Bövinghausen-Boss Ajan Dzaferoski hat einen neuen Trainer installiert. © Stephan Schuetze
Fußball

Kritik an Dzaferoski: Wir kommen zu denen und dann geben die uns die Hälfte

Abkassieren bei Auswärts-Testspielen – klingt verrückt, hat der TuS Bövinghausen aber demnächst vor. Aus der Großkreutz-Investition soll Kasse gemacht werden. Für Begeisterung sorgt das nicht.

Die Verpflichtung von Kevin Großkreutz hat für nationales Aufsehen gesorgt. Der Coup des TuS Bövinghausen bringt dem Klub Aufmerksamkeit und öffnet dem Klub neue Perspektiven. Merchandise soll her, eine professionell aussehende Website und – das gab Klub-Boss Ajan Dzaeroski vergangene Woche bekannt – auch bei Testspielen möchte der Klub mehr Geld einnehmen.

Tritt der Klub auswärts auf, sei mit mehr Zuschauern zu rechnen, so Dzaferoski. Bövinghausen tritt in den Freundschaftsspielen an, wenn die Einnahmen geteilt werden.

West-Teams sehen keinen Reiz

Auf mehreren sozialen Medien echauffierten sich viele über diesen Schritt des Bövinghausen-Boss. „Unfassbar“, dachte sich Jan Sauer, Sportlicher Leiter des B-Ligisten SV Westrich und direkter Nachbar des TuS Bövinghausen. „Das ist Größenwahn pur, was da abläuft“, war seine erste Reaktion, als er die Nachricht las. Doch Sauer mag Dzaferoski und findet es gut, dass ein Klub aus dem Dortmunder Westen mal wieder Erfolg hat. Als realistisch sieht er diesen Schritt aber nicht an: „Ich finde es schon merkwürdig. Für uns macht das gar keinen Sinn, auch wenn Kevin Großkreutz dabei ist.“

Dem schließt sich ein weiteres West-Team an. „Ich spiele ja nicht gegen Bövinghausen, weil da Person X spielt. Wir machen Testspiele, um einen attraktiven Gegner zu haben“, sagt RW Germanias Spielertrainer Alexander Schwarz.

Auch Olaf Schäfer, Vorsitzender des SV Brackel 06, hält da nichts von: „Erstens nehmen wir für Freundschaftsspiele keinen Eintritt. Wir sind im Amateurbereich und nicht bei den Profis.“

Dem schließt sich auch Thomas Richarz vom Hombrucher SV an und sieht noch größere Gefahren. „Wir sind alles Amateurvereine, da hat so eine kommerzielle Sache nichts zu suchen“, sagt er. „Wenn er so was machen möchte, soll er in den Profi-Bereich gehen.“

Jörg Mielers, Sportlicher Leiter des Kirchhörder SC, hatte sich über das Vorgehen stark gewundert: „Ajan ist ja wirklich ein netter Kerl, aber die Aussage hat mich erschreckt. Ich tue mich schwer mit dem, was er vorhat, kann mir nicht vorstellen, dass so viele Zuschauer mehr kommen zu uns, weil Kevin Großkreutz in Bövinghausen spielt.“

Mielers bringt ein Beispiel ein: Der KSC hatte mit Lothar Huber ja selbst einen bekannten ehemaligen BVB-Profi an der Seitenlinie, der sogar 330 Spiele für Borussia Dortmund absolvierte. „Wir wären nie auf die Idee gekommen Geld zu verlangen“, sagt Mielers.

Habibovic macht Bövinghausen einen Vorschlag

Dzaferoski selbst hat am Sonntag auch etwas beschwichtigt. „Die verdienen damit dann doch auch Geld. Die sollen zu uns kommen, dann brauchen sie nichts zu zahlen“, sagt der Bövinghausen-Chef. „Es werden nur drei oder vier Spiele sein. Mit dem West-Cup und dem Hecker-Cup stehen in der Vorbereitung wichtige Turniere an, wo du teilnehmen musst. Da kannst du gar nicht so viele Testspiele absolvieren“, sagt er.

Derweil hat Samir Habibovic, Sportlicher Leiter vom Oberligisten ASC 09, einen anderen Vorschlag: „Ich würde die gar nicht einladen, wenn sie 50 Prozent der Eintrittsgelder haben wollen. Ich habe meine eigenen Zuschauer und das sind genug. Wir kommen aber gerne nach Bövinghausen und teilen dann die Eintrittsgelder.“

Ob Dzaeroski das Angebot annehmen wird? Ungewiss.

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David Nicolas Döring
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T. Schulzke