Weit über 200 Jahre alt soll das alte Fachwerkhaus sein, das zwei Neubauten weichen muss. © Jörg Bauerfeld
Abriss

Denkmal, oder nicht? Ein mehr als 200 Jahre altes Haus weicht zwei Stadtvillen

Das Bauschild vor einem alten Fachwerkhaus hat bei einigen alteingesessenen Dorfbewohnern einen regelrechten Schock ausgelöst. Es soll eines der ältesten Häuser im Dorf sein.

Es ist die historische Mitte von Sölde, der Bereich um die Straße Am Kapellenufer mit den zahlreichen alten Fachwerkhäusern und dem ehemaligen Rittergut Sölde.

Eines der ältesten Häuser, so vermutet Imker Ralf Schmitt, der auch als ausgewiesener Fachmann für alte Fachwerkhäuser gilt, steht demnach an der Einmündung zur Nathmerichstraße.

Preis pro Neubau rund eine halbe Million Euro

Jetzt sieht es so aus, als ob das alte Fachwerkhaus nicht mehr lange stehen wird. Denn auf dem Grundstück ist ein großes Bauschild aufgetaucht. Zwei Stadtvillen sind hier geplant – pro Stück sollen die rund 515.000 Euro kosten.

Was aber dann im Wege steht, ist das Haus, das, so Imker Schmitt, vermutlich weit über 200 Jahre alt ist. Aber wie kann das sein, dass so ein Haus einfach weichen muss? „Das Haus steht leider nicht unter Denkmalschutz“, erklärt Ralf Schmidt. Die Chancen, das Gebäude zu retten, sind daher ziemlich gering.

An der Vorderseite des Gebäudes ist das Fachwerk noch gut erhalten.
An der Vorderseite des Gebäudes ist das Fachwerk noch gut erhalten. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Besitzer des Grundstückes und des Hauses ist die Ruhrgrund. Florian Kwiatkowski (Ruhrgrund): „Es gibt schon einige Interessenten, die hier bauen möchten. Das Grundstück hat eine gute Lage, ist attraktiv.“ Und wie sieht die Ruhrgrund den Zustand des Hauses? „An dem Haus ist bis auf die Vorderseite sehr viel verändert worden, einschließlich Kunststofffenster. Das Gebäude ist zu 80 Prozent 90er-Jahre“, sagt Florian Kwiatkowski.

Keine Abrissgenehmigung nötig

Eine Abrissgenehmigung werde hier nicht benötigt, nur eine Abrissanzeige bei der Stadt. „Unter dem Aspekt Denkmal haben wir dieses Gebäude nie gesehen“, sagt Florian Kwiatkowski. Zudem habe das Gebäude schon lange zum Verkauf gestanden. Wenn einem der Erhalt so am Herzen gelegen hätte, hätte derjenige es ganz normal erwerben können, so die Ruhrgrund.

Eine Karte vom alten Sölde. Gut zu erkennen: das alte Fachwerkhaus.
Eine Karte vom alten Sölde. Gut zu erkennen: das alte Fachwerkhaus. © Bauerfeld © Bauerfeld

Aber warum sorgt das alte Haus in Sölde nun plötzlich für solche Emotionen? „Hier hat die alte Dorflehrerin Wilhelmine Ellringmann bis circa 1995 gelebt. Die alten Sölder kannten sie alle“, erklärt Ralf Schmidt. Auch auf einem alten Straßenkataster von Sölde aus dem Jahr 1827 ist das Fachwerkhaus in seinem Urzustand noch gut zu sehen.

In den folgenden Jahrzehnten ist baulich einiges verändert worden. Und jetzt sieht es so aus, als seien die letzten Tage eines der ältesten Häuser in Sölde gezählt.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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