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Meinung

Hey Amateurfußballer, schützt bitte die Schiedsrichter vor den Idioten

Die Spielzeit ist erst wenige Wochen alt. Die Verbal-Attacken auf die Unparteiischen nehmen im Amateur-Bereich schon jetzt zu. Unser Autor findet das erbärmlich von den Spielern.

Zehn Monate hatten Amateurfußballer Zeit. Viel Zeit mit wenig alternativen Unternehmungs-Möglichkeiten wegen der Coronavirus-Pandemie.

Eigentlich könnte man meinen, genügend Zeit, sich selbst zu reflektieren. Genauso wie die eigenen Leistungen auf den Fußballplätzen der Region.

Genutzt haben das viele nicht. Der Ton ist rau auf den Fußballplätzen, vor allem in den Bereichen, wo das spielerische Niveau immer niedriger wird.

Da wird dann auch schon mal davon gesprochen, der Schiedsrichter habe das Spiel kaputtgemacht mit zu vielen Schiedsrichterbällen, die zum Gegner gegangen wären. Dass der Offizielle aus Angst um seine Sicherheit das Spiel abgebrochen hat und die Gegner diese Version bestätigen – geschenkt.

Selbst im Jugendbereich gehen diese skandalösen Pöbeleien los. Ein A-Jugendlicher beleidigt den Unparteiischen, wird des Platzes verwiesen und spuckt dem Schiedsrichter anschließend ins Gesicht.

Ganz schlimm die Situation außerhalb des Ruhrpotts in Rheinland-Pfalz. Dort musste im Landkreis Rhein-Lahn zuletzt ein Schiedsrichter aus seiner Kabine von der Polizei zum Auto gebracht werden, um von der wütenden Meute von Spielern geschützt zu werden.

Ganz klar: Kein Schiedsrichter pfeift perfekt, es wird immer wieder Fehler geben. Von der Kreisliga bis in die Bundesliga. Es gibt auch Schiedsrichter, die solche sogar zugeben, wie zuletzt in der Bezirksliga geschehen.

Kritik ist angebracht, wenn diese konstruktiv rübergebracht wird. Diese Pöbeleien, Beleidigungen und Attacken auf die Offiziellen sind einfach nur erbärmlich. Vor allem von denjenigen, die keine Luft für 90 Minuten haben, keine zwei Pässe ohne Fehler Spieler können und dann einen Schiedsrichter auf Bundesliga-Niveau erwarten. Da würde es dem ein oder anderen Übungsleiter auch mal guttun, lieber die eigene Mannschaft zu kritisieren statt den Schiedsrichtern.

Es muss bewusst werden: Die Unparteiischen stellen sich Wochenende für Wochenende auf den Platz, pfeifen teils mehr als ein Spiel und das für einen relativ bescheidenen Lohn. Der Dank: Beleidigungen unter der Gürtellinie, teils verbale, teils körperliche Attacken, wie im vergangenen Jahr beim Duell zwischen dem VfB Lünen und Osmanlispor Dortmund. Vor wenigen Tagen ist ein Düsseldorfer Kreisliga-Fußballer vom Gericht verurteilt worden wegen zwei Faustschlägen gegen einen Referee.

Liebe Fußballer, der Großteil von Euch weiß sich zu benehmen auf den Plätzen, aber seht zu, dass ihr die Offiziellen schützt vor diesen erbärmlichen Attacken der wenigen Idioten.

Über den Autor
Seit 2017 im Einsatz für Lensing Media. Immer auf der Suche nach Hintergründen, spannenden Themen und Geschichten von Menschen.
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David Nicolas Döring