Fußball

Während alle Spieler feiern oder dem Trainer zuhören, treibt Odonkor in der Kabine Sport

David Odonkor sorgte für Aufsehen in der Kabine des Westfalenligisten TuS Bövinghausen. Statt sich auf dem Platz warmzulaufen oder dem Trainer zuzuhören, treibt er in der Kabine Sport

David Odonkor will es noch mal wissen, mit 37 Jahren. Aber nicht nur auf dem Fußballplatz des Westfalenligisten TuS Bövinghausen. Auch in einer anderen Sportart. Keine Woche ist der 16-malige Nationalspieler jetzt beim Bövinghausen unter Vertrag, doch in der Kabine geht‘s schon richtig zur Sache.

Vor dem Anpfiff und nach dem Abpfiff schwingt sich Odonkor aufs Bike. Was TuS-Spieler Dino Dzaferoski zu dem Spruch bewegte: „Ich habe das Gefühl, dass der David für die Tour de France trainiert.“ Hat Odonkor jetzt also die Sportarten gewechselt, plant er eine zweite Karriere auf dem Rad?

Wir fragten nach bei Odonkor, der es in seiner Laufbahn auf 75 Einsätze in der Bundesliga brachte und der bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland durch seine maßgeschneiderte Flanke auf Oliver Neuville im Gruppenspiel gegen Polen in der Nachspielzeit durchaus eine gewisse Berühmtheit erlangte.

2013 beendete Odonkor seine Laufbahn. Knorpelschaden im Knie. Und stieg anschließend aufs Rad. Besser gesagt, aufs Spinning-Bike. „Ich trainiere vier bis fünfmal die Woche im Fitnessstudio, jeweils so 45 Minuten lang. Und vor einem Fußballspiel wie am Wochenende für meinen neuen Verein Bövinghausen, da fahre ich 20 bis 30 Minuten lang, um nicht mit kalten Muskeln auf den Platz zu müssen. Nach dem Abpfiff geht‘s dann nochmal für 15 Minuten aufs Bike, um die Muskeln wieder zu beruhigen“, sorgte Odonkor für die Erklärung. Er müsse seine Muskeln geschmeidig halten. Im Grunde sei es egal, ob man sich dehnt, warmläuft oder auf dem Bike sitzt. Wichtig sei, dass die Muskel warm seien, wenn es auf den Platz gehe, so Odonkor.

Ganz neu ist das in der Tat nicht. Statt der üblichen Auslaufrunden auf dem Platz setzen sich viele Fußballprofis mittlerweile aufs Spinning-Bike, um die Laktatwerte runterzubekommen, um einen Muskelkater zu vermeiden. Mittlerweile ist auch in den unteren Klassen des Fußballs angekommen, dass das funktioniert. „Ich habe gesehen, dass in der Kabine zwei Spinning-Bikes stehen, habe das Angebot natürlich sofort angenommen und hoffe, den einen oder anderen Mitspieler davon überzeugen zu können“, so Odonkor. Was offensichtlich schon funktioniert hat. Auch Bövinghausens Nr. 10, Marko Onucka, strampelte, was das Zeug hielt.

David Odonkor, dieser pfeilschnelle Außenstürmer, hat das Spinning-Bike als Trainingsgerät seit seinem Rücktritt 2013 für sich entdeckt. „Man muss was tun, ich bin ja keine 20 mehr, sondern schon 37. Ich will meine Figur behalten, das Spinning hilft mir, das Beste rauszuholen. Und das Knie hält auch nach meiner Meniskus-Operation“, zeigte sich der WM-Held von 2006 zufrieden.

Dass er sich am Samstag den ein oder anderen Spruch – nicht nur von Dino Dzaferoski – anhören musste, gehört zur Natur der Sache. Standardantwort von David Odonkor: „Nein, ich trainiere nicht für die Tour de France, ich fahre Richtung Hamburg.“ Vielleicht fahren ja demnächst noch mehrere Spieler nach Hamburg.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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