Ein Fußgänger wurde in Neuss auf der Autobahn von einem Streifenwagen der Polizei erfasst und getötet. © picture alliance / dpa
Fußball-Bezirksliga

Rudelbildung in der Bezirksliga 8: Polizei rückt an – Trainer erhebt Vorwürfe

Das Bezirksliga-Spiel zwischen dem Geisecker SV und TuS Hannibal endete mit Rudelbildungen und wilden Pöbeleien. Hamza Berro erhebt Vorwürfe gegen den Gastgeber, der das komplett anders sieht.

Mit 4:4 sorgte das Bezirksliga-Spiel zwischen dem Geisecker SV und dem TuS Hannibal auf dem Platz für Spektakel. Richtig unschön wurde es in den Schlusssekunden. Beide Parteien haben die Szenen anders wahrgenommen.

Den frühen 1:0-Treffer durch Lukas Schäfer (1.) drehte Hannibal binnen einer Stunde zu einem 3:1. Doch dabei blieb es nicht. Patrick Pietrzinski erzielte den Anschluss, Samet Kaya stellte den alten Abstand wieder her (75.).

In den letzten zehn Minuten leiteten die beiden Tore von Luis Pothmann zum 3:4 (81.) und 4:4 (90.+4) die Eskalation ein. Hannibal – im Spiel mit den klar besseren Chancen – forderte noch nach dem Ausgleich einen Elfmeter, doch der Pfiff blieb aus.

Trainer haben unterschiedliche Ansichten

Kurz darauf gab es einen harten Zweikampf genau zwischen den beiden Trainerbänken, der die ohnehin schon erhitzten Gemüter zum Überkochen brachte. Genau hier trennen sich auch die Wahrnehmungen von TuS-Trainer Hamza Berro und seinem Geisecker Gegenüber, Thomas Wotzlawski.

Die beiden in den Zweikampf verwickelten Spieler hätten Kopf an Kopf gestanden. Dann sei ein Geisecker Zuschauer auf das Spielfeld gerannt und habe den Hannibal-Akteur geschubst. So schildert es zumindest Berro.

Wotzlawski bezeichnet diese Aussage als „absoluten Käse“. Nach der Situation zwischen den Trainerbänken sei ein GSV-Auswechselspieler auf das Spielfeld getreten und habe Stirn an Stirn mit dem Dortmunder gestanden, so der Trainer. „Was ist los mit dir?“, habe sein Spieler in Richtung des TuS-Akteurs gerufen, sagt Wotzlawski.

Dann ging es am Buschkampweg in Schwerte ab. Jagdszenen, Pöbeleien, Schubsereien – die Verantwortlichen vor Ort finden jeweils unterschiedliche Bezeichnungen für das Geschehen.

Dutzende Personen waren verwickelt, kaum ein Anwesender versuchte noch, beruhigend auf das Geschehen einzuwirken. Rund 50 Leute befanden sich nun auf dem Spielfeld und wirkten in der Auseinandersetzung mit. Schiedsrichter Yannick Bloch beendete die Partie daraufhin regulär.

Hamza Berro: Es ging an der Tribüne weiter

Sogar im Umfeld der Tribünen sei es noch weitergegangen, so Berro. Einige Hannibal-Spieler seien schon in der Kabine gewesen, die Situation habe sich allmählich abgekühlt gehabt.

Der Trainer berichtet, von einigen Zuschauern in Geisecke-Trainingsanzügen mit hämischen Applaus belegt worden zu sein. Das sei unverschämt, so Berro. „Dann heißt es wieder: Die Idioten schlagen und hauen drauf.“ Er sei daraufhin lauter geworden, hier sei es aber bei Pöbeleien geblieben. Die Polizei rückte sogar noch mit Blaulicht an, wurde berichtet. Da hatte sich das Geschehen aber endgültig beruhigt.

Einig waren sich Wotzlawski und Berro darin, dass die Partie emotional, aber fair geführt worden sei. Doch da endet der Konsens der beiden am Sonntag. Denn was Berro darüber hinaus schilderte, teilte sein Gegenüber überhaupt nicht.

„Ich muss ganz klar sagen: Geisecke muss die Schuld zum größten Teil auf sich nehmen“, sagt Berro. Der Grund: Die Gastgeber hätten keine Ordner gestellt, die auf die von Anfang an hämisch kommentierenden GSV-Zuschauer eingewirkt hätten.

Für Hamsa Berro und den TuS Hannibal gibt es zwei neue Spieler. © Dortmunder Sportfotografie / Schulze © Dortmunder Sportfotografie / Schulze

Irgendwann sei daraufhin auch der TuS-Anhang darauf eingestiegen, so Berro. 30 bis 40 Zuschauer habe dieser umfasst. Wotzlawski wollte das nicht beurteilen: „Meine Gedanken richten sich nur auf das Spielfeld.“

Hamza Berro: Ordner müsse Hausverbot erteilen

„Aus den Emotionen heraus kann viel passieren“, so Berro. Er könne nichts für das Verhalten der Hannibal-Zuschauer. „Dann muss ein Ordner denen Hausverbot erteilen“, so der TuS-Trainer. „Ganz klar muss Geisecke sich ankreiden lassen, dass sie da keine Ordner hinstellen“, sagt Berro.

Wotzlawski reagiert mit großer Verwunderung auf diese Aussage. Schon in der Halbzeitpause hätte er mit Berro, den er lange kenne, und dem Schiedsrichter zusammengestanden. Auch die beiden GSV-Vorsitzenden Michael Faltin und Thorsten Rauball hätten sich in Hörweite aufgehalten.

War mit der Chancenverwertung beim 1:2 gegen Kirchderne nicht zufrieden: Geiseckes Trainer Wotzlawski
War mit der Chancenverwertung beim 1:2 gegen Kirchderne nicht zufrieden: Geiseckes Trainer Wotzlawski (l.). © Manuela Schwerte © Manuela Schwerte

Die Frage, die der Unparteiische den beiden Trainern stellte: Braucht es für die zweite Halbzeit einen Ordnungsdienst? Sowohl er selbst als auch Berro hätten diese Frage sofort verneint. Beide Trainer widersprechen sich mit ihren Aussagen also.

Thomas Wotzlawski: „Hat Hannibal nicht nötig“

Wotzlawski betont: „Das aggressive Verhalten ging nur von den Gästen aus. Eine Mannschaft wie Hannibal hat das überhaupt nicht nötig.“ Schließlich rangiere der TuS nicht umsonst auf Rang drei.

„Fakt ist: Wenn irgendwo Stress am Platz ist, gehören immer zwei dazu. Gewalt hat auf einem Fußballplatz nichts zu suchen“, sagt Wotzlawski. Er fügt hinzu: „Spieler des Geisecker SV sind dafür bekannt, dass sie niemals Gewalt ausüben würden.“

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Amateursportler bewegen vielleicht weniger Menschen als die Profis, dafür aber umso intensiver. Sie schreiben die besseren Geschichten - vor allem im Ruhrgebiet. Diese zu erkennen und aufzuschreiben, darum arbeite ich seit 2017 für Lensing Media. Darüber hinaus Handballtrainer im Jugendbereich. Gebürtig aus Lünen.
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Timo Janisch
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