gerhard Vogelsang

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