Jan Ramadan (r.) coacht den FC Roj. © Folty
Fußball in Dortmund

Geldbetrug, Stress mit Polizisten, französische Agenten – Dortmunder Trainer im Fadenkreuz

Jan Ramadan, Trainer von Bezirksligist FC Roj, hat vor einigen Jahren seinen Namen geändert. Davor hatte der Amateurfußball-Coach so manches Mal Probleme mit den Behörden.

Jan Ramadan hat nicht nur das Zeug für einen sehr guten Fußballtrainer. Sein Name liefert Stoff für einen Agententhriller. Vielmehr es ist sein Vorname. Denn wo Jan draufsteht, ist zwar auch Jan drin, aber nicht von Beginn an. Der 41 Jahre alte Coach des FC Roj erlebte kuriose Dinge auf Reisen, da er eben lange einen anderen Namen trug. Und das ging ihm irgendwann zu weit. Nach einem Sondereinsatz der französischen Polizei hatte er genug. Und er wurde Jan.

Ganz vor Verwechslungen schützte ihn das auch nicht, seit 2006 aber hat er Ruhe. Zur Beruhigung: Alles hat seine Ordnung. Der Jan Ramadan, den Fußball-Dortmund kennt, ist sauber und auch ein humorvoller Mensch, der seine Geschichte mit einem Lächeln im Gesicht erzählt.

So trug es sich zu, dass der 25 Jahre alte Abdalla Ramadan, ein in Deutschland lebender Kurde aus Syrien, 2004 von Düsseldorf über den Pariser Flughafen Charles de Gaulle nach Dubai unterwegs war. Entspannt saß er in Frankreich mit seiner Ex-Frau im Bus, der die Reisenden zum Flugzeug bringen sollte. Abdallah war ganz fasziniert vom Großflughafen und filmte mit seiner Kamera natürlich seine Gattin, die Flugzeuge durch das Fenster und ganz einfach den Weg zum Flieger.

Englisch-Kenntnisse halfen Jan Ramadan weiter

Plötzlich sah er durch die Linse, wie sich zwei Kleinbusse dem Bus näherten. Frau Ramadan witzelte noch: „Abdalla, jetzt packen sie dich, weil du alles filmst.“ Aus dem lächelnden Herrn Ramadan, wurde ein verblüffter, als die in den Bus gestiegenen Agenten plötzlich sagten: „Alle verlassen den Bus, nur Herr Ramadan bleibt.“ Auch seine Frau war entsetzt, da sie mit den in den Bus gekommenen Beamten natürlich keine gemeinsame Sache gemacht hatte.

Dass es sich hier um keinen Gag für einen Sendung wie die „Versteckte Kamera“ handeln sollte, erfuhr der ahnungslose Abdalla Ramadan im Flughafen. Vier Stunden wartete er, eher er wenigstens erahnte, was da gerade geschieht. Sein gutes Englisch half ihm dann, zu verstehen, warum er im Transitbereich von Charles de Gaulle festsaß. „Wir suchen einen Abdalla Ramadan, der in Ägypten Menschen um vier Millionen Dirham betrogen hat.“

Bevor der spätere Roj-Coach die Geschichte endgültig aufklärte, war er zunächst erleichtert. Er war also nicht ein gesuchter Geheimagent, der unerlaubt fremde Flughäfen filmt, sondern die Behörden suchten einen Mann, der seinen Namen trug. Als der spätere Jan dann die Fahnder auf das Alter des Gesuchten, dieser war 52, hinwies, klärte sich alles auf. Die Ermittler sahen jetzt auch, dass hier kein Krimineller saß.

Aus Abdalla wird im Jahr 2005 Jan

Der Flieger stand noch auf dem Rollfeld. Der harmlose Abdalla Ramadan durfte mit seiner Frau einsteigen. Dieser aber hatte sich, um nicht vor den Mitreisenden als Verbrecher dazustehen, einen Schrieb von den Fahndern besorgt. Der Pilot verkündete ebenfalls, dass es sich um ein Missverständnis handelte und Herr Ramadan nichts für die Verspätung könne. Irgendwann, als die Ramadans in der Luft waren, sprachen ihn die Flugbereiter erneut an. Diesmal aber freute er sich: „Die Behörden möchten Ihnen ein Geschenk machen.“

Endlich in Dubai angekommen, beschloss Abdalla Ramadan, dass es auch andere schöne Vornamen gibt. Denn er erinnerte sich jetzt auch an einen Vorfall zuvor am Bremer Flughafen, wo die Grenzbeamten ihn fast zehn Minuten arglos warten ließen, ehe er einsteigen durfte. Hier hatte sich das Missverständnis nur schneller aufgeklärt. Jan bedeutet auf Kurdisch „Seele“. Ramadan sah sich, wie ihm viele Freunde gerne bestätigen, auch als Seele von Mensch und bestimmt nicht als Kriminellen. Der ostwestfälische Standesbeamte gab all seine Zweifel an einer Namensänderung auf, als er die Geschichte hörte. Und Abdalla war 2005 dann Jan.

Noch einmal holte ihn die Vergangenheit ein. 2006 in einer allgemeinen Verkehrskontrolle verglichen die Beamten Personalausweis und Führerschein. In einem war er noch Jan, im anderen Abdalla. Hier ging es jetzt ganz schnell. Jetzt sind alle Papiere geklärt. Es gibt auch kaum noch einen Bekannten, der ihn mit seinem alten Namen anredet. Für alle ist, wo Jan draufsteht, auch Jan drin und kein „00 Ramadan“. Was bleibt, ist die etwas ungewöhnliche Geschichte eines interessanten, witzigen Mannes, der als Trainer wegen seiner hervorstechenden Fachkenntnis und äußerlich wegen seiner ganz hellgrauen Haare auffällt. „Die sind übrigens echt“, versichert er.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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