Ein Foto aus Belgien: Die Tiere werden für die Produktion von Foie Gras (Stopfleber) gefüttert. © picture alliance/dpa
Post von Tierschützern

Nach Peta-Aufruf: Dortmunder Restaurant nimmt Stopfleber von der Karte

Für die einen ist es eine Delikatesse, für andere schlicht Tierquälerei. Es geht um die Stopfleber. Trotzdem schaffte es das Gericht auf die Karte eines Restaurants im Dortmunder Süden. Tierschützer schlugen Alarm.

Die Tierschutzorganisation Peta hat die Speisekarte des neuen Restaurants „The Stage“ im Dula Center an der Harkortstraße gelesen – und darauf „Foie Gras“, die Stopfleber, gefunden.

Die Herstellung der Stopfleber ist in Deutschland wie in vielen anderen europäischen Staaten verboten, in Frankreich aber beispielsweise nicht.

Die überfettete Leber wird durch eine Zwangsmast der Vögel produziert: Die Tiere werden mehrmals täglich mit einem Schlauch oder Rohr, das in die Speiseröhre eingeführt wird, mit einer Art Getreidebrei gefüttert. Stopfleber bedeute für Enten und Gänse ein unwürdiges Leben und einen qualvollen Tod, sagt Peta.

Peta schlägt vegane Alternative vor

Die Tierschutzorganisation hat nach dem Fund auf der Speisekarte des Stage (hier unter „Specials“ im Angebot mit Pflaume, Mandel und Estragon) nach eigenen Angaben Ende September den Stage-Geschäftsführer angeschrieben und darum gebeten, die Stopfleber von der Speisekarte zu nehmen. Eine Reaktion sei aber bisher ausgeblieben. Indes schlägt Peta dem Stage vor, eine tierleidfreie Alternative wie „Joie Gras“, eine vegane Pastete, anzubieten.

„Enten und Gänse sind sensible und hochsoziale Vögel, die oft lebenslange Partnerschaften eingehen und sich liebevoll um ihren Nachwuchs kümmern. Sie einzusperren und mehrmals täglich mit etwa einem Viertel ihres Körpergewichts zu mästen, um ihre kranke Leber zu essen, ist grausam“, erklärt Dr. Tanja Breining, Biologin und Fachreferentin bei der Tierschutzorganisation. „Wir bitten das Restaurant, sein Sortiment auf vegan umzustellen, denn die Nachfrage nach tierfreien Alternativen war noch nie so groß wie heute.“

Grausame Produktion ist nur noch in wenigen Ländern erlaubt

Die „Produktion“ von Stopfleber sei so grausam, dass sie in beinahe allen Ländern der EU verboten sei, nur Frankreich, Spanien, Ungarn, Bulgarien und ein Teil von Belgien produzieren noch Stopfleber. Auch abseits der europäischen Staaten – in Argentinien, Indien, Israel, Australien, Kalifornien, der Türkei und ab 2022 auch in New York – ist die Produktion verboten. In zahlreichen Hotels, Restaurants, im Online-Handel und in Markthallen in Deutschland werde Foie Gras bereits ausgelistet, so.

Dezent unauffällig: der Eingang zum Restaurant „The Stage“ an der Karlsbader Straße in Hombruch.
Dezent unauffällig: der Eingang zum Restaurant „The Stage“ an der Karlsbader Straße in Hombruch. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Und im The Stage? Sternekoch Michael Dyllong bestätigt auf Anfrage den Eingang des Schreibens – auch, dass er in diesem Fall noch nicht geantwortet habe. Mehr möchte er öffentlich nicht zu dem Thema sagen. Fest steht aber: Wer jetzt, nach dem 19. Oktober 2021, die „Specials“ der Speisekarte im Netz aufruft, findet keine Stopfleber mehr.

Vor gut einem Monat, im September 2021, hatte die Tatsache, dass die Stopfleber auf der Speisekarte steht, im Restaurant „Tante Amanda“ an der Dortmunder Stadtgrenze zu Castrop-Rauxel für einen Riesenwirbel gesorgt. Stopfleber-Gegner starteten dort eine Online-Petition.

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Britta Linnhoff