Das riesige Gelände der ehemaligen Zeche Gottessegen: Noch ist nicht klar, wohin die Richtung genau geht. Die ansässigen SPD-Ortsvereine halten eine Nahversorgung für die Bittermärker an dieser Stelle für unverzichtbar. © Britta Linnhoff
Zeche Gottessegen

Doch andere Pläne für Zechenbrache? SPD pocht auf Nahversorgung für Stadtteil

Zwei SPD-Ortsvereine zeigen sich empört: Anstelle eines Supermarktes sollen auf dem Gelände der ehemaligen Zeche mehr Wohnungen entstehen als geplant. Das sei schlecht für den Stadtteil.

Flächen für den Wohnungsbau werden überall händeringend gesucht. In der Bittermark gibt es ein Gelände, auf dem ist viel Platz dafür: 28.000 Quadratmeter an der Hagener Straße gegenüber der Einmündung Spissennagelstraße sind frei.

Das Gelände der ehemaligen Zeche Gottessegen war lange Lager für die Telekom, dann Standort für eine Flüchtlingsunterkunft. Später dann, vor ein oder zwei Jahren, da gab es schließlich Pläne für eine Wohnbebauung: Wohnungen, eine Kindertagesstätte und Einzelhandel für die Nahversorgung.

Eigentlich war schon alles in trockenen Tüchern, die Pläne im Grunde wohl fertig. Vorgesehen waren rund 250 Wohneinheiten. Dazu im Eingangsbereich des Gebietes, also zur Hagener Straße hin, ein Lebensmittelmarkt sowie eine Kindertagesstätte. Bei der örtlichen SPD ist man noch heute begeistert von diesen Plänen. Es habe seinerzeit viel positive Resonanz gegeben.

Dagmar Kurth und Volker Schultebraucks, Mitglieder der Hombrucher Bezirksvertretung, machen sich Sorgen über veränderte Pläne für das ehemalige Zechengelände.
Dagmar Kurth und Volker Schultebraucks, Mitglieder der Hombrucher Bezirksvertretung, machen sich Sorgen über veränderte Pläne für das ehemalige Zechengelände. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Planungen wurden aktualisiert

Es war klar, dass es dauern würde, bis etwas geschieht auf dem durch den Bergbau belasteten Gebiet. Nun aber soll, so sagt die SPD, etwas geschehen sein, und das behagt den Sozialdemokraten überhaupt nicht: Das Planungsamt habe die Bezirksvertretung über eine aktualisierte Planung für die Fläche informiert.

Darin, so berichtet Volker Schultebraucks, stellvertretender Bezirksbürgermeister und Vorsitzender des SPD Ortsvereins Kirchhörde-Löttringhausen, sei nun eine Verdoppelung auf 500 Wohneinheiten vorgesehen und der komplette Verzicht auf Einzelhandel zur Nahversorgung. Lediglich bei der Kita sei es in den Planungen geblieben.

Wohnungsbau sei ja eine tolle Geschichte, sagen die Sozialdemokraten, aber so ein Projekt benötige eine ausgewogene Verkehrsplanung und wo bitteschön, sollen die Bittermärker, die dann noch mehr werden durch die neu Hinzugezogenen, denn alle einkaufen?

Schon jetzt gebe es in unmittelbarer Nähe keinerlei Möglichkeiten, Waren des täglichen Bedarfs einzukaufen; in jedem Fall benötige man ein Auto. Und am nächsten Supermarkt in Kirchhörde breche schon jetzt vor allem an den Wochenenden das Verkehrschaos aus, berichtet Dagmar Kurth, stellvertretende Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Bittermark-Lücklemberg.

„Da staut sich der Verkehr bis weit hinein auf die Hagener Straße, weil die Leute hier mit ihren Wagen auf einen freien Platz auf dem Parkplatz warten“, sagt sie.

Sozialdemokraten: Wir brauchen hier eine Nahversorgung

„Wir wollen auf jeden Fall in die Lücke hier in der Bittermark in der Nahversorgung schließen“, darin sind sich die SPD-Mitglieder Dagmar Kurth, Volker Schultebraucks, Michael Hanitz, Norbert Marschner und Günter Felsing einig. 2500 Menschen lebten hier schon jetzt, und außer dem Bäcker an der Hagener Straße Ecke Kirchhörder Straße gebe es nichts in Reichweite.

Auch der von der Stadt verabschiedete Masterplan Einzelhandel stehe dem Ansinnen, hier einen Supermarkt einzurichten keinesfalls im Wege, sagt Volker Schultebraucks. Der sehe zum Schutz bestehender Geschäfte vor, dass im Umkreis von 500 Metern kein weiterer Einzelhandel genehmigt werden.

„Davon sind wir aber weit entfernt“, sagt Volker Schultebraucks. Wohnraumversorgung sei wichtig, aber nicht um jeden Preis, so die SPD-Politiker. Besonders die Schaffung von sozial geförderten Wohnungen im sonst so hochpreisigen Stadtbezirk liege ihnen am Herzen.

Eigentümer: Es ist noch nichts entschieden

Besitzerin der riesigen Fläche ist die Jaber International Group mit Sitz im Dortmunder Technologiepark. Dort wollte man auf Anfrage entsprechend veränderte Pläne für die Fläche nicht bestätigen – aber auch nicht dementieren: Man befinde sich, so hieß es, noch in der Findungsphase. Es sei noch offen, was genau auf dem Gelände passieren werde. Es sei noch nichts entschieden.

Eine Stellungnahme der Stadt gab es bis zum Redaktionsschluss dieses Artikels (Stand 28. April) nicht.

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Britta Linnhoff

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