So jubelte der TuS Eichlinghofen nach dem Pokalerfolg. © Eichlinghofen
Fußball-Kreispokal

Eichlinghofer Sensations-Sieg: „Wir sind Weltmeister-Bezwinger, obwohl es bei uns scheiße läuft“

Sensationell und vor allem ziemlich überraschend hat Bezirksligist TuS Eichlinghofen den Westfalenligisten TuS Bövinghausen geschlagen. Eichlinghofen jubelt, obwohl es überhaupt nicht läuft.

Es ist seit dieser Spielzeit ein besonderes Spektakel, wenn sich Amateurfußballer mit dem TuS Bövinghausen messen. Nicht wegen des Klubs an sich. Bövinghausen polarisiert. Als Amateurfußball-Enthusiast feiert man entweder mit dem Klub oder kann mit dem Verein aus dem Dortmunder Westen nichts anfangen.

Spektakel ist vor allem das, was der Verein namenstechnisch auf dem Rasen anbietet. Zuletzt noch Baris Özbek, die Ex-Profis Migel-Max Schmeling sowie Sebastian Mützel, WM-Held David Odonkor, Marco Onucka und natürlich auch Kevin Großkreutz, Fußball-Weltmeister von 2014.

Für jeden Amateurfußballer ein Highlight, vor allem für viele Dortmunder, gegen einen Ur-Borussen wie Großkreutz zu spielen, der für Borussia Dortmund von der Südtribüne über die Jugend bis zur Bundesliga und Champions League aktiv war und nun neben ihnen auf dem Platz steht.

Es wäre blasphemisch zu behaupten, dass es für den TuS Eichlinghofen am Donnerstagabend ein normales Kreispokal-Duell war. Der Bezirksligist reiste als Tabellenletzter an. Zum Tabellenersten in der zwei Klassen höher liegenden Westfalenliga. Gespickt mit zahlreichen Spielern, die von der Bezirksliga so weit entfernt sind, wie Mats Hummels von einer Roten Karte am Mittwochabend gegen Ajax Amsterdam. Zumindest dann, wenn es nach vielen Fußball-Fachleuten im Internet geht.

Bövinghausen: „Wenn der jede Woche so hält, spielt der Bundesliga“

Dieses besondere Gefühl, dieses Highlight-Spiel nahmen die Eichlinghofer entsprechend an. Eine besondere Partie unter besonderen Umständen. Denn an der Seitenlinie steht seit vergangenem Sonntag Sebastian Tyrala.

Ein Bövinghausen-Transfer erster Güte. Mitten in der Saison, aufsehenerregend und aus dem Nichts. Denn der ehemalige BVB-Profi kam von Landesligist Türkspor Dortmund. Doch Tyrala startete suboptimal. 1:4 hieß es bei Mittelfeld-Klub Rot-Weiß Deuten am Sonntag. Aufbauhilfe gegen das Schlusslicht der Bezirksliga 9 wirkte da, wie die richtige Rezeptur.

Nur spielte Eichlinghofen da nicht mit. „Wir haben natürlich viel verteidigt, die hatten viel den Ball, waren aber auch ziemlich ideenlos. Die wurden an sich nicht wirklich gefährlich“, resümierte Eichlinghofens Leo Wöhl.

„Wir hatten wenig Ballbesitz, aber kämpferisch war das eine 1A-Leistung von uns“, sagte Eichlinghofens Torwart Henrik Fibbe. Er ist selbst zu einer Schlüsselfigur dieses Erfolgs geworden. Zwei Mal musste er hinter sich greifen im zweiten Durchgang.

Ansonsten gab es viel Lob, sogar von Bövinghausen-Boss Ajan Dzaferoski: „Wenn der jede Woche so halten würde, so wie gegen uns, dann würde der Bundesliga spielen.“

Fibbe nimmt das gelassen hin. „Die Leistung von mir war ganz okay. Ich habe zwei Mal ganz gut gehalten“, zeigt sich Fibbe bescheiden. Dabei griff er im Elfmeterschießen entscheidend ein, traf selbst vom Punkt für Eichlinghofen.

Eichlinghofen: „Wir sind die Weltmeister-Bezwinger“

Als Bövinghausens Jamals Kropf verschoss, entbrannte ein befreiender Eichlinghofener Jubel. „Wir sind jetzt die Weltmeister-Bezwinger, obwohl es bei uns komplett scheiße läuft“, zelebrierte Eichlinghofens Leo Wöhl. „Wir stehen in der Liga ganz hinten, obwohl wir manchmal gar nicht so Scheiße spielen. Da nutzen wir die Chancen nicht, gegen Bövinghausen haben wir sie genutzt. Das war mal ganz geil.“

Es mündete in einer großen Eichlinghofer Party im eigenen Vereinsheim. Freibier vom Präsidenten inklusive. Mit diesem Sieg hätte selbst Trainer Marc Neul nicht gerechnet, dem sogar beinah eine Träne kam. „Eigentlich ging es nur darum, wie hoch wir verlieren“, sagte Neul am Donnerstagabend.

Bedeutend wäre vor allem, das machten alle Beteiligten in Eichlinghofen deutlich, der Erfolg für die Moral wichtig. Vor allem mit Blick auf die desolate Tabellenlage, die für wenige Stunden am Donnerstagabend keine Rolle spielte.

„Das ist besser als jede Maßnahme, besser als jede Neuverpflichtung“, sagte Neul.

Der Tabellenletzte, mit dem dezimierten Kader und auf dem Papier ohne jegliche Chance gegen den TuS Bövinghausen, hat bewiesen, was möglich sein kann.

Zwar war es kein Sieg nach 90 Minuten, aber ein Erfolg, den so keiner erwartet hätte. „Das pusht enorm, das wird uns auch etwas Selbstvertrauen geben“, sagt Keeper Fibbe.

Was davon zu sehen ist, wird sich am Sonntag zeigen, wenn es zum Duell gegen die Spielvereinigung Blau Gelb Schwerin kommt. Feststeht aber: Der Kreispokalsieger von 2019 ist in Runde vier eingezogen und nennt sich nun selbst den „Weltmeister-Bezwinger“.

Über den Autor
Seit 2017 im Einsatz für Lensing Media. Immer auf der Suche nach Hintergründen, spannenden Themen und Geschichten von Menschen.
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David Nicolas Döring