Jürgen Grondziewski, Fußball-Chef in Dortmund. © Schaper
Amateurfußball

Eine persönliche Widmung zum Ehrentag: Dieser Text ist für Dortmunds Fußball-Boss

Er ist der Fußball-Chef in Dortmund. Hier hat er sich einen Namen gemacht: als Spieler, Funktionär, Vater, Ehemann und Polizist. Dies ist ein persönlicher Text für dich, Jürgen Grondziewski.

69 Jahre Bubi, 61 Jahre im Sport als Spieler und Funktionär, bald 50 Jahre Ehemann, seit 43 Jahren Vater, 42 Jahre Polizist, 23 Jahre in der Politik, 20 Jahre Kreisvorsitzender – Zahlen, die beeindrucken. Zahlen, die für eine Geschichte eines herzlichen, pflichtbewussten, fleißigen, aber immer auch witzigen Menschen stehen. Zahlen, die am Samstag besonders in den Mittelpunkt rücken, denn dann heißt es: 70 Jahre Jürgen Grondziewski.

Ein Geburtstagsgeschenk von vielen Fußballern

Tja, wo fängt eine Würdigung eines Menschen an, den jeder im Dortmunder Fußballer kennt und der unwahrscheinlich viel für den Sport getan hat. Zu Jubiläen erstellen Vereine gerne eine Chronik. Die arbeitet sich dann Jahr für Jahr durch die Historie. Jürgen Grondziewski birgt für solch eine Herangehensweise zu viele spannenden Geschichten. Dann also doch nach alter Journalistensitte ein Text mit den wichtigsten Dingen am Anfang und einem prägnanten Schluss? So geriete aber die Geschichte zu einem schier endlosen Einstieg und äußerst langem Schluss.

Die Lösung: Dieser Text wird ein Geburtstagsgeschenk von vielen Fußballern. In ihrem Sinne schreibe ich dem Geburtstagskind einen Brief mit ein wenig Chronik und vielen Meilensteinen, wobei ich seine eigenen Worte einbaue, um den authentischen Jürgen Grondziewski uns allen bewusst vor Augen zu führen.

Lieber Jürgen,

Geburtstagsbriefe fangen oft mit der Frage an, womit der Brief anfangen sollte. Ich musste bei dir überhaupt nicht lange überlegen, womit ich einsteige. Die Fakten habe ich bereits im Vorspann erwähnt. Also beginne ich mit deiner Qualität, die mir spontaner in den Sinn kommt als all deine anderen Vorzüge: mit deinem Humor! Durch deinen Schalk im Nacken hast du manch angespannte Situation aufgelockert, wenn nicht ohnehin um dich herum schon eine fruchtbar gelassene, aber dennoch immer zielgerichtete Atmosphäre zu spüren war.

Lieber Jürgen, wir sind beide keine Riesen! Du betonst, dass du auch über dich selbst lachen kannst. Das bestätige ich gerne. Es macht dich so sympathisch. Du sagtest mal, auf deine Anfänge im Feldhandball und deinen Wechsel in den Fußball angesprochen, dass Basketball wohl eher nicht die richtige Sportart gewesen wäre. Willkommen im Klub! Und vor fast jedem Spiel deines geliebten Hombrucher SV erklärtest du in trauter Runde, dass der Trainer dich nur nicht aufstellt, weil du für die Jüngeren Platz machen müsstest. Als hätte es die tragische Knieverletzung, die dich früh deine aktive Karriere beenden ließ, nie gegeben.

So bitter dieser Einschnitt für dich war, so war er, das dürfen wir eigennützig sagen, für viele von uns ein Segen. Denn so bekamst du alle Facetten deines Lebens unter einen Hut. Deine Frau Gaby, mit der du bald Goldene Hochzeit feierst, so erzählst du mir, habe mal gefragt, ob die Fußballfamilie nicht öfter erste Geige in deinem Leben gespielt habe. Heute gibst du zu, dass dies manchmal wohl so gewesen sein müsste. Aber der Familie Grondziewski sei versichert, dass er sie heiß und innig liebt. Zu spüren bekommt das neben Gaby und den Töchtern Sandra und Anika, das schieben wir nun ein, sein Enkelkind, die eineinhalb Jahre alte Lotte. Wenn du, lieber Jürgen, von ihr sprichst, bist du von deinem Funktionärsamt ganz weit weg. Deine Augen leuchten, deine Stimme wird ganz sanft.

Jürgen Grondziewski kann auch anders

Wir kennen dich auch anders: Sofort fällt mir eine Situation in der Halle Wellinghofen ein bei dem Turnier, das sich unter deiner Ägide zu einem Rekord-Hallenereignis entwickelt hat. Damals spielte der TuS Körne gegen den TuS Eving-Lindenhorst. Die Teams um die Emotionspakete Axel Schmeing und Denis Boutagrat gerieten aneinander. Du wurdest ungewöhnlich laut. Und dann war sofort Ruhe im Karton. Manchmal musstest du auch deutlich werden, um dich durchzusetzen, erklärtest du mir vor ein paar Tagen, als wir gemeinsam deine 70 Jahre Revue passieren ließen. Der Polizist Grondziewski, der es bis zum stellvertretenden Wachleiter in Hombruch brachte, war im Sport meist der „Good Cop“, manchmal aber holtest du den „Bad Cop“ hervor. Anders geht es im Leben eben manchmal nicht.

Wieder so eine Erinnerung: Nur ein Wesen hatte wohl so gar keine Ahnung, wie du zornig sein konntest. Das Bild, dass nicht du mit deinem Hund, sondern dein Hund mit dir spazieren ging, haben viele von uns noch vor Augen. Du lachtest darüber und warst Clooney nie böse. Du nennst deinen leider schon verstorbenen Hund noch heute deinen besten Freund.

Viele Freunde säumten dein ereignisreiches Leben. Gestatte mir bitte, dass ich den Lesern einige Daten herunterbete. Aber ein Funktionär weiß ja, dass Zahlen für viele Entscheidungen und Entwicklungen wichtig sind. Wir wollen aber hier nicht wie die „Amtlichen“ rüberkommen, in denen du den Vereinen Neuigkeiten übermitteltest und oft auch Ordnungsgelder verhängen musstest. Das machen wir hier launiger.

Und da sind wir schon beim Bubi. Ja, deine vier deutlich älteren Schwestern gaben dir damals, da du vielleicht ein Jahr alt warst, in deinem Geburtsort Hatzfeld diesen Namen. Denn du, der Nachzügler, warst damals für sie das Bübchen, also der Bubi. Und der Bubi bist du auch in Dortmund, wohin du als Vierjähriger zogst, heute noch für fast alle. Als gefühlt verwöhntes Einzelkind seist du aufgewachsen. Deine Familie hätte dir alle Wünsche erfüllt.

Nun muss ich kein Psychologe sein, um zu wissen, dass Menschen, die viel Glück im Leben haben, dieses auch gerne teilen. Du warst nie ein Neider. Nein, du hast es am liebsten harmonisch. Als jemand, der sich bei der Polizei hocharbeitete, hast du manche Menschen beschützt, vor anderen oder auch vor sich selbst.

Dein Beruf, übrigens auch deine Clooney-Episode, stehen aber auch für ein anderes Thema, das dir immer wichtig war: Bewegung! Du bist einer der Gründerväter von Eintracht Hombruch. 1972, du warst gerade etwas über 20, hobt ihr einen Fußballverein aus der Taufe. Du hattest, da du den Wechsel vom Feldhandball in die Halle nicht mitmachen wolltest, Lust auf Fußball. Fußball mit Spaß! Das war wohlgemerkt eine Zeit, in der Trainer die Spieler mit Medizinbällen traktierten oder sie viele Runden um die Plätze jagten.

Da du als Spieler, Schriftführer und später Geschäftsführer, schnell auch junge Leute eure Idee vom Fußball vermitteln wolltest, schuft ihr eine Nachwuchsabteilung, die später zu den besten der Stadt zählen sollte. Jedenfalls fusionierte deine Eintracht mit dem im Seniorenbereich prominenteren FV.

Noch heute erfährst du, wenn du Spiele an der Deutsch-Luxemburger Straße besuchst, dass die Hombrucher Fusion 2002 der starken Eintracht-Jugend und der erfolgreichen FV-Senioren eine beispielhafte Erfolgsgeschichte ist. Aber du hattest auch immer das große Ganze im Auge.

Du gingst als Sachkundiger Bürger in die Politik und hast den Gremien vor knapp 15 Jahren eindrucksvoll nahegelegt, dass wir Kunstrasenplätze benötigen, um Kinder und Jugendliche bei der Stange zu halten. Die soziale Funktion des Sports war dir immer wichtig. Auch dank dir hat fast jeder Verein dieser Stadt heute einen Kunstrasenplatz.

Und Jürgen, da sind wir nun im Jetzt. Beispielhaft ist auch deine Vita. Deine Philosophie, dass Funktionäre Erfahrungen aus der Vereinsarbeit haben sollten, lebst du vor. Denn zu wissen, wie die Leute an der Basis ticken, war dir immer wichtig. Nicht umsonst vertrauen dir die Vereine seit 20 Jahren den höchsten Posten im Fußballkreis an. Und immer wieder betonst du, wie viel Freude dir die Arbeit mit den anderen wertvollen Mitarbeitern bereitet. Du bist trotz deiner natürlichen Autorität auch immer Mannschaftsspieler geblieben.

Ja natürlich darfst du bei aller sportlichen Fairness deinen Hombruchern die Daumen drücken. Aber du sagst auch, dass du als Kreisvorsitzender jeden Sonntag sofort alle Ergebnisse, auch die der Junioren, aufrufst. Du freust dich über jeden Sieg der Mannschaften aus deinem Bereich. Umgekehrt bist du glücklich, dass Sportler aller Vereine deinen Rat schätzen. Diese Anerkennung hast du dir verdient.

Ich weiß, wie sehr es dir daher so weh tut, dass wir aktuell auch in unserer Stadt immer öfter Tumulte haben. Ich weiß aber auch, dass du bis in den Sommer hinein alles dafür tust, um Menschen zu versöhnen. Und ich weiß auch, dass du die richtige Mischung aus Konsequenz und Verständnis findest.

Wir denken heute noch nicht an den Tag im Sommer, an dem du dich nicht mehr zur Wahl als Kreisvorsitzender stellst. Wehmut wäre an diesem für dich schönen runden Geburtstag auch überhaupt nicht angebracht. Im Übrigen versicherst du uns ja schon jetzt, dass du nicht aus der Welt sein wirst.

Deine Welt heute ist deine Familie, für die du bald noch mehr Zeit hast. Dein größter Wunsch zum Geburtstag ist Gesundheit für dich und deine Lieben! Und dann fügst du hinzu: Du möchtest, dass ihr alle noch ganz lange lebt.

Lieber Jürgen, diese Gesundheit und noch ganz viele gesunde und glückliche Jahre wünsche ich dir im Namen aller Menschen, die dich kennen und schätzen, von ganzem Herzen auch.

Dein Alex

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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