Ein Dortmunder Bezirksligaspieler hat schon für den Libanon gekickt. © picture alliance/dpa
Fußball

Ehemaliger Nationalspieler beim Dortmunder Bezirksligisten – Er ist Vorbild seines Bruders

Ehemalige Nationalspieler gibt es eher selten in der Bezirksliga. In Dortmund gibt es einen. Er spielt aktuell sogar zusammen mit seinem Bruder in einem Team. Hier das Doppelinterview.

Im nächsten Teil unserer kleinen Serie über Geschwister in einer Dortmunder Fußballmannschaft beschäftigen wir uns diesmal mit zwei Jungs, die drei weitere Brüder haben, die mit dem Fußball aber nichts zu tun haben, sondern sich dem Kampfsport verschrieben haben.

Mahmoud und William Najdi kicken für den TuS Hannibal. Der 32-jährige Mahmoud hat eine beeindruckende Vita vorzuweisen: In seiner Jugend spielte er für den VfL Bochum und den MSV Duisburg. 2008 ging er zum Wuppertaler SV, für den er immerhin 16 Drittligaspiele bestritt. Danach ging er für ein Jahr zu Fortuna Düsseldorf, wo er in der zweiten Mannschaft spielte. Seine nächste Station war der ETB SW Essen: Dort avancierte der deutsch-libanese in der damaligen NRW-Liga zum besten Torschützen der Essener.

Mahmoud Najdi hat schon in der Nationalmannschaft gespielt. © Schulze © Schulze

In der Saison 2012/2013 traf er 15 Mal für den Traditionsverein. Nachdem er 2016/17 in der A-Liga für den TuS Bövinghausen spielte, wechselte Najdi im Sommer 2017 zum TuS Hannibal. Für den Libanon hat der Offensivakteur auch internationale Spiele vorzuweisen. Er bestritt fünf Spiele für das dortige U20-Nationalteam und erzielte dabei zwei Tore. „Mahmoud ist ein Vollblutfußballer und ein Unterschiedsspieler mit großer Qualität. Er ist sowohl charakterlich als auch menschlich ein Vorbild. Von Ihm können sich vor allem jüngere Spieler eine Scheibe abschneiden“, lobt Hannibals Trainer Hamsa Berro seinen überragenden Führungsspieler.

Der sieben Jahre jüngere Bruder William spielt seit der Winterpause 2019/2020 für die Nordstädter. Zuvor spielte der Offensivakteur beim SC Dorstfeld, bei der SG Phönix Eving, bei Arminia Marten und dem Landesligisten Hombrucher SV. „William ist ein talentierter Fußballer, der viel mitbringt und sich gut bei uns eingelebt hat. Er befindet sich noch in einem Lernprozess, weshalb ihm noch die Konstanz in seinen Leistungen fehlt“, sagt Trainer Hamsa Berro. Wir haben den Brüdern mal auf den Zahn gefühlt und mit Ihnen ein Doppelinterview mit den identischen Fragen geführt.

Wie verhalten Sie sich im Training gegenüber Ihrem Bruder?

Mahmoud Najdi: Ich steige im Training gegen meinen kleinen Bruder nicht so hart ein. Ich gehe nicht aufs Ganze und nehme Rücksicht auf ihn.

William Najdi: Ich bin kein Kind von Traurigkeit und habe im Training kein Erbarmen mit meinem Bruder, es wird keine Rücksicht genommen.

Gibt es so eine Art Konkurrenzkampf zwischen Ihnen, da Sie ja beide Offensivakteure sind?

Mahmoud Najdi: Nein, gibt es auf gar keinen Fall. Als Führungsspieler habe ich viel Verantwortung von Trainer Hamsa Berro erhalten. Deshalb achte ich vor allem darauf, dass mein Bruder Gas gibt.

William Najdi: Das nicht, weil mein Bruder der Spielmacher ist und ich auf der Außenbahn zuhause bin. Mein Bruder setzt mich gerne mit seinen Pässen ein und pusht mich. Mahmoud weiß, was ich kann, er fordert viel von mir ein, ist mein härtester Kritiker.

Wiliam Najdi ist der jüngere der beiden Brüder. © Nils Foltynowicz © Nils Foltynowicz

Verhalten Sie sich während des Spiels gegenüber Ihrem Bruder anders, als gegenüber ihren anderen Mitspielern?

Mahmoud Najdi: Ich verlange von ihm mehr als von meinen anderen Mitspielern. Als Spielmacher suche ich Ihn natürlich häufiger und habe die meisten seiner Tore vorbereitet. Ansonsten denke ich im Wettbewerb nur an das Team und an den gemeinsamen Erfolg.

William Najdi: Es passt gut zwischen uns, mein Bruder und ich vertrauen uns und harmonieren gut auf dem Feld. Innerhalb des Teams haben wir eine gewisse Hierarchie, natürlich nehme ich auch Ratschläge von unserem Kapitän Ibrahim Berro oder auch von Mustapha Hamdaoui an.

Ist es etwas Besonderes für Sie, mit ihrem Bruder in einer Mannschaft zu spielen?

Mahmoud Najdi: Ja, es ist nicht nur etwas Besonderes, sondern auch etwas Schönes und eine tolle Erfahrung. Ich habe schließlich William den Wechsel vom Hombrucher SV zum TuS Hannibal damals schmackhaft gemacht.

William Najdi: Natürlich. Mahmoud ist mein fußballerisches Vorbild. Er ist vor dem Tor so brutal effizient, da sieht man einfach seine Klasse. Seine Tipps bringen mich weiter, ich versuche deshalb so viel wie möglich von ihm aufzusaugen.

Welche Vorteile bzw. Nachteile hat es mit dem eigenen Bruder in einer Mannschaft zu spielen?

Mahmoud Najdi: Der einzige Vorteil ist unsere Fahrgemeinschaft (lacht). Da William ab und zu zum Leichtsinn neigt, kommt es schon mal vor, dass wir Stress auf dem Platz haben. Meine Mannschaftskameraden sind für mich alle wie Brüder, auch wenn einige manchmal glauben, ich würde meinen Bruder auf dem Platz bevorzugen. Ich versuche halt, William auf dem Platz zu schützen.

William Najdi: Ich sehe als großen Vorteil an, dass ich mir im Spiel viel von ihm abgucken kann. Insbesondere mein Spiel mit zwei Ballkontakten habe ich durch ihn verfeinert. Da Mahmoud mein härtester Kritiker ist, war das zu Beginn unserer gemeinsamen Zeit bei Hannibal schon etwas gewöhnungsbedürftig.

Wie reagieren Sie, wenn Ihr Bruder während des Spiels grob gefoult wird?

Mahmoud Najdi: Ich werde sauer und gucke zuerst wie es ihm geht. Falls jemand ein übles Foul oder eine Unsportlichkeit begeht, werde ich meinen Bruder in der nächsten Spielsituation revanchieren.

William Najdi: Ich renne sofort zu ihm hin und schaue nach, ob alles in Ordnung ist. Wenn der Gegner sich ein rüdes Foul von hinten erlaubt, versuche ich sofort den Gegenspieler von meinem Bruder fernzuhalten.

Tauschen Sie sich nach den sonntäglichen Spielen aus oder reden Sie eher kein Wort mit Ihrem Bruder?

Mahmoud Najdi: Grundsätzlich tauschen wir uns aus. Wenn es aber auf dem Spielfeld Zankerei zwischen uns gab, ignorieren wir uns bis zum nächsten Trainingstag. Wir reden dann auch im Auto kein Wort miteinander.

William Najdi: Wir reden immer nach dem Spiel über das Spiel. Wir sprechen über die Taktik und analysieren kritisch unsere eigenen Leistungen. Wobei Mahmoud sehr gelassen mit Kritik umgeht: Nach dem ersten Saisonspiel gegen ETuS Schwerte habe ich mich bei Ihm beschwert, weil ich, obwohl ich viel Platz auf meiner Seite hatte, einfach keinen Pass von ihm zugespielt bekam. Seine knappe Antwort lautete: Du warst ja immer im Abseits, deshalb konnte ich dich nicht anspielen.

Welche Stärken bzw. Schwächen sehen Sie bei Ihrem Bruder auf dem Fußballplatz?

Mahmoud Najdi: Williams Stärken sind seine Schnelligkeit und seine Beidfüßigkeit. Er ist abschlussstark und hat für die Bezirksliga ein gutes taktisches Verständnis. Seine größte Schwäche ist die saubere Ballannahme und Ballmitnahme. Da fehlt es manchmal an den nötigen technischen Feinheiten.

William Najdi: Als Stärken stufe ich seine Ballsicherheit, seine Übersicht und seine Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor ein. Bei den Schwächen fallen mir spontan zwei Dinge ein: Mahmoud hat noch nie mit geöffneten Augen geköpft und deshalb wahrscheinlich auch noch nie ein Tor mit dem Kopf erzielt. Außerdem fehlt ihm aufgrund seines Alters das Tempo.

Gibt es eine unterhaltsame Geschichte, die sich bei Ihren gemeinsamen Spielen ereignet hat?

Mahmoud Najdi: Das mit meiner angeblichen Kopfballschwäche kann ich natürlich so nicht stehen lassen. Ich habe da in Sachen Kopfballschwäche eigentlich eine ganz andere Szene in Erinnerung: In der letzten Saison habe ich von der Außenposition eine scharfe Flanke in den Strafraum geschlagen. William, der am kurzen Pfosten stand, bekam den Ball vor den Kopf, von dort flog er trotz seiner geschlossenen Augen ins Tor. Ein klassischer Fall von angeschossen worden. (lacht)

William Najdi: In einem Testspiel habe ich mich kurz nach hinten umgeschaut, bin dann in Erwartung eines Zuspiels im Vollsprint nach vorne gelaufen, dort bin ich ins Stolpern geraten und der Länge nach hingeknallt. Mahmoud hat mich dann mitten auf dem Platz wegen meines Missgeschicks ausgelacht.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Baujahr 1965, gebürtiger Dortmunder, der sich seit fast zwanzig Jahren auf den Sportplätzen tummelt und den Dortmunder Amateurfußball mit all seinen Facetten kennt.
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Frank Büth