Bereits mehrfach trug Mohamed Lmcademali (l.) in der Vergangenheit, wie hier 2017, das Trikot von Westfalia Wickede. © Stephan Schuetze
Fußball-Kreisliga

Neuer Klub in Hörde entstanden – Drei Nachnamen machen 13 Spieler des Kaders aus

Das gibt es selten, dass drei Nachnahmen 13 Spieler eines Kaders ausmachen. Bei einer Hörder Mannschaft ist das ganz normal.

Welcher Verein möchte nicht einer für die ganze Familie sein? Eine Neugründung aus Hörde scheint genau das auf den ersten Blick zu bieten. Da spielen sechs Boulakhrifs, vier Belamkadems, drei Lmcademalis und zwei El Bouazzatis in einer Mannschaft. Klingt nach Familienidyll. Soll es aber gar nicht sein. Wie bitte?

Der Architekt des neuen Klubs stellt klar: „Ein Verein nur für bestimmte Familien nein, familiär aber unbedingt ja.“ Klingt schwierig. Wer beruflich als Neurologe viele Nervenbahnen zu entwirren und heilen versteht, schafft auch Ordnung in das Hörder Familiäre ohne große Familie.

Hassan Belamkadem (38) möchte den Fußball als Ausgleich nicht missen. Und seit 20 Jahren geistert dem Nervenarzt eine Idee im Kopf herum: ein Verein für alle Hörder! Und so entstand 2020 endlich Phönix Hörde. An dem Ort, wo sich Belamkadems Hörder Freunde oft zum Fußball, Basketball oder anderen Spielen trafen, am Phönix-Gymnasium.

Ich bin Hörder durch und durch, geboren im Josefshospital, und eben auch Hörder Sportler durch und durch. Ich hatte damals für Westfalia, meinen immer noch Herzensverein Hörder SC, VfL und am Schallacker von SuS für die SG Hörde gekickt. Ich kenne sie alle.“ Und Belamkadem legt großen Wert darauf, dass er persönlich und auch seine Mitstreiter zu allen Klubs ein gutes Verhältnis hat. „Besonders zu SuS, wo wir ja auf Asche kicken.

Bevor es dazu kam, dass Phönix jetzt in der Kreisliga C mit den bekannten Namen wie Belamkadem oder dem des Dortmunder Fußballpromis Mohamed Lmcademali kickt, war aber eine Erkenntnis, die den Hörder Fußball generell betrifft. Denn es gibt da etwas, was alle haben, Phönix aber nicht: „Wir haben wirklich gute Vereine. Aber es war schon immer so, dass die Leute aus dem Süden zum HSC gingen, die vom Clarenberg zum VfL oder früher zur Westfalia, die aus dem Zentrum oder vom Remberg zu SuS. Oder du kamst einfach aus einer VfL-, HSC- oder SuS-Familie. Uns aber, die vom Ursprung her zu einem Verein gehört hätten, schwebte vor, gemeinsam als Hörder Jungs etwas zu machen.“

Und da sei es eher Zufall, dass er Deutsch-Marokkaner sei und aus seinem Fußballer-Umfeld Menschen marokkanischem Ursprungs kommen. Nicht oder nur etwas Zufall, aber in der Struktur der Nachnamen des Herkunftslandes begründet, kommt die Häufung der Namen: „Wie in Deutschland die Meyers oder Müllers haben wir einfach viele Lmcademalis oder Boulakhrifs. In unserem Falle heißt das, dass wir nicht alles Brüder sind.“

Um es kurz aufzudröseln: Ja, drei der vier Belamkadems sind es doch: Hassan, Hilal und Hamit. Auch die drei Lmcademalis: Mohamed, Raschid und Soufian. Faissal, Mounir, Soufian, Souhail, Foad und Yassine Boulakhrif sind aber zum Teil nicht mal verwandt. „Vielleicht sind da auch entfernte Cousins zwischen“, mutmaßt Hassan Belamkadem mehr, als dass er es weiß. Und auch gar nicht wissen müsse. Denn wie gesagt: „Um Familienzugehörigkeit geht es uns gar nicht. Natürlich haben wir gerne in Kauf, wenn die beiden Lmcademalis Mo zu uns lotsen. Aber der Name ist ansonsten nicht wichtig. Wenn Mo sich auf uns nicht einlassen würde, wäre er auch in der Westfalenliga geblieben.“ Natürlich kennen auch viele El Bouazzatis. „Ob Mohamed und Yassine Brüder sind, weiß ich gar nicht.“

Dass sie nur so heißen, heiße dann eben auch: „Wir sind kein geschlossener Verein für bestimmte Familien. Bei uns sind alle überzeugten Hörder willkommen. Wir haben Marokkaner, Türken, Mazedonier, Deutsche, verbunden durch das Herz für unseren Vorort.“

Vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn sie auch ein Herz für Offensivfußball haben. „Neben unserem Topmann Mo, ein Super-Junge, auf den wir auch stolz sind, haben wir zum Beispiel Faissal El-Hammouchi oder Karim Lazam, die alle gerne nach vorne kicken.“ Damit sind die Torschützen des 4:0 zum Auftakt gegen den FC Dortmund 18 genannt. Beim 7:2-Erfolg gegen den FC Merkur 07 III tauchten dann neben Boulahkrif, Lmcademali und Belamkadem auch der Nachname El-Hammouchi in der Torschützenliste auf

Aber Coach Belamkadem denkt auch an die Null hinten: „Neben all dem Spaß sind wir Fußballer genug, um gute Ergebnisse zu wollen. Und mit unseren Leuten wollen wir auch aus der niedrigsten Liga raus.“ Ohne Herausforderung gehen sie nicht auf ihren Schallacker. Zumal es einer der ganz wenigen verbliebenen Ascheplätze der Stadt ist. „Ich persönlich spiele sogar gerne auf Asche. Das erinnert mich an früher. Die Jungs stört es auch nicht. Einziger Nachteil: Damit lockst du nur keine Kinder mehr an.“

Aber gut Ding will Weile haben: „Wir waren anfangs sieben, acht Leute beim Training. Jetzt zählen schon 50 Interessierte zum erweiterten Kreis. Und wenn sich das ergibt, wachsen wir langsam.“

Aber der Kern, versichert er, bleiben – wie im Vereinsnamen steht-, die Jungs vom Phönix in Hörde. Auf einen schicken Kunstrasen im Hoeschpark oder Fredenbaum, wie fast alle neue Vereine das von der Stadt angeboten bekommen, wollten die Hörder gar nicht. „Wir bleiben hier. Wenn jemand hofft, mit uns auf Kunstrasen spielen zu dürfen, muss er warten, bis die Stadt unseren Platz mal macht.“ Die echten Hörder Jungs aber interessiert das nicht. Vielleicht stehen dann wenigstens dafür ihre Namen Boulakhrif, Belamkadem, El-Bouazzati oder Lmcademali, wenn sie schon nicht für exklusive Familien im familiären Hörde stehen sollen.