Ein Offensiv-Mann von Mengede 08/20 hat sich verletzt. © Stephan Schütze
Fußball-Bezirksliga

Mengedes Pechvogel verletzt sich schon wieder, er macht sich Gedanken über ein Karriereende

Eine zweistellige Anzahl an Muskelfaserrissen, ein Kreuzbandriss und jetzt erneut eine Verletzung. Das lässt einen von Mengedes trickreichen Offensiv-Spielern grübeln.

„Der Begriff Seuchenvogel trifft es ganz gut“, entgegnet der Angreifer des Bezirksligisten Mengede 08/20 auf die Frage, ob diese Bezeichnung passt.

Der zuerst Winston Churchill zugeschriebene Spruch „die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen als hinzufallen“, prallt an Knafla ab. Montag war wieder einer dieser Tage, an denen Florian Knafla (27) ins Grübeln kam.

„Ehrlich gesagt, war ich nur traurig“

Er denkt an die 35. Minute im Spiel seines gut aufgelegten Teams gegen Union Lüdinghausen. Es stand 2:0, „dann habe ich mir links einen reingezogen“. Knafla spürte den Muskel. Er versuchte es noch einmal, dann ging es nicht mehr weiter. Dass seine Mannschaft 6:1 gewann, interessierte den sonst begeisterten Teamplayer nicht mehr so richtig. „Ehrlich gesagt, war ich nur traurig.“

Florian Knafla hat sich verletzt. © Schuetze © Schuetze

Und dieser Schwermut begleitete ihn auch durch den Wochenanfang. Gut für seine Freunde und Familie, dass er nachschob: „Ich versinke schon nicht und denke bald auch wieder positiv. Ich bin eigentlich kein trauriger Mensch, aber meine Zahl an Muskelfaserrissen liegt jetzt im zweistelligen Bereich. Normalerweise trifft es mich rechts, jetzt auch mal links, auf der Seite, auf der ich auch schon einmal einen Kreuzbandriss hatte. Und keiner weiß, woran es liegt.“ Knafla konsultierte in seiner ambitioniert gestarteten Fußballer-Laufbahn mehrere Ärzte und Physiotherapeuten. Ein Erklärungsversuch ist, dass eins seiner Beine etwas kürzer als das andere ist. „Mit intensiven Übungen versuche ich, den Unterschied folgenlos bleiben zu lassen. Das könnte sich ja sonst auch auf andere Bereiche auswirken.“

Momentan ist Knafla ratlos. Wenn ihn der Beruf nicht 2017 aus Ostwestfalen nach Dortmund und zu Mengede 08/20 in die Westfalenliga verschlagen hätte, müsste sich der Offensivspieler wohl spätestens jetzt Gedanken machen, wie er sich sein Leben mit oder ohne Fußball vorstellt.

Knafla kickte als Junior für Arminia Bielefeld und den SC Paderborn, dann für die SCP-U19. Das Glück, was die Beine betrifft, hielt auf seinem weiteren Lebensweg nie sehr lange. Und das bringt ihn in die Gegenwart: „Ich liebe den Fußball. Das ändert sich bestimmt nie. Dafür habe ich auch so viel getan. Ich halte mich fit, achte auf die Ernährung und habe mir den Spaß dabei immer bewahrt.“ Nur müsse er jetzt überlegen, ob er seinem Kopf und seinem Körper weitere Rückschläge zumuten will. „Momentan geht mir einiges durch den Kopf. Spiele ich weiter? Werde ich Trainer? Keine Ahnung!“

Dieses Jahr mit den Folgen von Corona – sein Team musste sogar vor einem Jahr in Quarantäne – und wieder einem Muskelfaserriss in der Vorbereitung könnte für den Mengeder versöhnlich enden, wenn er oder Ärzte Antworten auf Knaflas Fragen finden. Dann wäre klar, dass sein Gedankenpendel klar in Richtung Fortsetzung der Karriere ausschlägt.

„Ich möchte nicht ständig meine Zeit für Rehas verbrauchen“

Aber der junge Mann denkt ganz vernünftig auch an die Zukunft abseits des Platzes: „Ich möchte nicht ständig meine Zeit für Rehas verbrauchen. Ich habe eine Freundin und arbeite selbstständig im Finanzdienstleistungssektor. Mein Privat- und Berufsleben darf da ja auch nicht immer drunter leiden.“

Aber er bekräftigt noch einmal: Sorgen, dass der nachdenkliche Mengeder in ein tiefes Loch fällt, müsse sich aber keiner machen. „Nochmal: Ich bin ein positiver Mensch, der Freude am Leben hat. Das kommt schon wieder.“ Und einen kleinen Trost gibt es ja auch, sollte es mal nicht weitergehen. Einige prominente Fußballer mussten früh ihre Karriere beenden und fanden dann als Trainer oder als Manager ihr Glück. Mit Geld umgehen kann Florian Knafla ja schon von Berufs wegen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle