Kerim Acil (l.) hier noch in Diensten des FC Brünninghausen. © Nils Foltynowicz
Fußball-Westfalenliga

Sunday League und Sauerland: Zwei Ex-Brünninghauser treffen auf den alten Klub

Zwei Teams, die sich ähnlicher kaum sein könnten. Mit viel Jugend im Kader sind sie beide in die Top-Region der Westfalenliga gesprintet. Am Sonntag treffen sie unter Volldampf aufeinander.

Zwei, die schon auf beiden Seiten tätig waren, blicken mit Hochspannung auf das Gipfeltreffen des Tabellenzweiten gegen den Tabellenvierten. Kerim Acil und Maximilian Borchmann kennen sich aus gemeinsamen Zeiten beim FC Brünninghausen – Acil als Spieler, Borchmann als Trainer.

Die Wege trennten sich 2019 nach dem Abstieg des FCB aus der Oberliga. Acil zog es zum Holzwickeder SC, dann zu Türkspor Dortmund, während Borchmann das Traineramt beim Westfalenligisten FC Iserlohn übernahm. Der Kontakt blieb – auch als Acil Anfang April 2021 für den Master in Bio-Chemie mit einem Forschungsstipendium für ein knappes halbes Jahr nach San Diego in die USA ging. Da schon mit dem Gedanken an den Wechsel zum FC Iserlohn im Gepäck.

„Ende August war ich wieder hier, mit der Entscheidung für Iserlohn – aus dem Labor pünktlich zum Saisonstart“, lacht Acil. „Ich bin gelandet, Donnerstagabend, noch voll im Jetlag, völlig fertig. Freitagabends hab ich trotzdem mittrainiert, war nach zehn Minuten komplett von der Rolle. Bei der Generalprobe am 22. August in Hordel war ich aber doch dabei – und hab geliefert. Eine Woche später Liga-Start und gewonnen. Das hätte auch schiefgehen können – ist es aber nicht“, sagt Acil.

Allerdings war der 25-Jährige auch in den USA nicht völlig fußballabstinent. „Ich hab da in der Sunday League gespielt. Der Klub vor Ort hat wohl schnell gemerkt, dass ich denen ganz gut weiterhelfen konnte. Und schon war ich dabei. Einmal Training die Woche und dann Spiel am Sonntag. Das war nicht immer schweißtreibend, außer der Gegner war eine mexikanische Mannschaft. Die konnten es richtig gut.“

Auf mexikanische Teams trifft Acil einstweilen nicht mehr und von der Sonne Kaliforniens ist er im Sauerland weit entfernt. „Wenn in Dortmund das Wetter Scheiße ist, ist es im Sauerland noch beschissener. So viel hab ich schon gelernt.“

Maximilian Borchmann trainiert jetzt den FC Iserlohn. © Nils Foltynowicz © Nils Foltynowicz

Trotzdem geht es ihm top bei seinem alten neuen Trainer und beim FC Iserlohn, dem aktuell Liga-Vierten. „Ich bin 25 und hier einer der Ältesten in der Truppe. Das macht total Spaß. Die Jungs sind topfit, immer beim Training, geben immer Gas. Nach der Rückkehr aus den USA war ich der Unfitteste in der ganzen Mannschaft. Das hab ich zum Glück ändern können.“

Viermal Training in der Woche

Ein stückweit geht das wohl auch auf das Konto des Trainers. Denn die Grundlage für vieles, was im Moment in Iserlohn gut läuft, schafft Borchmann durch den großen Trainingsfleiß, den er von seiner Mannschaft verlangt. „Das vierte Training in der Woche zeigt einfach Wirkung. Und weil das eine sehr junge Mannschaft ist, kriegen das auch alle in ihrem Wochenkalender unter. Bei den bisherigen Spielen hat uns das extrem geholfen, weil wir immer in der zweiten Halbzeit einen draufsetzen können und so gerade in den zweiten 45 Minuten viele Partien gedreht haben.“

„Wir sind immer die fittere Mannschaft. Ab der 70., 80. haben unsere Gegner zuletzt im Grunde aufgehört zu spielen und wir konnten halt noch. Darum stehen wir da, wo wir jetzt stehen. Auch wenn vorher keiner den FC Iserlohn auf dem Schirm hatte“, sagt Acil.

„Für uns wird das Spiel gegen Brünninghausen wie ein Blick in den Spiegel“, sagt er. Und Borchmann stimmt ihm zu: „Der FC Iserlohn und der FC Brünninghausen gehen absolut den gleichen Weg. Ich glaube, wir sind sogar noch einen Tacken jünger als Brünninghausen, was ja eigentlich schon gar nicht mehr möglich ist. Aber wir sind beides Teams, denen es gerade sehr gut gelingt, Gegner, die vielleicht individuell besser und erfahrener besetzt sind, richtig zu ärgern.“

Trotz aller Ähnlichkeiten erwartet Borchmann aber kein Spiel, in dem sich zwei ähnlich veranlagte Teams gegenseitig neutralisieren. „Das wird eine Volldampfpartie. Der Stil beider Mannschaften ist das offene Visier – lieber 5:4 als 1:0. Das kann nur gut werden. Das haben sich beide Mannschaften erarbeitet.“

Brünninghausens Serie

Von einem Unentschieden geht auch Acil nicht aus. „Brünninghausen ist als Tabellenzweiter schon der Favorit. Immerhin sind sie noch ungeschlagen. Aber nichts würde mir mehr Spaß machen, als diese Serie jetzt zu stoppen. Und genau das werden wir tun. Das wird ein Spiel mit Hitze – schöner englischer Männerfußball. Mit drei Punkten für uns.“

Nur eine Unsicherheit gibt es. Die Leiste schmerzt und noch ist deshalb nicht klar, ob Acil am Sonntag in der Innenverteidigung stehen kann. „Ich will unbedingt und drück mir schon selbst die Daumen. Aber die Entscheidung fällt erst am Sonntag. Nur wenn ich spiele, dann richtig. In dieser Partie musst du Knallgas geben – keine halben Sachen.“

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
61er-Jahrgang aus Bochum, seit über 35 Jahren im Journalismus zu Hause - dem Sport und dem blau-weißen VfL schon ewig von Herzen verbunden - als Sportredakteur aber ein Spätberufener.
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Gerhard Vogelsang