Der TuS Eichlinghofen hat nicht den besten Saisonstart erwischt. © Schaper
Fußball-Bezirksliga

Eichlinghofen-Motor stottert: „Sind finanziell nicht Nordkirchen, haben aber andere Argumente“

Der TuS Eichlinghofen ist weit davon entfernt, optimal in die neue Saison gestartet zu sein. Der Bezirksliga-Klub kann den bisherigen Verlauf aber einordnen - und punktet derzeit mit anderen Zahlen als Zählern in der Tabelle.

Der natürliche Lebensraum des europäischen Murmeltieres ist das Hochgebirge. Wer aus Oespel oder Barop kommt, fährt nach Eichlinghofen zwar bergauf. Das Gebiet um das Stadion an der Hövel Hochgebirge zu nennen, wäre dann schon etwas abwegig. Und doch scheint sich ein Murmeltier oben im gemütlichen Dorf eingenistet zu haben. Dieses nämlich, das jährlich verkündet, dass der so lebendige TuS trotz manch hoher Erwartung doch kleinere Brötchen backen muss.

Was die erste Mannschaft betrifft, droht das nach vielen Jahren im Mittelfeld, nur das Fast-Aufstiegsjahr 2016 fiel heraus, wirklich einzutreffen. Drei Punkte aus vier Spielen haben einen Platz in der Bezirksliga-Tabelle soeben über den Abstiegsrängen zur Folge. Der Vorsitzende Thomas Janßen aber trennt eins vom anderen deutlich: „Ja, das 1. Mannschafts-Murmeltier grüßt. Es kann aber auch gar nicht anders, weil wir überhaupt nicht die Möglichkeiten haben, oben mitzumischen. Nein, was unseren Verein insgesamt angeht, sind wir ‚Eins mit Sternchen‘ aufgestellt.“

Arbeiten wir also erst den schwierigeren Part ab. Trotz des von Janßen erwähnten geringeren finanziellen Spielraums, spielen in Eichlinghofen immer noch viele Fußballer mit gutem Namen in Dortmund mit, die bestimmt gehobenes Bezirksliganiveau haben. Henrik Fibbe, Florian Peterhülseweh, Andreas Uphues, Levi Butt, Dustin Maranca, Marvin Pluck, Maurice Much, Alexander Voss und Salomon Kadima Tshitungu (derzeit verletzt), das sind längst noch nicht alle, kickten schon in höheren Ligen.

Und doch bekräftigt Janßen: „Schon früher sind wir über ein sehr gutes Vereinsleben gekommen. Da hatten wir aber schon auch mal versucht, Leistungsunterschiede zu den Topteams mit Spielern zu kompensieren, die auch ein paar Prämien bekamen. Jetzt wollen wir das gar nicht. Zuletzt wollten wir den Verein überhaupt gesund durch die Coronazeit bringen.“

Janßen ist aber sicher, dass den Jungs auch ohne die großen Sprünge der Spaß nicht vergeht. „Wir sind eben von den finanziellen Möglichkeiten her nicht Nordkirchen, aber wir haben weiterhin andere gute Argumente.“

Da andere zurzeit lieber in Beine statt in Steine investieren (oder sogar in beides) gibt sich der Vorsitzende bescheiden: „Mit einem einstelligen Tabellenplatz bin ich schon zufrieden. Klar ist uns das auch wichtig.“ Aber ein Vorsitzender in Coronazeiten hatte dann doch eben ganz andere Prioritäten: Bleiben alle gesund? Bezahlen alle weiter ihre Beiträge? Kommen sie nach der langen Pause wieder?

Und da gerät der nie um viele Worte verlegene Präsident erst richtig in Wallung: „Wir haben unsere Zahl an aktiven Mitgliedern sogar steigern können. Damen, Mädchen, Senioren, Junioren – überall spielen sie gerne für uns.“ Das ist aber auch nachvollziehbar, da die Anlage an der Hövel modern ist. Mit Vereinsheim, Kabinen, Grillstand, überdachten Tribünen und mit einem stimmungsvollen Völkchen drumherum eine der attraktivsten Spielstätten der Stadt.

Der Blick aber geht dann doch auch immer in Richtung erste Mannschaft. Und so langsam, räumt auch Trainer Marc Neul ein, stünden dem TuS bessere Ergebnisse besser zu Gesicht. Dass er – wie Janßen – überhaupt keinen Druck auf die Mannschaft ausübt, hat aber auch handfeste Gründe. Und es darf dann ja auch als positives Zeichen gelten, dass Panik in Eichlinghofen ein Fremdwort bleibt.

„Wir hatten jetzt nur die Brocken“, sagt Neul. Nach dem Auftaktsieg gegen den FC Castrop-Rauxel folgten Niederlagen gegen den großen Favoriten Nordkirchen, gegen RW Germania und gegen Mengede.

Neul muss derzeit zudem einige Ausfälle kompensieren: Von den Toren Salomon Kadima Tshitungus hatte der TuS vor Corona profitiert. Er laboriert noch an einem Achillessehnenriss. Alexander Voss kommt erst langsam wieder in die Gänge. Der Coach hatte Verteidiger Levi Butt sogar zum Angreifer umfunktioniert. Die Leistungen seien – abgesehen von der ersten Hälfte beim 0:3 in Mengede – gar nicht so verkehrt gewesen.

Aber der Ergebnissport verlangt nun auch zählbare Resultate: „Ich bin sicher, dass sie kommen, am besten schon am Sonntag gegen Lüdinghausen.“ Und sollte sich der TuS dann im Mittelfeld festsetzen, wäre das bestimmt nicht „Eins mit Sternchen“, aber vielleicht wenigstens eine gute Sieben. Das war der Platz, auf und um ihn herum der TuS meist am Saisonende rangierte. Janßen sagt: „Mehr können wir dann vielleicht auch gar nicht schaffen.“

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Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle