Ajan Dzaferoski hat noch einen Top-Spieler verpflichtet. © Stephan Schuetze
Meinung

Es ist Ajan Dzaferoskis Pflicht, Sebastian Tyrala zum TuS Bövinghausen zu holen

Sebastian Tyrala ist nicht mehr Trainer von Türkspor Dortmund. Er wechselt als Coach zum TuS Bövinghausen. Ajan Dzaferoski wählt damit den richtigen Schritt.

Die Nachricht schlug am frühen Mittwochabend im Dortmunder Amateurfußball wie eine Bombe ein – und mal wieder sind die beiden ambitionierten Klubs TuS Bövinghausen und Türkspor Dortmund beteiligt: Sebastian Tyrala ist nicht mehr Trainer von Türkspor Dortmund. Er wechselt zum TuS Bövinghausen – mitten in der Saison. Und auch wenn der Zeitpunkt überrascht: Dzaferoski und auch Tyrala treffen die absolut richtige Entscheidung.

Verfechter der Amateurfußball-Romantik werden bei dieser Nachricht aufschrecken, höchstwahrscheinlich sogar lospoltern: ‚Wie kann ein Trainer seine Mannschaft mitten in der Saison im Stich lassen? Noch dazu im Aufstiegskampf. Das ist doch charakterlos‘ – mögen viele meinen. Ja, Tyrala hat sich dazu entschieden, Türkspor Dortmund mitten im Aufstiegskampf zu verlassen. Ist er deswegen direkt charakterlos? Lässt er den Verein wirklich im Stich? Nicht zwingend.

Nach gesicherten Informationen soll sich Tyrala, der gerade einmal seit Sommer Trainer von Türkspor ist, nicht mehr bei seinem Klub wohlgefühlt haben. Die nötige Rückendeckung soll gefehlt haben. Auch, nachdem sich ein Spieler geweigert hatte, sich einwechseln zu lassen. Definitiv eine schwierige Situation für einen Coach. Man darf nicht vergessen: Tyrala verlässt Türkspor als Tabellenzweiter. Als Trainer einer Mannschaft, die am vergangenen Sonntag noch den ehemaligen Spitzenreiter Spielvereinigung Horsthausen mit 3:0 weggeputzt hat.

Wenn sich der Trainer dazu entschließt, dem Klub den Rücken zu kehren, obwohl er sportlich alle Möglichkeiten hatte, ja sogar sehr erfolgreich gearbeitet hat, dann muss etwas im Argen liegen. Deswegen ist klar: Tyralas Rückzug von Türkspor Dortmund hat Gründe. Dass er nun diesen Zeitpunkt wählt, zeigt umso mehr, wie unwohl sich Tyrala am Ende bei Türkspor gefühlt haben muss.

Nun kommt der TuS Bövinghausen ins Spiel – der neue Klub Tyralas. Dass Ajan Dzaferoski ein Geschäftsmann ist und alles für seinen Verein tut, um möglichst erfolgreich zu sein, ist hinlänglich bekannt. Seit Jahren überrascht der Vorsitzende des TuS Bövinghausen mit spektakulären Neuverpflichtungen, aber auch mit unkonventionellen Entscheidungen wie damals bei der Entlassung von Ex-Coach Dimitrios Kalpakidis nach 15 Siegen aus 15 Meisterschaftsspielen. Dzaferoski hat einen Plan, will mit seinem Klub in die Oberliga und noch weiter nach oben. Getreu dem Motto „Sky is the limit“.

Tyrala scheint ein passendes Puzzlestück in Dzaferoskis Vision zu sein. Sebastian Tyrala hat in seiner Zeit als Aktiver Profierfahrung gesammelt und hat bei Türkspor in seiner kurzen Amtszeit gezeigt, dass er auch im Amateurfußball erfolgreich arbeiten kann. Wenn Dzaferoski mitbekommt, dass ein Sebastian Tyrala auf dem Markt ist, dann muss er zuschlagen

Der TuS Bövinghausen hat große Ziele, große Träume und braucht dafür auch große Expertise. Und die bietet Tyrala. Deswegen ist es Dzaferoskis Pflicht gewesen, mit Tyrala über ein Engagement zu sprechen. Sonst würde der TuS-Boss seinen Job schlecht machen. Es hat geklappt. Beide Seiten sind sich einig geworden und können sich über die Zusammenarbeit freuen. Und das ist völlig legitim und nachvollziehbar.

Neben Türkspor Dortmund gibt es aber einen weiteren Verlierer dieser Entwicklung – und der heißt Sven Thormann. Dem aktuellen TuS-Coach, der seinerzeit den TuS Bövinghausen von der Kreisliga bis in die Landesliga hochgeführt hat und der auch jetzt in der Westfalenliga gute Arbeit geleistet hat, das TuS steht auf Rang eins, wird abermals ein Trainer vor die Nase gesetzt. Einst war es Thorsten Legat, nun ist es Sebastian Tyrala. Kein schönes Gefühl für einen verdienten und loyalen TuS-Mann, der schon einige Erfolge und Aufstiege mit dem Klub gefeiert hat.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Ist bereits seit Kindesbeinen an von Ballsportarten – insbesondere Fußball – fasziniert. Stets neugierig auf der Suche nach Geschichten, auch abseits des Ballsports. Die Liebe zum Journalismus entdeckte er über sein großes Hobby: Fotografie. Gebürtig aus Selm, mittlerweile in Lünen wohnhaft.
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Patrick Schröer