Noch sind sie entspannt beim SV Brackel. © Stephan Schütze
Fußball-Landesliga

Drei Spiele, ein Punkt: Woran liegt der Saisonstart des SV Brackel?

In der Landesliga 3 ist der Saisonstart des SV Brackel missglückt. In drei Spielen holte der Klub nur ein Remis, zweimal verlor er. Trainer Giovanni Schiattarella bleibt trotzdem ruhig - (noch).

Die Entwicklung eines Trainers! Giovanni Schiattarella beeindruckte fast alle Spieler nach dem Wechsel von der Zehn auf die Bank vor mehreren Jahren mit seinem taktischen Verständnis und seiner Fähigkeit, dieses seinen Jungs zu vermitteln. Dazu kam eine Menge Emotionen, manchmal war er gedanklich weiter als die Spieler. Und das kam dann auch zum Ausdruck.

Der neue Giovanni Schiattarella, oder vielleicht auch der gereifte, reagiert auf den ergebnistechnisch enttäuschenden Saisonstart seines Landesligisten SV Brackel 06 sehr geduldig. Und diese Geduld erwartet er auch von seinen Spielern und seinem Umfeld. „Die Ergebnisse kommen schon.“

Ja, diese Zurückhaltung ist tatsächlich sogar die gelebte Philosophie des Klubs: „Wenn sich unsere eigenen Jungs und lernwillige Talente aus der Nachbarschaft bei uns entwickeln, ist mir der Tabellenplatz gar nicht mal so wichtig“, sagte selbst der früher manchmal schon eher fordernde Vorsitzende Olaf Schäfer.

Er möchte einfach einen gut Fußball spielenden Klub mit Jungs, die den Fußball lieben und vielleicht nicht so das große Geld. Ein Verein bleibt bodenständig.

Giovanni Schiattarella, der Gelassenere, nimmt das auf: „Wenn ich in Brackel Trainer bin, lebe ich das.“ Und wenn sich schon die Ergebnisse in den Spielen (ein Punkt aus drei Spielen) nicht sehen lassen können, so stimmen aber diese im Sinne der Vereins-Philosophie.

Wer kannte vor ein paar Jahren schon einen Tobias Hartmann? Er kam aus Ostwestfalen nach Dortmund, avancierte unter Schiattarella zum Führungsspieler – mit 24 Jahren. Der Kapitän ist zentrale Figur der Brackeler Fünferkette, des Prunkstücks von Schiattarellas Fußball. „Wir haben das während der Vorbereitung ständig geübt. Das klappt auch.“

Der SV Brackel zahl noch Lehrgeld

Es ist ja nicht so, dass der Coach ewig warten möchte. Wenn das auch nicht funktioniert hätte, hätte er gewiss deutlicher reagiert als: „Die Leistung ist okay. Mit den Ergebnissen können wir nicht zufrieden sein. Wir zahlen derzeit aber noch Lehrgeld.“ Also die taktische Disziplin hinten ist in Ordnung. Woran liegt es also?

Einerseits am heftigen Startprogramm! Diese Erklärung ist auch für neutrale Beobachter verständlich. Ein 2:2 in Frohlinde nach 0:2-Rückstand galt ohnehin noch als guter Auftakt, ein 1:4 gegen den Topfavoriten Türkspor Dortmund dürfte in dieser Liga als Streichergebnis gelten. Dafür haben sich die Brackeler gar nicht schlecht verkauft. Auch in Hombruch werden noch andere Mannschaften verlieren.

Nur kam hier beim 0:1 das Brackeler Dilemma zum ersten Mal richtig zur Geltung. Sie haben vorne noch zwei ganz junge Leute, die sich unter ihrem Coach erfrischend mutig und spielfreudig zeigen: William Valenti und Moham Ahchahboun.

Sie hatten in Jonah Ernst im 5-4-1 einen wenigstens etwas routinierten Mann ganz vorne, der auch den Abschluss zum Tor sucht. Das traf noch mehr auf Patrick Sacher zu, der sich bereits in vorderster Front versucht hatte. Sie haben aber keinen, der sie einfach mal rein macht, um es mal salopp zu formulieren.

Und jetzt rundet das Spiel am Sonntag gegen Tabellenführer Wanne 11 das Hammer-Startprogramm ab. Aber doch könnte seine Mannschaft des Trainers Geduld langsam auf die Probe stellen. Dann, wenn das auch nicht mehr funktioniert, was zuvor ordentlich klappte: die Defensivarbeit. „Wanne ist offensiv enorm stark“, warnt Schiattarella.

Drei Siege und 9:2 Tore des Spitzenreiters zeugen davon, dass der Brackeler Coach nicht übertreibt. „Sie haben im Angriff mit die besten Spieler der Liga“, konkretisiert er. Die defensiven Fünf könnten – ähnlich wie gegen Türkspor – also Unterstützung vom Vierer-Mittelfeld erhalten. Klar, aber welcher Trainer lässt sich schon gerne in die Karten blicken?

Lehrgeld nicht immer an die anderen Klubs zahlen

Nicht verheimlicht Schiattarella, dass die verletzten Marc Langfeld, Niklas Lohkamp und Mehmet Erdogan wieder im Kader sind. Gerade Erdogan hat in seiner Vergangenheit bewiesen, dass er den Abschluss beherrscht. Könnte also sein, dass Sacher und Ernst ihre spielerischen Fähigkeiten im Mittelfeld zeigen und Erdogan vorne die Torflaute beendet.

Dann hätte sich Brackel schon früher belohnt, als manch geduldiger Mensch im Verein das erwartet hätte. Noch beschränkt sich Schiattarella auf die Forderung: „Ich will, dass die Mannschaft ihre Leistung bestätigt.“ Wenn die eigenen Spieler schon nicht die Großverdiener in der Liga sind, möchten die Brackeler aber auch nicht ständig das von Schiattarella erwähnte Lehrgeld an die anderen Klubs zahlen.

Fazit: Der Anfang der siegreichen Spiele muss nicht zwingend gegen den Tabellenführer klappen, so langsam aber dürften sich die Brackeler auch mal richtig belohnen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle