Jubeln erlaubt: Aber beim DJK TuS Körne übt man sich vor dem Bezirksliga-Derby in Bescheidenheit © Schaper
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Topteam sieht sieht sich nicht als Titelanwärter – „Wir sind noch nicht ins Rollen gekommen“

Es sind gut 1000 Meter Luftlinie, die die Plätze beider Klubs voneinander entfernt sind. Und wenn sie sich am Sonntag zum Bezirksliga-Derby treffen, gibt es mit Blick auf die Tabelle keinen Favoriten.

Christian Strelau ist schon seit 2016 bem DJK TuS Körne. Folgerichtig hat der Kapitän schon einige Derbys erlebt. Ihren Reiz haben sie dennoch nie verloren. „Es sind ja auch relativ wenig Derbys in der Bezirksliga – und dann spüren alle in diesem Duell auch noch die unmittelbare Nachbarschaft.“

Denn am Sonntag geht es gegen den TuS Hannibal von nebenan. Rein rechnerisch begegnet man sich auf Augenhöhe. Beide Mannschaften haben zehn Punkte und gehören zur Vierer-Verfolger-Gruppe des VfR Sölde, der mit fünf Siegen aus fünf Spielen bislang einsam seine Kreise an der Tabellenspitze zieht.

Doch während man bei Hannibal forsch auf die Liga schaut und sich durchaus mutig selbst Ambitionen bescheinigt, in der Schlussabrechnung am VfR Sölde vorbeizuziehen, übt man sich in Körne in Bescheidenheit.

„Tabellarisch zehn Punkte – das stimmt natürlich“, sagt Christian Strelau. „Aber Luft nach oben ist schon noch da bei uns.“ Vor allem spielt er damit auf die drei Punkte an, die dem DJK TuS Körne am Grünen Tisch zugesprochen wurden. „Über die drei Punkte, die uns durch den Wechselfehler von Wethmar zukamen, können wir uns ehrlichgesagt nicht so richtig freuen. Das war ein Spiel, da haben wir uns so schwer getan und hätten auch noch drei Stunden weiterspielen können, ohne das was passiert wäre.“ Zehn Punkte fühlen sich für Körne immer noch eher wie sieben an.

Christian Strelau in Aktion. © Schaper © Schaper

Körnes Kapitän kennt und nennt auch die Gründe; „Auch wenn wir jetzt zehn Punkte auf dem Konto haben, muss man selbstkritisch sagen: So richtig ins Rollen gekommen sind wir noch nicht. Das betrifft uns alle. In der Defensive schmerzt manches der wenigen Gegentore gerade deshalb, weil es so ganz unnötig war – entstanden durch einfache Stellungsfehler oder einen Konter. Da fehlt uns manchmal noch die Achtsamkeit. Und offensiv haben wir allein in den ersten fünf Saisonspielen sicher ein halbes Dutzend bester Chancen vorbeiziehen lassen.“ Wie gesagt: Luft nach oben.

Und dann ist da ja auch noch das immergrüne Thema Aufstieg. „Ich sehe uns selber nie als Aufstiegskandidat, weil wir sehr viele junge Spieler haben, mit denen wir arbeiten“, sagt Strelau. „Die Marschroute anderer Klubs, viele erfahrene Spieler zu holen, gehen wir nicht mit. Was wir versuchen, ist positiv zu überraschen und vielleicht in die Rolle eines Jägers zu kommen. Das gefällt uns ohnehin besser als gejagt zu werden. Aber das Potenzial für eine Überraschung haben wir natürlich schon.“

Vielleicht schon gegen Hannibal? „Wenn wir die Leistung aus dem Spiel in Geisecke, was wir ja 1:0 gewonnen haben, zeigen, werden sie es schwer haben“, sagt Strelau. „Obwohl Hannibal immer unangenehm zu spielen ist, weil sie individuell gut sind und im Team ordentlich funktionieren. Aber wir kommen halt über das Kollektiv.“

Das Kollektiv – noch so ein Begriff mit Bedeutung für Strelau. „Was mich hier seit 2016 hält ist die familiäre Stimmung in der Mannschaft. Es ist eben spürbar, dass hier keiner ist, der wegen des Geldes zum Verein kam. Das färbt ganz klar auf das Miteinander ab. Und dass mit Dominik Grobe ein Trainer schon seit sieben Jahren im Amt ist, gibt es ja auch nicht so oft.“

Und etwas pädagogischen Auftrag spürt Strelau zudem: „Das gefällt mir schon, als gestandener Spieler den Jungen auf und neben dem Platz was mitgeben zu können. Und wenn ich mit 31 was dazu tun, dass sie noch besser werden als sie eh schon sind, dann hat das schon was. Klar schnauzt man da auch mal einen an. Aber wenn wir den Platz verlassen, ist das vergessen.“ Und im Idealfall ist Anschnauzen auch gar nicht nötig – vielleicht ja schon gegen Hannibal.

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Sportredaktion Dortmund
61er-Jahrgang aus Bochum, seit über 35 Jahren im Journalismus zu Hause - dem Sport und dem blau-weißen VfL schon ewig von Herzen verbunden - als Sportredakteur aber ein Spätberufener.
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Gerhard Vogelsang