Trotz Lockerungen ist der „Normalzustand“ im Lennhof von Attila Karpati noch lange nicht erreicht. © Oliver Schaper (A)
Restaurantbesuch

Höheres Corona-Risiko durch Lockerung? – „Die Gastro ist wie ein OP-Saal“

Seit Anfang Oktober macht sich die Gastronomie lockerer - auch die Wirte in Hombruch reagieren auf die neuen Regeln in NRW. Im direkten Vergleich gibt es aber deutliche Unterschiede.

Die Gastronomie kann sich dank der neuen Corona-Schutzverordnung erst mal wieder lockerer machen: Für mindestens vier Wochen, vom 1. Oktober bis zum 29. Oktober, können Gastronomen auf ihre Trennwände verzichten und wieder alle Plätze besetzen. Wie kommen die Lockerungen bei Gästen und Wirten in Hombruch an?

Eiserner Julius: Lockerungen kamen gerade rechtzeitig

Beim Eisernen Julius sind die Trennscheiben auf jeden Fall schon abgebaut. „Wir haben uns sehr gefreut. Jetzt können wir wieder 60 Plätze besetzen“, sagt Domagoj Kapulica. Als die Abstände zwischen den Tischen noch gewahrt werden mussten, konnten maximal 45 Gäste ihr Essen in der Innengastro genießen. Bekannt ist das urige Restaurant für seine Gerichte nach Balkanart mit Djuwetschreis, Ajvar und Co.

Die Corona-Lockerungen kommen für den Eisernen Julius in Hombruch genau zur richtigen Zeit.
Die Corona-Lockerungen kommen für den Eisernen Julius in Hombruch genau zur richtigen Zeit. © Dieter Menne Dortmund © Dieter Menne Dortmund

„Wir kamen irgendwie zurecht“, sagt Kapulica. Durch die Plätze in der Außengastronomie haben sie die Einbußen im Innenbereich ausgleichen können. Da nun aber die kalten Herbst- und Wintermonate bevorstehen, kamen die Lockerungen gerade rechtzeitig: „Spätestens Ende Oktober wären wir sonst auf die 2G-Regel umgestiegen.“ Das heißt, dass nur noch genesene und geimpfte Gäste hätten kommen können, weil dadurch die Abstandsbegrenzung weggefallen wäre.

Angst vor größerem Ansteckungsrisiko?

Die meisten Gäste beim Eisernen Julius seien aber sowieso geimpft. Seit Wiedereröffnung nach dem Lockdown im Mai haben vielleicht acht Besucher einen Testnachweis vorgelegt, schätzt er.

Die Trennwände im Eisernen Julius sind wieder abgebaut - alle Plätze dürfen wieder besetzt werden. (Archivbild)
Die Trennwände im Eisernen Julius sind wieder abgebaut – alle Plätze dürfen wieder besetzt werden. (Archivbild) © Dieter Menne Dortmund © Dieter Menne Dortmund

Angst vor einem größeren Ansteckungsrisiko habe er nicht, wenn Abstände und Trennwände nun wegfallen: „Weil alle getestet sind und wir sorgfältig kontrollieren.“ Das sehen die meisten seiner Gäste auch so, wie er das wahrnimmt. Hin und wieder gebe es aber auch Gäste, die lieber wieder gehen, weil es ihnen zu voll ist.

Sowohl für die Küche als auch für den Servicebereich werden beim Eisernen Julius Mitarbeitende gesucht. Beim Lennhof in Hombruch ist personell „keine Not am Mann“, wie Geschäftsführer Attila Karpati erklärt. Bis auf den Nachtportier seien alle Mitarbeitenden wieder aus der Kurzarbeit zurück, nur der Hotelbetrieb ist noch eingeschränkt.

Durch die Lockerungen gibt es im Restaurant am Lennhof, anders als beim Eisernen Julius, keine großartigen Änderungen: Weiterhin finden drinnen etwa 60 Menschen Platz und können die „frische, ehrliche, authentische und vor allem regionale Küche“ von Attila Karpati genießen. Die Abstände in dem großen Fachwerkhaus konnten immer unproblematisch eingehalten werden. Nur eine Plexiglaswand habe aufgestellt werden müssen: an der Rezeption – und die bleibt auch erst mal noch.

Probleme, den Abstand einzuhalten, gab es im großen Fachwerkhaus vom Lennhof nicht.
Probleme, den Abstand einzuhalten, gab es im großen Fachwerkhaus vom Lennhof nicht. © Der Lennhof © Der Lennhof

Interessant wird es erst, wenn die Maskenpflicht wegfällt

„Interessant würde es erst werden, wenn die Maskenpflicht wegfällt“, meint der Gastronom. Weil das im Umkehrschluss bedeuten würde, dass die Infektionslage das zulasse und die Hemmschwelle dadurch noch geringer wäre. „Noch haben wir keinen Normalzustand. Viele verzichten noch auf den Restaurantbesuch und essen zu Hause.“ Wenn überhaupt könne eine Art Normalzustand wohl erst dann erreicht werden, wenn es vonseiten der Regierung und des Gesundheitsamts gar keine Regeln und Verpflichtungen mehr gibt und die Menschen wieder für sich selbst verantwortlich sind, meint der Dortmunder Restaurantchef.

Während einige Gäste „locker flockig“ drauf seien und auch Abstände nicht so genau nehmen, beschreibt Karpati den Großteil doch eher als „sehr vorsichtig“ – „Das Angstgefühl steckt noch in den Bäuchen.“

Er selbst macht sich keine Sorgen, dass sein Restaurant oder überhaupt die Gastronomie Infektionstreiber der Corona-Pandemie sein könnte: „Die Gastronomie hat direkt alle Regeln strikt durchgezogen, sogar noch strenger als gefordert. Deswegen habe ich mir diese Frage nie gestellt. Die Gastronomie ist wie ein OP-Saal.“

Über die Autorin
Volontärin
Ist am Niederrhein geboren und aufgewachsen. Hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und lebt seitdem in ihrer Wahlheimat Bochum. Liebt das Ruhrgebiet und all seine spannenden Menschen und Geschichten.
Zur Autorenseite
Irina Höfken