Vor der Litfaßsäule ist das Parken nicht erlaubt, dahinter schon. Fürs Abstellen vor der Säule gab es nun Knöllchen. © Britta Linnhoff
Baustelle

Knöllchen-Ärger an der Stockumer Straße: Baustelle „killt“ Parkplätze

Was tun, wenn man keinen eigenen Parkplatz hat und der Parkstreifen vor der Haustür eine Baustelle ist? Für Anlieger der Stockumer Straße bedeutet das ordentlich Ärger – und Knöllchen.

Seit Monaten schon wird auf der Stockumer Straße / Ecke Hagener Straße und Ardeystraße ordentlich gebuddelt. Erst verlegte die Dortmunder Netz GmbH (Donetz) neue Strom- und Wasserleitungen im Kreuzungsbereich, dann machte sich die Stadt daran, die Kanäle zu erneuern. Es geht dabei um ein etwa 200 Meter langes Stück im besagten Kreuzungsbereich.

Weil zudem gleich drei Buslinien von den Maßnahmen betroffen sind, wurden auch Haltestellen verlegt. Die sind nun unter anderem dort, wo früher in aller Regel die Mieter der Häuser Nummer 16, 18 und 20 parken konnten. Wilfried Kröning wohnt hier, und ist ziemlich wütend. Nicht, dass er kein Verständnis für das hätte, was nun mal gemacht werden müsse, aber er ärgert sich über das „Knöllchen“ über 20 Euro in seiner Tasche.

Wilfried Kröning mit seiner
Wilfried Kröning mit seiner „Post vom Oberbürgermeister“: Er soll ein Verwarnungsgeld über 20 Euro bezahlen. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Es mangele an Kommunikation und Klarheit seitens der Stadt, findet er. Seine Nachbarin Christiane Hart sieht das ähnlich: „Die Situation ist so wirr“, sagt sie. Man müsse doch nicht gleich mit der Keule draufhauen. Auch sie hat Post von der Stadt bekommen über ein Verwarngeld von 20 Euro wegen Parkens auf einem Geh- und Radweg. Es geht um etwa 40 bis 50 Meter von der Fritz-Kahl-Straße aus in Richtung Hombruchsfeld. Das Stück von der Fritz-Kahl-Straße bis zu einer Litfaßsäule ist kein Parkstreifen; nach der Litfaßsäule schon.

Park-Regelung ist verwirrend

Aber weil sie keine andere Möglichkeit sahen, ihre Autos abzustellen, haben Wilfried Kröning und Christiane Hart ihre Autos auf der Fläche vor der Litfaßsäule gestellt – und nun ihre Knöllchen. „Wir können uns unsere Autos doch nicht einfach wegdenken“, sagt Christiane Hart.

Was sie aber vor allem ärgert: Die so geparkten Wagen behinderten auf den paar Metern weder Fußgänger noch Radfahrer, es sei genauso viel Platz wie nach der Litfaßsäule. Sie fragen sich, ob man tatsächlich seitens der Stadt so vorgehen muss. Nichts sei kommuniziert worden, die Beschilderung sei undurchsichtig und die provisorischen Schilder teils schlecht sichtbar.

Wilfried Kröning und Nachbarin Christiane Hart studieren den Bescheid über ein Verwarnungsgeld von 20 Euro.
Wilfried Kröning und Nachbarin Christiane Hart studieren den Bescheid über ein Verwarnungsgeld von 20 Euro. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Sie ärgern sich außerdem über die schlechte Ausstattung der Baustellenabsperrung: Die Beleuchtung der Baustellenbaken sei teils defekt, eine fehle ganz bis auf den Sockel, über den eine Nachbarin vor wenigen Tagen bei Dunkelheit gefallen sei und sich den Arm gebrochen habe.

Von dieser Baustellenbake steht nur noch der Sockel.
Von der Baustellenbake steht nur noch der Sockel. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Bauarbeiten liegen im Zeitplan

Auf Anfrage hält Stadtsprecher Christian Schön zumindest diese gute Nachricht für alle Anlieger bereit: „Nach fünfmonatiger Bauzeit, in der die Stadtentwässerung Dortmund in Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt die Abwasserkanäle und die Bushaltestelle einschließlich Busspur in der Stockumer Straße / Hagener Straße erneuert haben, wird am Freitag, 1. Oktober, gegen Mittag die Baustelle komplett geräumt und die Bushaltestelle an ihren Ursprungsort zurückverlegt.“

Was das Parken vor der Haustür angeht, sagt Christian Schön: „Alle Verkehrsteilnehmenden haben ein Anrecht auf benutzbare Straßen, Rad- und Fußwege. Ein Anrecht auf auf einen Parkplatz im öffentlichen Verkehrsraum direkt vor der eigenen Haustür gibt es hingegen nicht.“ Das Anrecht aller Verkehrsteilnehmer auf benutzbare Wege akzeptieren auch Christiane Hart und Wilfried Kröning. Sie können allerdings keine Einschränkung durch ihr Parken erkennen, sagen sie.

Weiter erklärt die Stadt: Bei der Stockumer Straße handele es sich um eine der Straßen, die sich viele Kilometer durch das Stadtgebiet ziehe. Entsprechend vielfältig seien auch die Beschwerden. Einzelne Teilstücke würden deshalb fast täglich aufgrund von eingegangenen Beschwerden kontrolliert. Baustellen führten allerdings immer zu Beeinträchtigungen im Umfeld, da erfahrungsgemäß ein Teil der oft schon begrenzten Parkmöglichkeiten wegfällt.

Bei Kontrollen werde dann immer wieder festgestellt, dass dies zum Anlass genommen werde, Fahrzeuge nicht verkehrsgerecht oder sogar verkehrsgefährdend abzustellen. Fahrzeuge, die besonders behindern oder sogar gefährdend abgestellt sind, werden zusätzlich abgeschleppt.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels war von einer 18-monatigen Bauzeit die Rede. Aufgrund einer Verwechslung lagen der Redaktion falsche Informationen vor.

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Redaktion Dortmund
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Britta Linnhoff