Nach gut einem Jahr tragen die Rebstöcke erste Trauben. © Susanne Riese
Neue Grab-Art

Erste Ernte an den Weinberg-Gräbern auf dem Friedhof in Holzen

Seit 2020 können in Holzen Verstorbene unter Reben zur letzten Ruhe gebettet werden. Die neue Grabart stößt auf große Nachfrage, sodass der Weinberg bereits erweitert wurde. Jetzt werden erstmals Trauben geerntet.

Vor gut einem Jahr richteten angehende Garten- und Landschaftsbauer der Friedhöfe auf dem kleinen Holzener Friedhof an der Kreisstraße ein neues Grabfeld ein: Das abschüssige Gelände wurde mit rund 150 Reben bepflanzt und mit kleinen Natursteinmauern aus Ruhrsandstein terrassiert.

So entstand ein neuer Weinberg mit 36 Grabstellen, die mit jeweils zwei Urnen belegt werden können. Die Weinberg-Gräber werden liebevoll betreut und sind für die Angehörigen somit pflegefrei.

Winzerin Tina Krachten und Ralf Dallmann, Betriebsleiter der Dortmunder Friedhöfe, begutachten die jungen Rebstöcke.
Winzerin Tina Krachten und Ralf Dallmann, Betriebsleiter der Dortmunder Friedhöfe, begutachten die jungen Rebstöcke. © Susanne Riese © Susanne Riese

Das neue Konzept hat voll eingeschlagen. Bereits nach wenige Wochen war ein Großteil die Grabstellen vergeben – oftmals reserviert als Ruhestätte, die nicht nur idyllisch liegt und schön gestaltet ist, sondern die auch den Hinterbliebenen keine Arbeit macht.

„Nach nicht einmal einem Jahr gibt es hier keine freien Grabstätten mehr“, sagt Ralf Dallmann, Betriebsleiter der Dortmunder Friedhöfe. Auch viele Bürger aus Schwerte interessierten sich für das neue Angebot in Holzen.

Deshalb wurde der Weinberg durch Auszubildende des städtischen Eigenbetriebs um neue Terrassen mit insgesamt 73 Grabstellen erweitert. Für den neuen Bereich sind nun wieder Reservierungen möglich; „Vorerwerb“ nennen das die Fachleute. 2450 Euro kostet eine solche Weinberggrabstätte mit zwei Urnenplätzen für 25 Jahre, Pflege inklusive. Die Laufzeit kann verlängert werden.

Einen verbürgten Anspruch auf die Trauben, die über dem gepachteten Urnengrab wachsen, gibt es dabei allerdings nicht. Bislang ist der Ertrag allerdings auch nicht besonders üppig, „und die Trauben verselbstständigen sich über Nacht“, so Ralf Dallmann. Offenbar verschwinden die kleinen dunklen Träubchen von der Hand in den Mund oder vielleicht auch in die heimische Obstschale.

Winzerin Tina Krachten prüft den Zuckergehalt der Trauben mit einem speziellem Messgerät, dem Refraktometer.
Winzerin Tina Krachten prüft den Zuckergehalt der Trauben mit einem speziellem Messgerät, dem Refraktometer. © Susanne Riese © Susanne Riese

Bis die Rebstöcke einen nennenswerten Ertrag bringen, wird es noch zwei bis drei Jahre dauern, sagt Winzerin Tina Krachten, die den Weinanbau in Holzen professionell betreut. Die Diplom-Önologin kümmert sich auch um die Weinreben der Emschergenossenschaft am Phoenix-See und im Umweltkulturpark Barop.

Der Weinberg wurde um neue Grabfelder mit 73 Grabstätten erweitert.
Der Weinberg wurde um neue Grabfelder mit 73 Grabstätten erweitert. © Susanne Riese © Susanne Riese

In Holzen wurde die rote Traubensorte Cabertin aus der Pfalz angepflanzt, die als besonders resistent gegen Pilzerkrankungen gilt.

Was die Qualität des Holzener Rotweins angeht, sagt die Winzerin: „Der Weinanbau hat hier gute Bedingungen. Der nordrhein-westfälische Weinanbau wächst.“ In diesem Jahr haben allerdings Schädlinge und die lange Feuchtigkeit den Trauben sehr zugesetzt.

Wer in zwei bis drei Jahren in den Genuss des Holzener Weins kommen wird, ist noch offen. Da sich um Hobby-Weinanbau handelt, wie Tina Krachten erklärt, dürfe er nicht in Umlauf gebracht werden. „Das ist noch ein Grund, warum er gut werden muss: Wir müssen ihn selber trinken.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
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Susanne Riese