Der SV Körne hat Geld für einen guten Zweck gesammelt. © SV Körne
Fußball

Spende für einen guten Zweck: SV Körne verzehnfacht sein Minimalziel

Mit einer Challenge wollte Körne 83 für einen guten Zweck sammeln - und erzielte das Zehnfache des eigentlichen Ziels. Der Vorsitzende Eddy Hoffmann erklärt, was sein Geburtstag damit zu tun hat.

Der Plan war, über den Abschluss einer bemerkenswerten Aktion eines Dortmunder Fußballvereins zu berichten. Bereits den Auftakt hatten wir begleitet. Herausgekommen ist ein Interview mit einem stolzen Vorsitzenden, der über deutlich mehr als die „Challenge“ zu erzählen hatte.

Mit interessanten Aussagen über seinen Verein, dessen Rolle in der und für die Gesellschaft sowie die Entwicklung des Fußballs generell unterhielt Eddy Hoffmann (65), Vorsitzender des SV Körne 83, seinen Zuhörer.

Eddy Hoffmann, wir durften Ihr Alter zu Ihrem Namen fügen. Es ist seit neuestem wohl auch jedem im Verein bekannt. Dies zu kennen, ist sogar Geld wert. Geld für einen guten Zweck. Damit sind wir mitten im Thema. Erzählen Sie bitte, wie das alles zusammenpasst…

Ja, es fing ja mit der Lauf-Challenge unserer ersten Mannschaft an. Ich hielt das schon für eine tolle Aktion. Dann aber entwickelten die Jungs die Geschichte weiter. Sie errichteten einen Parcours, in dem sie Fragen zu beantworten hatten. Eine davon war die nach meinem Geburtsdatum.

Dann verraten Sie uns das doch bitte auch komplett…

Kein Problem! 28. März 1955.

Mit Verlaub: Noch etwas beachtlicher als die Tatsache, wie gut Sie sich gehalten haben, ist die Summe an Spendengeldern, die Ihre erste Mannschaft sich erlief und erriet. Ist das Geld gut beim Empfänger angekommen? Und wie viel war es am Ende?

Wir haben den Organisatoren des Wärmebusses 1500 Euro überwiesen.

Ihr Trainer hatte uns vor gut einem Monat gesagt, 150 Euro seien das Minimalziel. Jetzt hängt noch eine Null dran. Was sagt der Vorsitzende dazu?

Ich bin total stolz, weil es der Geist des SV Körne ist. Diese Mannschaft ist klasse. Aber auch im Verein halten alle zusammen und versuchen, gut durch die Zeit zu kommen. Diese Aktion ist ein sehr schönes Spiegelbild des Klubs.

Haben Sie eine Ahnung, warum es am Ende 1500 Euro waren?

Dass die Spieler die Kilometerzahl von 750 in vier Wochen, die 150 Euro brachten, erlaufen würden, war schnell klar. Also dachten sich Trainer und Betreuer weitere Aufgaben aus. Dazu zählte auch eine Fahrradtour und eine Fahrrad-Schnitzeljagd. Und wir hatten einige Gönner, die den erarbeiteten Betrag aufstockten.

Wie war die Reaktion der Malteser, die den Wärmebus organisieren?

Die haben sich wie die Obdachlosen, für die der Bus da ist, sehr gefreut. Wir hatten bereits, als wir die ersten 500 Euro beisammen hatten, diesen Betrag überwiesen. Da war es noch richtig kalt. Zu dieser Zeit war unsere Spende besonders hilfreich, 1000 Euro habe ich jetzt kürzlich geschickt.

Dass Ihre Mitglieder an Menschen spenden, denen es noch schlechter geht, verdient umso mehr Beachtung, da viele in Coronazeiten selbst nicht glücklich sind. Wie ist denn die Stimmungslage im Verein allgemein?

Den Umständen entsprechend ganz gut. Wir wollen uns nicht beklagen. Wir sind gesund und haben noch finanzielle Reserven.

Das heißt, einen Mitgliederschwund gibt es nicht?

Nein, und auch darauf sind wir sehr stolz. Wir haben kaum Leute, die ausgetreten sind. Wir hatten unseren Mitgliedern, die finanziell nicht so gut aufgestellt sind, unsere Unterstützung angeboten. Es gab lediglich eine kleine Gruppe, die Beitragszahlungen einfach ohne Ankündigungen stoppte. Da sie einen Dauerauftrag haben, bekamen wir mit, dass die Beiträge zurück an diese Mitglieder gingen. Die Begründung war: Wer nicht spielt, muss auch nicht bezahlen. Darüber werden wir schon noch sprechen. Denn wir hätten ja über alles reden können.

Wie haben sich die anderen verhalten?

Das lässt sich in Genügsamkeit und Spendenbereitschaft zusammenfassen. Das ist schon beeindruckend. Auch unsere dritte Mannschaft hatte gespendet, für eine Aktion der Sparkasse. Mir tut es besonders für unsere Frauen leid, die – da zum Großteil neu im Verein – kaum für uns spielen durften. Ich hoffe, dass unsere neue Frauen-Fitnessgruppe Body Shape bald richtig starten darf.

Auf dem Platz dürfen Kinder bis einschließlich 14 Jahren laut Coronaschutzverordnung bereits wieder trainieren. Auch in Körne?

Ja, und ich habe viele glückliche und fröhliche Gesichter gesehen. Für sie ist es ein Segen. Wir haben allerdings die Schwierigkeit bei den C-Junioren, die zum Teil ober- und unterhalb der Altersgrenze sind. Um Probleme zu vermeiden, beschränken wir unsere Trainingsangebote daher nur bis zu den D-Junioren. Das tut mir Leid für die Kinder, die jetzt noch nicht trainieren dürfen.

Alles das klingt so, dass Ihr Verein lebt. Ist er homogen?

Ja, absolut. Da ich gerade mit dem Stadtsportbund abrechne, weiß ich, dass wir exakt 421 Mitglieder haben. Und da macht es keinen Unterschied, woher sie kommen. Wir hatten beispielsweise viele Neue vom PTSV Dortmund übernommen. Sie sind jetzt alle 83er. Das ist nicht wie anderswo, wo es oft heißt: Wir sind ehemalige XYer und ihr seid ja YZ-Leute.

Woran zeigt sich noch, dass fast alle sehr gerne im Verein sind?

Wir zahlen ja nichts. Wie Sie sehen, geben die Spieler ja sogar Geld für andere. Ich weiß nicht, wie andere Vereine das hinbekommen, gerade jetzt.

Wer aus der jungen SV-Historie eine Erfolgsgeschichte machte, erschließt sich aus noch einer Frage aus der eingangs erwähnten Challenge. Wie viele Ehrenmitglieder hat der Klub? Helfen Sie uns doch bitte auf die Sprünge.

Es sind drei: unsere rührige Hildegard Cassebaum, der Gönner Axel Krause und unser Trainer Viktor Pusch.

Verdient um den Verein haben sich dann auch die aktuellen Spieler gemacht. Sie radelten die Plätze von Teutonia Lanstrop, SC Husen-Kurl und Westfalia Wickede an. Gerade haben Sie erst den Aufstieg in die Kreisliga A gefeiert. Ist es ein Ziel, das Wickeder Pappelstadion mal als Gast deren erste Mannschaft in der Meisterschaft – also in der Westfalenliga – anzusteuern?

So weit denken wir hier nicht. Ich bin sehr glücklich, dass unser Verein so ist, wie er ist. Ich finde, er ist schon besonders.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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