Mark Elbracht ist für „amateurscout.de“ verantwortlich. Die ersten Erfolge gibt es bereits. © Stephan Schuetze
Fußball

Scouting-Plattform für Amateure ist auf dem Markt – über neun Klubs gibt es einen Bericht

Anfang 2020 sollte eine Internetseite zum Scouten von Fußballspielen im Amateurbereich an den Start gehen. Die Corona-Pandemie verhinderte das. Nun ist die Seite online. Der Gründer erklärt, wie sie funktioniert und warum sie entstanden ist.

Viele Unternehmen wurden während der Corona-Pandemie stark belastet. Viele mussten zum Teil große Einschnitte finanzieller wie personeller Natur hinnehmen.

Andere konnten gar nicht erst auf den Markt gehen. So auch die vom Dortmunder Mark Elbracht ins Leben gerufene Scouting-Kampagne amateurscout.de . Jetzt ist die Seite erschienen – die ersten Spiele können bereits gekauft werden.

amateurscout-Gründer Elbracht: „Wir hätten ein paar Dinge anders machen können

„Ein gutes Jahr, ein bisschen länger sogar“, antwortet Mark Elbracht auf die Frage, wie lange es her ist, dass seine Internetseite eigentlich erscheinen sollte. Kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie war sollte amateurscout.de auf den Markt kommen, besser gesagt ins Netz. Das war der Plan von Gründer Elbracht, seinem Bruder Sven und deren Partnern Matthias Schwesig und Ingo Kuhl. Das Virus machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Nun folgte der „Launch“ also im Oktober 2021. Über ein Jahr Verzögerung. Die Idee zum Scoutingnetzwerk für Amateursportler gibt es mittlerweile sogar schon drei Jahre. „Wir hätten ein paar Dinge anders machen können“, sagt Elbracht mit Blick auf die Zeit zwischen planmäßiger und endgültiger Veröffentlichung.

Man habe unter anderem alles aus eigenen Mitteln finanziert, Elbracht vermutet, „eine Fremdfinanzierung hätte es beschleunigt“. Die Erleichterung und Freude über die jetzige Erscheinung sind dennoch groß. „Das ist im Grunde ein Moment, der für sich steht. Da hat man drauf hingearbeitet“, erklärt Mark Elbracht, ohne diesen Moment zu hoch hängen zu wollen. Sogar der kicker hatte vor einigen Wochen über den „Neuzugang“ im Netz berichtet und auf die Seite aufmerksam gemacht. Noch befindet man sich aber im Wachstum.

Kein Wunder – die Seite ist gerade Mal etwa zwei Wochen auf dem Markt. „Wir haben noch nicht genügend Scouts, aber wir werden die Werbetrommel weiter rühren“, stellt Elbracht klar. Die Werbetrommel für eine Internetseite, die „keine einzelnen Spielerbewertungen“ vorgibt.

amateurscout.de übernimmt die Gegneranalyse

„Es geht um Gegneranalyse“, erklärt Elbracht. Grundsätzlich kann sich ein Scout auf der amateurscout-Website registrieren und seine Dienste anbieten. Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder kann ein Verein ein Spiel eines kommenden Gegners einstellen und damit um eine Gegneranalyse bitten. Der Scout kann sich dann dieses Spiel „nehmen“ und den jeweiligen Verein analysieren. Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass ein Scout zu einem Spiel seiner Wahl fährt und anschließend mit Hilfe eines Tools der Seite eine Spielanalyse erstellt. Diese wird dann für einen bestimmten Preis ins Netz gestellt und die Vereine können sich die Analyse kaufen.

Aktuell stehen zehn Spiele aus der Westfalenliga 2 zur Verfügung. Aber auch für alle anderen Ligen bis hin zur Kreisliga C soll es in Zukunft Analysen geben. Den Preis für diese bestimmt allein der Scout – die Untergrenze liegt bei 9,99 €. Darüber hinaus kann der Scout für seine Arbeit bewertet werden, sich aber auch selbst mit einer Vita präsentieren. Dort werden beispielsweise die analysierten Spiele und auch die Bewertungen des Scouts eingestellt.

Scouting-Berichte gibt es bereits über folgende Vereine: FC Brünninghausen, BSV Schüren, SC Neheim, SV Wacker Obercastrop, DSC Wanne-Eickel, SV Hohenlimburg, Borussia Dröschede und SV Rödinghausen II.

Mark Elbracht war lange Spieler und Trainer im Amateurfußball. „Schon da habe ich mir gerne die Gegner angeguckt und sie analysiert“, berichtet er. Das eigene Hobby, das Scouten und Analysieren, war es, das zur Idee der Kampagne führte. „Irgendwann hatte ich beruflich bedingt keine Zeit mehr, unter der Woche zu trainieren“, erzählt Elbracht.

Der Sonntag blieb aber weiterhin frei. Und da dem 48-Jährigen am Wochenende „nicht langweilig“ werde, „habe ich persönlich befreundeten Trainern eine Gegneranalyse angeboten“. Das habe im Anschluss auch gut funktioniert, zudem seien mehrere Freunde und Bekannte von Elbracht, „die auch darauf Lust hatten“, mit auf den Scouting-Zug aufgesprungen. So sei 2018 die Idee eines ganzen Netzwerkes entstanden.

Mark Elbracht: „Wir müssen kleine Brötchen backen“

Zu Beginn der Entwicklung habe man „Visionen, Wünsche, Träume“ gehabt, „von denen wir uns durch Corona ein bisschen verabschieden mussten“, berichtet Mark Elbracht. Man habe zum Beispiel den Traum gehabt, „in jedem Bundesland durch Scouts vertreten“ zu sein. Nun müsse man erst einmal „kleine Brötchen backen“. „Wir sind froh über jeden Scout, jedes Spiel“, welches auf der Plattform erscheint, sagt Elbracht, aber aktuell könne man amateurscout.de noch nicht landesweit bewerben.

Die Veröffentlichung hat ein Jahr auf sich warten müssen, große Visionen mussten erst einmal begraben werden. Gescoutet wird aber schon. Und Mark Elbracht und sein Team werden weiter die Augen offenhalten. Auf den Fußballplätzen Dortmunds – und irgendwann vielleicht im ganzen Land.