Niels Overhoff hat zuletzt beim Erler SV gespielt, war aber auch schon in Österreich unterwegs. © John Grant
Fußball-Westfalenliga

Wickedes Mann mit der spannenden Vita: Wie war es für Sie in Österreich, Niels Overhoff?

Niels Overhoff hat schon mal in der österreichischen 3. Liga gekickt. Nun schließt sich der 21-Jährige Westfalia Wickede an. Aber warum? Wie wurde er geködert? Im großen Interview spricht Overhoff darüber.

Niels Overhoff heißt der neue Mann, der künftig für den BV Westfalia Wickede wirbeln wird. Hinter dem 21-Jährigen liegt eine spannende Vita. Sogar eine Auslandsstation hat Overhoff schon hinter sich. Er hat beim FC Kuchl in Österreich gekickt. Wir wollten von dem Neu-Wickeder wissen, warum er wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist, was ihn an Wickede reizt und wieso er die langen Fahrten von Marl nach Dortmund auf sich nimmt.

Herr Overhoff, im Gespräch mit Wickedes Sportlichen Leiter Daniel Dukic hat er immer wieder Ihre fußballerische Vita hervorgehoben – und die kann sich in der Tat sehen lassen. Sie haben in Österreich in der 3. Liga gespielt – und das sogar erfolgreich. Wieso hat es Sie für eine kurze Weile nach Österreich gezogen?

Das ist richtig. In der Saison 2017/18 habe ich beim SV Kuchl in der österreichischen dritten Liga gespielt. Unter anderem gab es damals, nach mehreren Probetrainings, ein Angebot des damaligen Tabellenführers der dritten Liga USK Anif. Aufgrund von sehr hohen finanziellen Kosten entschied sich USK Anif den zwar sportlich gelungenen Aufstieg jedoch nicht anzutreten. Es war damals auch eine Option für mich, jedoch sah ich, aufgrund eines sehr starken Kaders, nur wenig Spielzeit für mich. Der Wechsel nach Österreich kam aufgrund von familiär beruflichen Gründen zustande und da ich seit klein auf Urlaub in dieser Region gemacht habe, war es eigentlich immer schon ein kleiner Traum für den SV Kuchl zu spielen, da ich schon damals eine recht enge Verbundenheit mit dem Verein hatte.

Was haben Sie aus der damaligen Zeit mitgenommen?

Als damals 17-Jähriger war es für mich natürlich ein sehr großer Sprung, von der A-Jugend direkt in die erste Mannschaft zu wechseln. Ich konnte mich aber sehr schnell einarbeiten und mit dem höheren Spielniveau schnell zurechtfinden. Ich habe sehr gute Erinnerungen an die Zeit in Österreich. Die Sportanlagen, die Infrastruktur und die Organisation waren ebenfalls auf einem sehr hohen Niveau. Die Voraussetzungen sind vergleichbar mit denen in der dritten deutschen Liga, man hat durchweg auf Rasenplätzen gespielt, die vergleichbar mit Bundesligaplätzen waren.

Für Sie soll es weitere Angebote gegeben haben. Stimmt das?

Es gab mehrere Angebote regional sowie überregional. Unter anderem war dort ein Angebot von Austria Salzburg dabei. Das war natürlich damals ein Highlight für mich, da Austria Salzburg der Traditionsverein schlechthin im Salzburger Land ist.

Niels Overhoff kickt künftig für den BV Westfalia Wickede.
Niels Overhoff kickt künftig für den BV Westfalia Wickede. © John Grant © John Grant

Sind Sie traurig, dass Sie die Chance nicht wahrnehmen konnten?

Natürlich wäre es schön gewesen meine Karriere in Österreich fortzusetzen, gerade bei einem Traditionsverein wie Austria Salzburg. Ich persönlich sehe aber keinen großen Nachteil, den Schritt zurück nach Deutschland zurückzugehen, da alles Vor- und Nachteile mit sich bringt.

Sie haben in der Regionalliga Salzburg für den FC Kuchl gekickt. Ist die Liga vergleichbar mit der deutschen Regionalliga – oder wie ist sie einzuschätzen?

Generell ist das spielerische Niveau in Österreich etwas schwächer als in Deutschland. Die Trainingsbedingungen und Infrastruktur sind in Österreich sehr stark aufgestellt. Realistisch gesehen bewegt sich das Niveau der österreichischen dritten Liga auf gutem Oberliga-Niveau in Deutschland.

Gebürtig kommen Sie aus Marl, wurden unter anderem beim TuS Haltern ausgebildet. Nach Ihrer Österreich-Zeit ging es auch wieder zurück nach Deutschland. Was sind die größten fußballerischen Unterschiede zwischen den beiden Ländern?

In Österreich ist der Fußball viel körperbetonter und athletischer. Technisch gibt es aber große Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich, hierbei ist der deutsche Fußball weitaus besser aufgestellt. In Österreich findet mehr beziehungsweise sehr viel neben dem Platz statt. Das Teambuilding ist hier sehr stark. Auch in höheren Spielklassen sind die Gehälter vergleichsweise niedriger und es wird viel auf regionale Spieler gesetzt. Das ist in meinen Augen aber auch der richtige Weg, denn man sollte Fußball aus Leidenschaft und nicht wegen des finanziellen Aspekts spielen.

Sie haben hier in der Westfalenliga und in der Landesliga gekickt. Zuletzt sollen Sie beim KFC Uerdingen einen Vorvertrag unterschrieben haben. Daraus wurde aufgrund des Insolvenzverfahrens aber nichts. Jetzt sind Sie in Wickede gelandet. Wie kam der Wechsel zustande?

Aufgrund des Insolvenzverfahrens konnte der Vorvertrag nicht erfüllt werden. Da ich mich zu dem Zeitpunkt in meiner Abiturphase befand, habe ich mich dann erstmal voll und ganz auf meine Schule konzentriert. Während der coronabedingten Pause habe ich mich mit individuellem Kraft- und Ausdauer Training, sowie Einheiten auf dem Platz, fit gehalten. Die Wechselphase habe ich dann recht entspannt auf mich zukommen lassen. Ich hatte mehrere Angebote und habe mich aktiv mit den Trainern unterhalten. Zudem habe ich bei drei weiteren Vereinen ein Probetraining absolviert. So bin ich auch mit Daniel Dukic in Kontakt getreten und ich wurde zum Probetraining eingeladen. Das Training, die Vereinsstruktur, die Anlage und die offene, ehrliche Art haben mich direkt überzeugt und ich hatte ein sehr gutes Gefühl, so dass ich mich direkt für Westfalia Wickede entschieden habe.

Zwischen Ihrem Heimatort Marl und Wickede liegen etwa 45 Autominuten Fahrzeit. Warum haben Sie trotzdem zugesagt?

Es ist bei Westfalia Wickede alles perfekt. Die Anlage, die Mannschaft, das Trainerteam sowie die Infrastruktur rund um und im Verein sind einfach überragend. Für so gute Bedingungen nehme ich gerne die ein oder andere Minute mehr Fahrt auf mich. Da ist es für mich egal, wo der Verein liegt.

Wie hat Daniel Dukic Sie geködert?

Ich habe in meiner Jugend nie in einem Nachwuchsleistungszentrum gespielt und habe mir meine fußballerischen Fähigkeiten mehr oder weniger selbst angeeignet. Ich persönlich mag ehrliche Typen, die Leuten eine Chance geben ihre sportlichen Fähigkeiten zu zeigen und nicht nur auf Namen oder Vereine zu schauen. Dieses Gefühl habe ich bei Daniel Dukic direkt gehabt.

Kennen Sie sich im Dortmunder Amateurfußball aus – oder hatten Sie noch gar keine Berührungspunkte?

Ich hatte mit verschiedenen Teams diverse Spiele in der Landes- und Westfalenliga gegen Dortmunder Teams, welche durchweg sehr stark waren.

Sie werden unter anderem auch gegen Ex-Profis wie Kevin Großkreutz und Baris Özbek kicken, die beim TuS Bövinghausen aktiv sind. Ist das noch einmal ein besonderer Reiz für Sie?

Natürlich ist es toll gegen Ex-Bundesligaspieler zu spielen, aber es steht für mich der Sport im Vordergrund und da ist das für mich kein Kriterium aus diesem Grund zu einem Verein zu wechseln. Ich will mit der Mannschaft einfach das Maximum rausholen und da ist es mir dann eher egal, wer der Gegner ist. Es gibt zudem auch viele junge Talente in den Ligen, die qualitativ sehr gut sind und durchaus auch höher spielen könnten beziehungsweise sollten.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Ist bereits seit Kindesbeinen an von Ballsportarten – insbesondere Fußball – fasziniert. Stets neugierig auf der Suche nach Geschichten, auch abseits des Ballsports. Die Liebe zum Journalismus entdeckte er über sein großes Hobby: Fotografie. Gebürtig aus Selm, mittlerweile in Lünen wohnhaft.
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Patrick Schröer

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