Guido Schwanitz vor seinem Haus, das er gerne mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach ausstatten lassen möchte. Doch die riesigen Platanen in der Straße fangen das Sonnenlicht nahezu komplett ab. © Britta Linnhoff
Solarkataster

Bäume müssten für Photovoltaik weichen – Stadt erteilt Hausbesitzer eine Absage

Was ist ökologisch wertvoller, ein Baum oder eine Photovoltaikanlage auf dem Dach? Das fragt sich ein Hombrucher Hausbesitzer, der gerne eine solche Anlage bauen würde – aber nicht kann.

Guido Schwanitz liebt die Straße mit den schönen Bäumen, in der er wohnt. „Wenn man die sieht, ist man wieder Zuhause“, sagt er. Aber gerade hadert der 50-jährige Hombrucher mit den wohl annähernd 100 Jahre alten Platanen an der Domänenstraße.

Hausbesitzer Schwanitz möchte eine Photovoltaik-Anlage auf seinem Dach installieren – aus ökologischen wie finanziellen Motiven. Das Dach sei optimal ausgerichtet. Eigentlich. Wären da nicht die Platanen, die – abgesehen von einer ganz kurzen Zeitspanne – die Sonne abhalten.

Riesengroß und sehr alt: Nicht alle Anlieger der Domänenstraße lieben die Bäume in ihrer Straße bedingungslos.
Riesengroß und sehr alt: Nicht alle Anlieger der Domänenstraße lieben die Bäume in ihrer Straße bedingungslos. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Was also, so fragt sich der 50-Jährige, ist jetzt mehr wert: der alte Baum oder die umweltfreundliche Anlage auf dem Dach? Die Anlage könnte sein Haus und das angebaute Haus seines Freundes mit der nötigen Energie versorgen.

Bäume sind von einem Pilz befallen

Ein guter Grund für die Stadt, sich einfach mal mehr zu kümmern, findet Guido Schwanitz. Früher, als alle Leitungen noch oberirdisch zu den Häusern geführt wurden, habe man die Bäume regelmäßig auf Dachrinnenhöhe gekappt. „Wenn die heute einmal im Jahr raus kommen, dann gehen die mit der Nagelschere dran“, kritisiert der Hombrucher, der in der Domänenstraße eine Postannahmestelle betreibt.

Es seien sogar schon Äste heruntergekommen. Die Beule einer Abflussrinne vor seinem Haus resultiere aus einem solchen Absturz. Außerdem müssten viele der dicken Äste mit Spanngurten gesichert werden und die Platanen seien von einem Pilz befallen.

In der Domänenstraße stehen zahlreiche alte Platanen.
In der Domänenstraße stehen zahlreiche alte Platanen. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Guido Schwanitz hat sich inzwischen an die Grünen gewandt. „Die fordern doch aktuell eine Solardachpflicht für Hausbesitzer“, sagt er. Antworten habe er bisher nicht bekommen, so der Hombrucher. „Ich bin davon überzeugt, dass wir in Sachen Umwelt was machen müssen“, sagt Guido Schwanitz.

Er würde auch Ersatzbäume finanzieren, betont der Hombrucher, egal wo. Und was sagt die Stadt dem Hombrucher Hauseigentümer? „Mit der Stadt hatte ich noch keinen Kontakt“, sagt Guido Schwanitz. „Ich weiß auch gar nicht, mit wem ich da reden müsste“, erklärt der 50-Jährige.

Solarkataster zeigt Photovoltaik-geeignete Straßen

Weiterhelfen kann das Internet: Es gibt ein Solarkataster der Stadt – gemeinsam betrieben mit dem RVR, dem Regionalverband Ruhr. Ein Blick zeigt, dass fast die gesamte Domänenstraße für Photovoltaik als „nicht geeignet“ ausgewiesen ist.

Vorwürfen, man kümmere sich nicht ausreichend um die Platanen in der Domänenstraße, weist Stadtsprecher Christian Schön weit von sich: Die regelmäßige Baumkontrolle sei „korrekt“ erfolgt und habe zuletzt keine Gefährdung erkennen lassen, die von den Bäumen ausgehe, teilt Christian Schön auf Anfrage mit.

Offenbar aber ist Gudio Schwanitz nicht als einziger unzufrieden. Der Stadtsprecher weiter: „Da sich Anwohner dieser Straße regelmäßig über den Baumbestand beschweren, wurden im Juni 2020 zusätzliche Baumschnittarbeiten durchgeführt. Am 3. September 2021 wurde nach einer neuerlichen ein weiteres Mal vor Ort überprüft. Dabei konnten keine Mängel festgestellt werden, die die Verkehrssicherheit beeinträchtigt hätten. Es konnten visuell auch keine größeren abgestorbene Äste erkannt werden. Lediglich im Feinastbereich waren ein paar trockene Äste erkennbar.“

Der Erhalt beziehungsweise die Stabilisierung von Bäumen (deshalb auch die Spanngurte) seien oberstes Ziel, gerade bei altem Baumbestand. Sehr häufig gelinge das auch.

Im September war ein Hubsteiger im Einsatz

Am 13. September seien die Bäume mit Hilfe eines Hubsteigers genauer kontrolliert und die wenigen mit Massaria (ein Pilz) befallenen oder trockenen Äste entfernt worden. Bei den städtischen Baumkontrolleuren handele es sich um versierte Fachleute. Herunterfallendes Laub oder kleine abgeworfene Äste würden allgemein als „natürliche Immissionen“ eingestuft.

Es bestehe kein Grund, die Bäume so zu beschneiden, dass sich ihr Leben verkürze oder sie gar durch Absägen gänzlich zu opfern. Der Baumbestand in der Domänenstraße sei zudem ein geschützter Landschaftsbestandteil, unterliege also dem Schutz der Baumsatzung und insbesondere der Naturdenkmalverordnung der Stadt.

Definitiv sei es keine Alternative, die Bäume abzusägen, um ein Solardach realisieren zu können. Es sei nicht sinnvoll, das eine Umweltthema gegen das andere auszuspielen: „Insbesondere alte Bäume spielen eine große Rolle für das Mikroklima vor Ort, sie halten das Wasser zurück, helfen somit auch bei Starkregen und zusammen haben Bäume eine große Bedeutung für das Klima im ganzen Land. Ihre Stämme und Zweige binden viel Kohlendioxid.“

Im Solarkataster kann jeder für sein Haus nachsehen

Im Solarkataster kann indes jeder für seine Hausnummer nachsehen, ob sich eine Investition wohl lohnen könnte. Unter Berücksichtigung von Dachflächengröße, Ausrichtung, Neigung, Verschattung durch umliegende Bäume und Bauwerke und der mittleren Sonneneinstrahlung kann online die energetische Nutzung der Dachflächen berechnet werden.

Auch das Dienstleistungszentrum Energieeffizienz und Klimaschutz des Umweltamtes gibt Tipps und bietet Beratung an: dlze.dortmund.de

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Redaktion Dortmund
Leben erleben, mit allem was dazugehört, das ist die Arbeit in einer Lokalredaktion, und das wird auch nach mehr als 30 Jahren niemals langweilig, in der Heimatstadt Dortmund sowieso nicht. Seriöse Recherche für verlässliche Informationen ist dabei immer das oberste Gebot.
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Britta Linnhoff