Der Bereich zwischen Obermarkstraße und Untere Egge ist nur dünn besiedelt. Es gibt viele Wiesen und Felder. Irgendwo hier muss der Angriff passiert sein. © Britta Linnhoff
Totes Reh

Reh quälte sich nach Hundebissen: „Menschen haben klare Verpflichtungen“

Zwei Hunde haben ein Reh in der Berghofer Mark gejagt und so schwer verletzt, dass es getötet werden musste. Welche Konsequenzen drohen ihnen und ihren Besitzern nun?

Es war am Nachmittag des 7. Oktober, als die Verantwortlichen die ersten Meldungen erreichten: In der Berghofer Mark sollen Hunde ein Rehkitz gejagt haben. Nur wenige Stunden später war das Tier tot. Es musste getötet werden, weil die Hunde es zu schwer verletzt hatten, um es noch zu retten.

Laut Informationen der Redaktion sind es wohl zwei Hunde gewesen, die das Tier jagten. Zeugen sprachen von einem Yorkshire Terrier und einer Mischung aus Dackel und Terrier. Die Polizei schrieb einen Bericht an das Ordnungsamt der Stadt, das gegebenenfalls eine Geldstrafe verhängen könnte.

Der Vorfall ereignete sich im Landschaftsschutzgebiet zwischen Obermarkstraße und Untere Egge; dort wurde das verletzte Reh schließlich auch gefunden.

Das Foto zeigt eine der Verletzungen am Kopf des Rehs.
Das Foto zeigt eine der Verletzungen am Kopf des Rehs. © privat © privat

Die Hunde, so heißt es nun, seien von privatem Terrain ausgebüxt und auf die Jagd gegangen. Zumindest einer der Besitzer muss versucht haben, seinen Hund zurückzurufen. Zeugen berichteten das. Genützt hat es offenbar nichts.

Jagdexperten sagten später angesichts der Verletzungen, das Tier habe sich „richtig gequält“. Es sei eine Sauerei, dass die Menschen ihre Tiere nicht im Griff haben. Menschen hätten, so formulierte es vor wenigen Tagen Jörg Tigges, Vorsitzender der Kreis-Jägerschaft Dortmund, schließlich eine Verantwortung: „Wir als Menschen müssen die Natur schützen“, sagt Tigges. „Das Wild hat keinen anderen Schutz als das vernünftige Handeln des Menschen.“

Von der vielbefahrenen Wittbräucker Straße geht es in die Untere Egge. Schnell findet man sich hier in der Natur wieder.
Von der vielbefahrenen Wittbräucker Straße geht es in die Untere Egge. Schnell findet man sich hier in der Natur wieder. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Landesjagdgesetz definiert ganz klare Regeln

Welche Regeln im Zusammenleben für Mensch und Tier gelten, das ist klar definiert – zum Beispiel im Landesjagdgesetz: Die Folgen für den Hundebesitzer können vielfältig sein. Läuft ein Hund unbeaufsichtigt im Wald oder auf Feldern herum, stöbert ein Hund Wild nach, hetzt oder reißt er die Tiere, so liegt eine Ordnungswidrigkeit nach dem Landesjagdgesetz vor.

Hier wird durch die zuständige Behörde ein Bußgeld verhängt. Nach dem Gesetz sind alle Hunde so zu halten, zu führen und zu beaufsichtigen, dass von ihnen keine Gefahr für Leben oder Gesundheit von Menschen oder Tieren ausgeht. Nach Paragraph 19a des Bundesjagdgesetzes sind „alle Handlungen verboten, die geeignet sind, Wildtiere zu beunruhigen“. Dazu gehört auch das Freilaufenlassen von Hunden.

Viel Feld, wenig Häuser: Das ist das Landschaftsschutzgebiet in der Berghofer Mark.
Viel Feld, wenig Häuser: Das ist das Landschaftsschutzgebiet in der Berghofer Mark. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Aber was gilt, wenn die Tiere von Zuhause weglaufen? Weil vielleicht ein Loch im Zaun ist, oder weil es die Besitzer schlicht zunächst nicht mitbekommen? Sie sind auf jeden Fall verantwortlich, sagt Peer Fiesel, Präsident des Landestierschutzverbandes, Anwalt und selbst Hundehalter.

Er sagt: „Das geht nicht. Hundehalter haben die Verpflichtung die Tiere so zu halten, dass Dritte keinen Schaden nehmen.“ Dazu gehöre für ihn auch, dafür zu sorgen, dass Tiere nicht von Zuhause ausbrechen können. Sie müssen ausbruchssicher gehalten werden. Für gefährliche Hunde gebe es eine gesetzliche Verpflichtung, für alle anderen eine „allgemeine Verpflichtung“.

Auch ohne Leine müssen die Tiere an der Jagd behindert werden

An der Darstellung des Falles in der Berghofer Mark hegt der Hundehalter allerdings einige Zweifel: „Zwei Hunde von verschiedenen Haltern brechen zufällig gleichzeitig aus, verabreden sich zufällig und jagen dann gemeinsam ein Reh?“ Fiesel scheint es naheliegender, dass es vielleicht doch der gemeinsame Spaziergang war, bei dem die Hunde ausgebüxt seien.

Der Präsident des Landestierschutzverbandes hat eine ganz klare Meinung: „Selbst da, wo keine Leinenpflicht herrscht, müssen Sie dafür sorgen, dass der Hund nicht jagt.“ Es handele sich um eine klare Ordnungswidrigkeit. Wäre ein Mensch betroffen, „würden wir von fahrlässiger Körperverletzung reden“.

Die Hundehalter, wenn sie denn beide bekannt sind, werden also vermutlich demnächst Post von der Stadt bekommen. Die konnte bis Freitag (15.10.) keine genaueren Angaben machen; zum Beispiel über die Höhe eines möglichen Bußgeldes.

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Britta Linnhoff